Wo Korte auf Steinmeier trifft

Ausstellung in Stuhrer MGH: Schöne, Reiche und Politiker unter einem Dach

Porträt von Donald Trump unter einem Tuch.
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Der abgehängte Trump will entdeckt werden.

„Was bleibt . . .“ heißt eine Ausstellung mit fast 90 Porträts der Stuhrer Malerin Rita Wolff, die auf verschiedene Räume des Brinkumer Mehrgenerationenhauses (MGH) verteilt sind. Politiker kommen ebenso zur Geltung wie Sportler und Schauspieler. Als Vorlagen dienten Wolff Fotos aus Zeitungen oder Büchern, teilweise hat sie auch das Internet bemüht. 

Stuhr – Im Brinkumer Mehrgenerationenhaus (MGH) ist Platz für alle. Für die ganz kleinen Krippenkinder und die Teilnehmer des Seniorenmittagstisches; für die Haupt- und die Ehrenamtlichen. Neuerdings bringt die Einrichtung sogar lokale Größen wie Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte und das Staatsoberhaupt Frank-Walter Steinmeier zusammen. Und Rudi Carrell fühlt sich zwischen Karl Lauterbach und Armin Laschet ganz wohl. Möglich macht das die Ausstellung „Was bleibt . . .“ mit fast 90 Porträts der Stuhrer Malerin Rita Wolff, die sich über verschiedene Räume des MGH erstreckt.

Die kleinformatigen Bilder zeigen Menschen aus Politik, Kultur und Sport, die die Künstlerin auf ihrem Lebensweg begleitet und/oder beeindruckt haben. Das Café zum Beispiel ist den Politikern vorbehalten. Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe Rudi Carrell. Auch der geschäftsführende Vorstand der Bürgerstiftung, Thomas Schaumlöffel, fällt aus der Reihe.

Im Café des MGH hängt der Großteil der Porträts, auch die bislang acht Bundeskanzler und das Fragezeichen für die Merkel-Nachfolge.

Als Vorlagen dienten Rita Wolff Fotos aus Zeitungen oder Büchern, teilweise habe sie auch das Internet bemüht. Sie hat darauf geachtet, dass die Originale den Promi so treffen, wie sie ihn selbst zur jeweiligen Zeit wahrgenommen hat. Die künstlerische Freiheit spiegelt sich also im Gesichtsausdruck des Porträtierten wider. Der ehemalige amerikanische Präsident Donald Trump etwa kommt mürrisch daher, sein über ihm hängender Nachfolger Joe Biden kämpferisch-feixend. Dieser Gegensatz erschließt sich dem Betrachter nicht sofort, denn das Porträt Trumps ist mit einem schwarzen Tuch abgehängt. „Man muss ihn nicht sehen, er war lange genug präsent“, so Wolff.

Ex-Bundeskanzler Willy Brandt etwa war für die Künstlerin ein nachdenklicher Mensch, Angela Merkel hat sie während der Pandemie als mahnende Person erlebt. Deshalb der erhobene Zeigefinger. Für beide Politiker hat Wolff mehrere Anläufe benötigt, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden war.

Die Riege der Kanzler habe sie sehr beschäftigt, betont Wolff, nicht zuletzt wegen der anstehenden Bundestagswahl und dem damit einhergehenden Wechsel auf diesem Posten. Zusätzlich zu den bisherigen acht Amtsträgern hat sie ein Fragezeichen gemalt – Fortsetzung folgt also. Gleichzeitig „toll und erschreckend“ findet die 64-Jährige, dass sie alle Bundeskanzler erlebt hat. „Als ich geboren wurde, war Adenauer acht Jahre im Amt.“

Mit den Schönen und Reichen in der Backstube.

Nicht immer ist die Vorlage eins zu eins wiedergegeben. Annalena Baerbock zum Beispiel hat nachträglich zwei Hände bekommen, weil Rita Wolff ihre gestikulierende Art festhalten wollte.

Im Flur hängen Sportler wie Boris Becker, Jogi Löw und Steffi Graf, aber auch Schauspielerinnen wir Romy Schneider, Marilyn Monroe und Audrey Hepburn. Wolff selbst und ihr Zwillingsbruder sind dort ebenfalls vertreten, auch Ehemann Klaus Torns. Manchen Stars hat die Künstlerin mit der Auswahl von Vorlagen aus jungen Jahren geschmeichelt. Elvis Presley und Götz George würden sich bedanken, so sie noch lebten. „Und immer wenn ich an Pavarotti vorbeilaufe, bekomme ich gute Laune“, sagt MGH-Leiterin Daniela Gräf. „Der strahlt so viel davon aus.“ In der Backstube kommen weitere Schöne und Reiche zur Geltung – von Karl Lagerfeld über Claudia Schiffer bis hin zu George Clooney. Es  dürfte eine Ehre für Gräf sein, dass sie dort auch ihren Platz hat.

Angefangen habe alles im Jahr 2018 mit einem Porträt von Albert Einstein, entstanden während eines Aufenthalts in Worpswede, berichtet Wolff. Ein Foto in der Zeitung habe sie dazu inspiriert. „Dann gab es kein Halten mehr.“ Die meisten Bilder, knapp 60 an der Zahl, sind aber während der Corona-Pandemie entstanden. Das hat etwas von Fließbandproduktion. Ehemann Torns, den Wolff als „Kurator“ der Ausstellung bezeichnet, musste da ein bisschen kürzertreten. Zu den 88 Porträts gesellen sich noch drei abstrakte Bilder , die ebenfalls in der Backstube hängen.

Bis Ende September ist ihre aktuelle Werkschau noch zu sehen, und zwar montags bis freitags von 8.30 bis 17 Uhr. „Alle sind eingeladen“, sagt Gräf. „Wer kommt, muss zeigen, dass er ungefährlich ist.“ Sprich: getestet, genesen oder geimpft. Wolff hätte nichts gegen eine längere Ausstellungsdauer einzuwenden. Dann könnte sie vielleicht schon ihre nächste Serie einfügen: die First Ladies der männlichen Polit-Elite. Zu wem tendiert sie bei Gerhard Schröder? „Ganz klar zu Doris Schröder-Köpf.“

Von Andreas Hapke

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