Ausgeliefert im Arbeitsstipendium

Für Nico Pachali beginnt der Aufenthalt in der Künstlerstätte 

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Ein Werk aus der aktuellen Schaffensphase des Künstlers Nico Pachali: mehrere Objekte aus transparentem Klebeband, deren Anordnung variabel ist. Pachali legt großen Wert auf Bewegung, Dynamik und Veränderung.

Heiligenrode - Von Andreas Hapke. Nico Pachali am Telefon zu erwischen, ist zurzeit etwas schwierig. Der Braunschweiger hat viel mit seinem Umzug zu tun. Am Mittwoch, an seinem 30. Geburtstag, tritt er offiziell sein zehnmonatiges Wohn- und Arbeitsstipendium der Bildenden Kunst in Heiligenrode an. In der Künstlerstätte des idyllischen Stuhrer Ortsteils möchte sich Pachiali weiterentwickeln. Seiner Ansicht nach könnten die Voraussetzungen kaum besser sein.

Laut Pachali ist Stuhr „neben zwei, drei anderen“ Residenzstipendien in Niedersachsen eine Option für alle, die in Braunschweig ihr Diplom gemacht oder ihre Meisterschule absolviert haben. Und das nicht nur, weil es gut dotiert ist. „Die Abgeschiedenheit dort kann sehr produktiv sein, wenn man sich darauf einlässt“, sagt Pachali. „Das hat auch etwas von ausgeliefert sein. Man wird zwangsläufig immer wieder mit seiner Arbeit konfrontiert. Man zwingt sich förmlich, sich damit zu beschäftigen.“ Dass dies eine Herausforderung sei, habe er schon in den vergangenen Tagen gemerkt, die er in Heiligenrode verbracht hat.

Nico Pachali wurde 1988 in Gera geboren. 2012 begann er sein Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Nach seinem Diplom 2017 war er für ein Jahr Meisterschüler von Thomas Rentmeister.

Pachalis Werke sind aus transparentem Klebeband, mit dessen Eigenschaften und Beschaffenheit er experimentiert. Er passt seine Objekte den Gegebenheiten des Raumes an. Den Raum erobern, ihn ausfüllen und wieder in etwas anders überführen – das gehört zu der Arbeitsweise Pachalis. Er befinde sich immer in Bewegung, sagt er, nichts habe für ihn eine Grenze. Er wolle seine Arbeit immer im Zustand der möglichen Veränderung sehen. Das gilt für die Objekte ebenso wie für den Künstler selbst: „Ich brauche das Alte, um zu Neuem zu gelangen.“

Nico Pachali - Foto: privat

Das Klebeband habe er durch Zufall als Material entdeckt. „Ich wollte eine Bodenarbeit mit viel Papier und viel Pappe begehbar machen. Also habe ich alles mit Klebeband zusammengeklebt und dabei entdeckt, dass mir die Arbeit damit gefällt.“ Seitdem habe er immer versucht herauszufinden, wie er das Material für sich nutzen kann. Er hat gefaltete Werke mit Klebeband komprimiert und die einzelnen Elemente auf dem Boden oder an der Wand angeordnet – immer bereit, diese Anordnung jederzeit wieder aufzulösen und etwas Neues daraus entstehen zu lassen. Die Variationen scheinen unendlich.

In Heiligenrode möchte Pachali dort weitermachen, wo er nach der Meisterschule begonnen hat. Seit Februar bezieht er die Schrift in sein künstlerisches Schaffen mit ein. „Sie eröffnet mir neue Möglichkeiten“, sagte er. Seine mit Klebeband verdichteten Objekte tragen nun Aufschriften wie „Field Fragment“ oder „Transporting Space“ – Begriffe, die zusätzlich für Bewegung und Veränderung stehen.

Pachali möchte nach eigener Auskunft weg von der Zeichnung und der damit einhergehenden Zweidimensionalität hin zu einer Dreidimensionalität. Er möchte weg von dem Papier und damit von dem Holz als altem Material. „Das Klebeband ist künstlich, es weist mehr in die Zukunft“, sagt er. Für ihn ist es Verpackung, Papier und Träger von Schrift zugleich.

Obwohl er sich bereits seit vier Jahren mit dem Material beschäftige, habe er das Gefühl, dass er diesen Bereich bislang nur „angerissen“ habe. Seine Zeit in Heiligenrode ist für ihn ein weiterer Schritt, tiefer in die Materie vorzudringen.

Das Wohn- und Arbeitsstipendium ist mit monatlich 1400 Euro dotiert und beinhaltet die Möglichkeit, die Räume der Künstlerstätte Heiligenrode zu nutzen. Am Ende des Aufenthalts ist eine Abschlussausstellung vorgesehen. Zudem gewährt die Gemeinde den Stipendiaten einen Katalogzuschuss.

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