Ausflug in die literarische Vergangenheit

Juraj Sivulka interpretiert Brentano im Stuhrer Rathaus

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Der Deutschlehrer Juraj Sivulka schlüpft in die Rolle des Heidelberger Romantikers Clemens Brentano.

Stuhr - Von Angelika Kratz. Die Ankündigung „Lesung mit Juraj Sivulka“ hat mittlerweile eine regelrechte hohe Nachfrage auf die besten Plätze im Stuhrer Rathaus ausgelöst. „Ich hatte vergessen, vorab eine Karte zu bestellen, und bin froh, noch einen Platz ergattert zu haben“, verriet Ilse Düßmann aus Varrel. Längst ist sie zum Fan des Moordeicher Deutschlehrers der Lise-Meitner-Schule geworden.

Seine bewegten Ausflüge in die literarische Vergangenheit lockt nicht nur die alte Generation an. Freiwillig und ohne einen Teilnahmestempel für bessere Noten freuten sich am Sonnabend viele Schülerinnen und Schüler über einen wieder besonderen und sehr lebendigen Exkurs in die poetische deutsche Sprache von einst.

Juraj Sivulka begann im Jahre 2000 mit eigenen Gedichten im Stuhrer Rathaus ganz persönlich die „Stationen eines Lebens“. Ihr folgten nun zum 15. Mal deutsche Dichtkunst zwischen Storm, Fontane, Schiller, Heine, Goethe und Kästner in ganz eigener Präsentation eines von der deutschen Sprache faszinierten gebürtigen Slowaken.

Es braucht Zeit, sich auf Sivulkas Interpretationen, den nicht abgelegten Teil der slowakischen Sprache und die steten Ortswechsel von Juraj Sivulka im Raum einzulassen. Aber dann, wenn die Augen zugehen, die Seele zur Ruhe kommt, erscheint ein Clemens Brentano plötzlich in einem lebendigen Licht. Sicherlich kramte die frauliche Hand nach ihrem Taschentuch in der Handtasche: Der offensichtliche Schönling Clemens Brentano hatte indes keinen guten Start ins Leben. 

Ein ganz besonderes Lebensbild

Juraj Sivulka verstand es gekonnt mit der Unterstützung von Tochter Mira und der Musik von Bernhard Schenke am Klavier und Cello, ein ganz besonderes Lebensbild zu erstellen. Besonders die Schilderung der Mutter Maximiliane, die als zweite Ehefrau des Vaters ein Kind nach dem anderen gebar und mit jungen 36 Jahren schließlich verstarb, brachte mit den Versen des Sohnes tiefes Seufzen.

„Ich habe keinen Vater gekannt“, schrieb Brentano hinsichtlich seiner eigenen Weitergabe an die Tante, denn die Familie wurde mit den vielen Geburten der Geschwister viel zu groß. Unglücklich wurde auch er mit seinen Ehen und der Suche nach dem Glück. Berühmt und auch reich geworden hatte Brentano offensichtlich keine finanziellen Ängste als einer der Heidelberger Romantiker. Dennoch wartete das kranke Herz des Poeten auf Gesundung seit der Kindheit.

Juraj Sivulka verstand es wie immer, das Publikum mit auf eine ganz besondere Reise zu nehmen und der steten Suche nach dem eigenen Glück ein besonderes Podium zu bieten. „Glück kennt keine Jahreszeit, Glück hat immer den gefunden, der sich seines Lebens freut“, ist beste Botschaft von Clemens Brentano.

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