Ausstellung „Faszination Libellen“ von heute bis zum 5. Juni im Rathaus

„Ich habe mich indie Viecher verliebt“

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Gerold Leschke mit einem Foto der Gemeinen Weidenjungfer, das in der Ausstellung zu sehen ist.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Sie heißen Wasserjungfer, kleines Granatauge, großer Blaupfeil und Plattbauch. Und dank Gerold Leschke weiß man inzwischen, dass sie ihren Lebensraum auch in Stuhr haben. Die Rede ist von Libellen, deren Beobachtung sich Leschke verschrieben hat. „Ich habe mich in die Viecher verliebt“, sagt er.

Jetzt, bei frühlingshaften Temperaturen, erwachen nicht nur die Libellen zum Leben. Dann ist auch Leschke wieder unterwegs. Bewaffnet mit einer Kamera grast er die Stuhrer Biotope ab, immer auf der Suche nach einem weiteren Schnappschuss von den „fliegenden Akrobaten“, wie er die Objekte seiner Begierde nennt. Dass sich viele Arten langsam bewegen, alle in der Luft stehen können und oft genüsslich in der Sonne sitzen und Wärme tanken, erleichtert Leschke die Aufgabe. Mit seinem Faible hat er auch den Stuhrer Ortsverein des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) angesteckt, der eigens für ihn den Posten eines Libellenbeauftragten eingerichtet hat.

„Ich bin kein Jäger, der alle Libellen auf dem Foto haben möchte“, sagt Leschke. Er beschränke sich auf Stuhr, wo 30 von 70 möglichen Arten vorkommen. Leschke hat sie auf den vier nabu-eigenen Grundstücken aufgestöbert, in Brinkum, am Kuhteichweg, im Henkenmoor und im Weißen Moor. Dort finden sich stehende Gewässer, die viele Arten als Lebensraum bevorzugen. Sie halten sich an Tümpeln, Seen und Teichen auf, wo ihre Larven vor allem in flacheren Uferzonen zwischen Wasserpflanzen leben. Leschke kartiert seine „Funde“. Die Ergebnisse gibt er weiter an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der solche Informationen zentral sammelt.

„Vor einigen Jahren habe ich gedacht, es gibt nur grüne und blaue Libellen, dazu noch die kleinen roten“, sagt Leschke. „Dass es so viele Arten sind, davon war ich richtig fasziniert.“

Von da an hat seine Leidenschaft Fahrt aufgenommen. 15000 Fotos hat er inzwischen von den heimischen Libellen gemacht. Eine Auswahl davon zeigt er ab heute im Rahmen einer Ausstellung im oberen Foyer des Stuhrer Rathauses.

Vortrag am

2. Juni

Die bis zum 5. Juni laufende Präsentation beginnt um 16 Uhr mit einem kleinen Empfang. Konzipiert hat sie der Nabu Rotenburg, der dafür acht Stellwände mit umfangreichen Informationen über Libellen und deren Lebensräume vorbereitet hat. Leschke steuert rund 20 seiner Bilder hinzu. Außerdem hält er am Dienstag, 2. Juni, um 19 Uhr einen Dia-Vortrag in Raum 145 des Verwaltungssitzes. Neben Wissenswertem über die Stuhrer Libellen erfahren die Besucher auch Allgemeines zu Anatomie und Lebensweise der Insekten.

Leschke stammt nach eigener Auskunft aus der „Generation Grzimek“ (Bernhard Grzimek, erfolgreicher und im März 1987 verstorbener Tierfilmer, die Red.). Er wolle die Menschen an seinem Hobby teilhaben lassen und zeigen, „was es so alles in ihrer Umgebung gibt. Die meisten sind dann ganz erstaunt“, sagt er. Diese Erfahrung habe er bei einem Vortrag über das Henkenmoor vor der Arbeitsgruppe „Mehr Grün für Stuhr“ gemacht.

Allein im Henkenmoor tummeln sich nach Beobachtungen Leschkes 21 verschiedene Libellenarten, von A wie Azurjungfer bis V wie Vierfleck – sehr zur Freude des Stuhrer Umweltbeauftragten Marc Plitzko: „Libellenlarven leben in Gewässern. Wo die Insekten rumschwirren, sind die Gewässer intakt. Außerdem stellt man dadurch fest, was Ausgleichsmaßnahmen wie Inselbiotope für die Natur bringen.“

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