Arbeitsmarkt und Flüchtlinge Thema bei heutigem Infoabend im Rathaus

„Die Sprache ist der Schlüssel zum Job“

Stuhr - Von Katrin Köster. Zahlreiche Männer und Frauen aus Syrien, Irak, Iran und Afghanistan suchen Arbeit im Kreis Diepholz. Ihre möglichen Arbeitgeber im Stuhrer Raum kommen vor allem aus dem Handwerk, der Lager- oder Logistikbranche.

Christopher Lalottis von der Agentur für Arbeit Nienburg-Verden.

Aber auch Pflegekräfte sind gefragt. Doch welche Hürden müssen die Flüchtlinge und potenzielle Arbeitgeber meistern? Antworten auf diese und andere Fragen bekommen Unternehmer heute um 19 Uhr im Rathaus. Dort wollen Barbara Weiser von der „Zentralen Beratungsstelle Arbeitsmarkt und Flüchtlinge“ sowie Christopher Lalottis von der Agentur für Arbeit Nienburg-Verden über dieses Thema informieren.

Herr Lalottis, was ist Ihr tägliches Geschäft als „Beauftragter für Migration und Integration“ bei der Agentur für Arbeit in Nienburg-Verden?

Christopher Lalottis: Mich darum zu kümmern, dass die ersten Schritte in Richtung Integration starten und gelingen. Dafür arbeite ich eng mit dem Kreis und den Gemeinden zusammen. Zudem kümmere ich mich um einheitliche „erste Schritte“ der Integration im Kreis. Dazu gehört die Kooperation mit den Bildungsträgern vor Ort und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Es gibt viele Menschen, die schnell in Arbeit kommen möchten. Ich bin daher auch viel in Arbeitgeberrunden zu Gast und erkläre, wie die Lage ist und was von ihnen erwartet wird, zum Beispiel bei der Bereitstellung von Praktikumsplätzen.

Welche drei Stichworte charakterisieren für Sie die Lage der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt im Kreis?

Lalottis: Erstens: Wir sind noch nicht soweit, dass wir sie in Relation zum Arbeitsmarkt setzen können, vor allem fehlt es ihnen an Sprachkenntnissen. Zweitens: Die Menschen sind sehr motiviert, alles zu tun, damit der Prozess der Integration auf dem Markt schnell geht. Drittens: Es gibt ganz viel Bereitschaft bei den Betrieben, sich auf die Migranten einzulassen.

Gibt es bereits Unternehmen in Stuhr und Weyhe, die Flüchtlinge beschäftigen?

Lalottis: Das kann ich bei der aktuellen Flüchtlingswelle nicht mit Sicherheit sagen.

Welche Hürden müssen Unternehmer und Flüchtlinge nehmen, bevor ein Arbeitsvertrag zustande kommt?

Lalottis: Der Schlüssel ist die Sprache, auch die berufsbezogene Fachsprache, die die Leute kennen müssen. Aufenthaltsrechtlich dürfen die Menschen hier nach drei Monaten arbeiten. Das Entscheidende ist, dass sie ein ordentliches betriebliches Praktikum absolviert haben. Damit haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer schon mal getestet, ob sie zusammenpassen. Viele Flüchtlinge kommen im Handwerk unter. Da gilt es, an einigen Stellen auch Qualifikationen nachzuvermitteln. Das sind aber Prozesse, die nicht von heute auf morgen funktionieren.

Wo hakt es in Ihren Augen? Was sollte sich ändern?

Lalottis: Das Schwierige ist das Verfahren. Die Agentur für Arbeit ist quasi von der Ankunft bis zur Anerkennung als Asylbewerber für die Flüchtlinge zuständig. Danach übernimmt das Jobcenter.

Der Datentransfer vom Landkreis zur Agentur für Arbeit ist problematisch, teils wegen Datenschutzgründen. Zudem wissen die Betreuer der Flüchtlinge oft gar nicht, dass sich ihre Schützlinge am besten gleich nach Ankunft hier arbeitssuchend melden sollten.

Gut ist, dass die Sprachkurse immer berufsnäher gestaltet werden. Dafür haben sich hier im Landkreis die Träger zusammengeschlossen. Da bin ich guter Dinge.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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