Ausschuss gegen Waldkindergarten

Lange Anfahrt und kurze Betreuung

Vielerorts gibt es bereits Waldkindergarten wie zum Beispiel in Bruchhausen-Vilsen.  Archivfoto: Hapke
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Vielerorts gibt es bereits Waldkindergarten wie zum Beispiel in Bruchhausen-Vilsen. Archivfoto: Hapke

Stuhr - Von Sandra Bischoff. Einen Waldkindergarten wird es in Stuhr voraussichtlich nicht so schnell geben. Der Ausschuss für Jugend, Freizeit und Kultur hat am Dienstagabend den Antrag der Grünen-Fraktion auf eben diese Einrichtung abgelehnt.

Grünen-Ratsherr Jens Schriefer hatte zuvor aus Sicht seiner Fraktion die Vorteile eines solchen Kindergartens zusammengefasst. Dieser sei eine sehr gute Angebotsergänzung und eine qualitative sowie quantitative Bereicherung. „Es ist allerdings kein Mainstreamangebot und sicher nicht für jedes Elternpaar und jedes Kind geeignet“, sagte er. Er verwies zudem auf die fehlenden Betreuungsplätze. Der Waldkindergarten könne bereits zum kommende Sommer starten und reduziere das Problem.

Die Verwaltung hatte das Ansinnen der Grünen geprüft. Die Betreuungszeit der Drei- bis Sechsjährigen weicht im Wald von der in regulären Einrichtungen ab, so Fachbereichsleiter Detlev Gellert. Die Gruppengröße umfasse maximal 15 Plätze, um die in der Natur erforderliche Aufsicht zu gewährleisten. Betreut wird der Nachwuchs lediglich in einer Halbtagsgruppe. Ein Punkt, den Gellert zu bedenken gab.

Für den Stammplatz mit einem Bauwagen als Rückzugsort sei ein Gebiet von mindestens 0,5 Hektar erforderlich. Das Gebiet dürfe nicht zu dicht an einer stark befahrenen Straße liegen. Und auch innerhalb des Waldes können Gefahren lauern. Zusammen mit dem Gemeindeunfallverbund müsse die Verwaltung prüfen, dass nicht zu viel Totholz in den Bäumen vorhanden sei. So seien zudem bestimmte Waldformen ungünstig. Hohe Buchenwälder ließen im Sommer kaum Licht durch. Wünschenswert sei ein locker bewaldetes Gebiet mit unterschiedlicher Vegetation. Ein solches zu finden, sei nicht unbedingt einfach, gab Gellert zu. Vor allem, weil viele solcher Forstgrundstücke in Privatbesitz seien oder den Staatsforsten gehörten.

„Ein Blick auf die Karte zeigt, das geeignete Gebiete ausnahmslos an der Gemeindegrenzen liegen“, so Gellert. Eltern müssten aus diesem Grund lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. Er sprach von einem Nischenangebot für Eltern, die eine kürzere Betreuungszeit wollten und längere Anfahrtswege in Kauf nähmen. Die jährlichen Personalkosten beliefen sich auf 84200 Euro, die weiteren Aufwendungen wie Bewirtschaftungskosten und ähnliches betrügen 33400 Euro. Ein Kind kostet laut Gellert somit 522,67 Euro im Monat. Das entspreche in etwa einem regulären Kindergarten.

FDP-Fraktionschef Jürgen Timm plädierte dafür, lieber regelmäßige Waldtage einzuführen. „Ich bin ein Fan davon.“ Zudem hätten dadurch mehr Kinder die Chance, das Leben in der Natur kennenzulernen. Er lehne einen Waldkindergarten nicht ab, aber die Neuschaffung einer Kita habe Priorität. Sabine Sparkuhl erklärte ebenfalls, es sei sinnvoller eine neue Kita zu bauen. So sah es auch Sozialdemokrat Gerd Harthus: „Wir sollten alle Kraft auf die neue Kita verwenden.“ „15 Waldkinder könnten 15 Plätze in einer konventionellen Einrichtung freimachen“, machte Schriefer noch einen vergeblichen Versuch. Der Ausschuss lehnte den Antrag mehrheitlich ab.

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