Vermittlung von Lehrstellen

Ausbildung: Breites Bündnis will in Stuhr Firmen und Jugendliche zusammenbringen

Junger Mann am Motor eines Fahrzeugs
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Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ist beim Nachwuchs beliebt.

Jugendliche tun sich bei der Suche nach einer passenden Lehrstelle schwer, Unternehmen bei der nach Auszubildenden. Ein Grund dafür: die Corona-Pandemie beziehungsweise die damit einhergehenden Einschränkungen. Keine Praktika, keine Messen. Damit entfällt der persönliche Kontakt als unabdingbare Voraussetzung für ein gegenseitiges Kennenlernen.

Stuhr - Nicht nur größere Veranstaltungen der Berufsorientierung fallen in Stuhr aus. Es fängt schon damit an, dass die Berufsberatung nicht in die Schule kommen darf. Deshalb hat sich ein breites Bündnis für Arbeit gegründet, das die Firmen und den Nachwuchs zusammenbringen möchte. Ihm gehören die Kommune, die beiden Kooperativen Gesamtschulen in Brinkum und Moordeich, die drei Stuhrer Interessengemeinschaften sowie die Handwerkskammer (HWK) und die Industrie- und Handelskammer (IHK) an. „Junge Menschen schieben den Einstieg in den Beruf nach hinten. Das kommt jetzt bei den Unternehmen an“, weiß der Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier. „Was können wir beitragen, um das Problem auf regionaler und lokaler Ebene zu entschärfen?“ – diese Frage habe im Mittelpunkt der Überlegungen gestanden.

Als ersten Schritt nehmen die Akteure eine Online-Befragung bei den Stuhrer Unternehmen in Angriff. Damit wollen sie in Erfahrung bringen, ob und – wenn ja – wie viele Lehrstellen die einzelnen Firmen anbieten. Die Rückmeldungen werden zeitnah an die beiden KGS und somit an die Jugendlichen weitergereicht. „Damit ist der direkte Kontakt zwischen Schüler und Betrieb gewährleistet“, sagt Wimmelmeier, der auch auf die bundesweite Ausbildungsförderung für die Firmen in Zeiten von Corona aufmerksam macht: 4 000 beziehungsweise 6 000 Euro bekämen die Betriebe, wenn sie den Bestand der Lehrstellen beibehielten oder sogar aufstockten.

Als zweite Aktion ist eine Online-Videokonferenz mit Schülern der KGS Brinkum und Moordeich am 28. April angedacht. In jeweils 20 Minuten geben Vertreter der IHK und der HWK Tipps zur Berufswahl. Darüber hinaus stellen jeweils ein Unternehmen aus dem Handwerk und aus der Dienstleistungsbranche ihre Ausbildungsplätze vor. „Mal sehen, wie das läuft. Es gibt ansonsten wenig Zeit, um zusätzlich berufsorientierende Maßnahmen einzuführen“, sagt Wimmelmeier.

Der Wirtschaftsförderer kennt zwar Unternehmen, die schon ihre Ausbildungsverträge für dieses Jahr unter Dach und Fach haben. Doch es gebe noch „etliche“, bei denen das nicht der Fall sei. Umgekehrt haben knapp 50 Jugendliche aus den neunten und zehnten Haupt- und Realschulklassen in Brinkum und Moordeich noch keine adäquate Lehrstelle gefunden, wie von den beiden KGS zu erfahren ist.

Ihrer Auskunft nach stehen bei den Mädchen und Jungen Berufe wie Automobil-, Bank- und Einzelhandelskauffrau/-mann hoch im Kurs, ebenso Dachdecker/in, Elektriker/in, Erzieher/in, Fachinformatiker/in, Fachlagerist/in, Kfz-Mechatroniker/in, Kauffrau/-mann im Digitalisierungsmanagement sowie in der Speditions- und Logistikdienstleistung.

Während die Schüler der KGS Moordeich im vergangenen Herbst ihre Praktika noch weitgehend absolvieren konnten – von Absagen einzelner Betriebe mal abgesehen –, ging der neunte Jahrgang des Gymnasialzweigs an der KGS Brinkum leer aus. Ausgefallene Jobmessen tragen laut Gertrud Hoffmann, Fachbereichsleiterin Arbeit, Wirtschaft und Technik in Brinkum, ebenfalls dazu bei, dass Schüler in Sachen Berufswahl noch unentschieden sind. „Online-Veranstaltungen haben nicht den gleichen Wert wie persönliche Kontakte. Es fehlt die Motivation, das Anfüttern.“ Dies passiere zum Beispiel, wenn Azubis auf Messen von ihrem Weg erzählten.

„Das Praktikum ist immer noch die beste Brücke in den Betrieb. Die ist jetzt weggebrochen“, stellt Volker Twachtmann fest, Chef der Interessengemeinschaft Stuhrer Unternehmen (Isu). „Wie funktioniert Arbeit? Wie das soziale Miteinander? Und der Betrieb lernt über die Noten hinaus den Menschen kennen.“ Twachtmann ist überzeugt, dass die Firmen jetzt aufwachen. „Bis vor ein, zwei Monaten gab es noch eine große Unsicherheit bezüglich Ausbildung. Auch wenn das Impfgeschehen ruckelnd ans Laufen kommt, ist langsam Licht am Ende des Tunnels. Ich bin sicher, dass wir im August wieder ausbilden können.“

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