Ausstellung zum Thema „Fairer Handel“ im Rathaus / Weitere Beispiele für Nachhaltigkeit

„Konsum mit Köpfchen“ bietet sechs Millionen Menschen besseres Leben

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Annegret Merke von der Gruppe „Stuhr Fair“ (l.) und Ana Maria Becker vom Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung informieren zur Ausstellungseröffnung.

Stuhr - Von Heiner Büntemeyer. „Gebt uns einen gerechten Lohn, dann könnt ihr eure Almosen behalten“ – auf diesen einfachen Nenner könnte die Idee des „Fairen Handels“ reduziert werden. Dessen Kriterien sind schnell umrissen: Es geht um einen Mindestpreis, der den Erzeugern der Produkte eine Existenz sichert, ihre Produktionskosten deckt und sie gleichzeitig zur Einhaltung von Kernarbeitsnormen verpflichtet. Dazu gehört das Verbot von Kinder-, Zwangs- oder Sklavenarbeit.

Die Gruppe „Stuhr Fair“ möchte mit ihren „Fairen Wochen“ vom 11. bis 25. September dazu beitragen, diese Idee einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Zum Programm zählt auch eine Ausstellung, zu der Gruppensprecherin Annegret Merke am Dienstagabend 15 Gäste im Rathaus begrüßte. „Stuhr Fair“ sei bereits vor neun Jahren gegründet worden, erklärte sie. Seitdem gibt es auch die von ihr veranstalteten Aktionswochen“. Ziel sei es nicht, fair gehandelte Ware zu verkaufen, sondern vielmehr den Gedanken des redlichen Handels zu verbreiten.

Auch der stellvertretende Bürgermeister Uwe Schweers begrüßte die Gäste und erinnerte daran, dass der Rat der Gemeinde bereits 2008 beschlossen hatte, den fairen Handel bei Veranstaltungen der Gemeinde und im Rathaus zu unterstützen. Beispielsweise werde im Verwaltungssitz nur fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt.

Schon vorher hatten die Besucher Gelegenheit, sich die acht Info-Türme anzuschauen. Das Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (biz) hatte diese Ausstellung konzipiert, dessen Ansprechpartnerin Ana Maria Becker erläuterte Einzelheiten.

Seit 40 Jahren bestehen weltweit Handelspartnerschaften, die den Erzeugern in Asien, Afrika und Lateinamerika Mindestpreise für ihre Produkte garantieren. 1,2 Millionen Bauern in 70 Ländern profitieren von diesem „Konsum mit Köpfchen“, der rund sechs Millionen Menschen bessere Lebens- und Wirtschaftsbedingungen bietet. Sie können mit dem Geld Saatgut und Geräte vorfinanzieren, können den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden reduzieren, weil ihnen bei biologischem Anbau eine zusätzliche Unterstützung gewährt wird. Außerdem erhalten die Erzeuger eine sogenannte Entwicklungsprämie, die sie für Schulgeld und Bildung verwenden können. „Aber noch arbeiten in Ghana zwei Millionen Kinder in der Kakao-Erzeugung“, berichtete Ana Maria Becker.

Um sich durchzusetzen, benötige die Idee fairen Handels in Europa eine breite gesellschaftliche Unterstützung. Eine zu geringe Nachfrage führe dazu, dass die Produzenten noch immer einen Teil ihrer Erzeugnisse an den konventionellen Handel verkaufen müssen. Fairer Handel sei aber nur ein Beispiel für nachhaltigen Konsum. Auch durch Recycling, Tauschen, Teilen und Reparieren ließen sich Ressourcen sparen. Wie wichtig hier eine Veränderung der Verhaltensweise ist, veranschaulichte Becker mit dem Hinweis, dass zweieinhalb Erden benötigt würden, wenn alle Menschen auf der Welt so lebten wie die Deutschen.

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