Verhungert und verscharrt

Arbeitskreis „Gräberfeld Jelcz-Laskowice“ stellt am 1. März Buch vor

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Bisher waren viele Erfahrungen rund um das Leben und Sterben in dem einstigen Außenlager Fünfteichen nur auf Polnisch in diesem Buch von Iwona Placzek verfügbar. Auf das neue Buch der Arbeisgruppe freuen sich daher (v.l.) Elisabeth Heinisch, Brigitte Witte und Helmut Riewe.

Stuhr - Von Katharina Schmidt. Als junges Mädchen sah Ella Eggers eigenen Aussagen zufolge, wie Nationalsozialisten auf einem Stück Brachland in ihrer Heimat Markstädt (heute das polnische Jelcz-Laskowice) Leichen verscharrt haben. Die Szene spielte sich unweit eines KZ-Außenlagers ab. Hätte sich Eggers damals nicht im Gebüsch versteckt und alles beobachtet, hätte sich Jahrzehnte später und mehr als 700 Kilometer entfernt vielleicht nie der Heiligenroder Arbeitskreis „Gräberfeld Jelcz-Laskowice“ gegründet. Denn Berichte wie der von der heute in Ganderkesee lebenden Frau hatten dessen Mitglieder dazu veranlasst, zu forschen. Nun veröffentlichen sie ein Buch.

Das Werk trägt den Titel „Verhungert – verscharrt – vergessen. Den Opfern des KZ-Außenlagers Fünfteichen zum Gedenken“. Der an der Volkshochschule angesiedelte Arbeitskreis stellt das Buch am Donnerstag, 1. März, um 18 Uhr im Rathaus vor.

In den Seiten stecken jahrelange Recherchen rund um das Leben und Sterben in dem einstigen Außenlager Fünfteichen des KZ Groß Rosen. Den Hauptteil des Buches bilden Interviews mit Überlebenden des Außenlagers. Iwona Placzek, Heimatforscherin aus Jelcz-Laskowice, hat sie geführt. Bisher waren sie nur auf Polnisch zu lesen. Der Germanist Dr. Karol Górski, der auch bei der Buchvorstellung am 1. März im Rathaus dabei sein wird, übersetzte die Texte für den Arbeitskreis ins Deutsche. In den persönlichen Schilderungen wird lebendig, welche Qualen KZ-Häftlinge erlitten.

Der Arbeitskreis hat darüber hinaus Kindheits- und Jugenderlebnisse von ehemaligen Bewohnern Jelcz-Laskowices gesammelt. Es handelt sich unter anderem um Zeitzeugen, die nach dem Krieg nach Stuhr gekommen sind.

Bei zwei Besuchen in Polen hatten die Mitglieder der Forschungsgruppe Gelegenheit, gemeinsam mit Heimat-Historikerin Placzek nach Spuren des KZ-Außenlagers sowie nach bisher unbekannten Gräbern von Opfern zu suchen. Einer der Reisenden war Helmut Riewe. „In Polen war vollständig unbekannt, dass es da ein Gräberfeld gegeben hat“, erinnert er sich an die erste Fahrt.

Mittlerweile hat sich viel bewegt. Es gab sogar eine Grabung auf einer Fläche von 100 mal 100 Metern. „An dieser Stelle hat man nichts gefunden“, erzählt Arbeitsgruppen-Mitglied Elisabeth Heinisch. Allerdings seien auf dem Feld Bäume gewachsen, sodass Forscher nicht überall graben könnten. Außerdem sei der Boden von polnischer Seite aus regelrecht als Müllgrube genutzt worden.

Neben dem Dolmetscher Karol Górski wird bei der Buchvorstellung der Germanist Dr. Roman Dziergwa darüber berichten, wie der Heiligenroder Arbeitskreis in Polen wahrgenommen werde. Außerdem berichtet Helmut Riewe von der Entstehung des Buches. Besucher können das Werk bei der Veranstaltung zum Preis von zehn Euro zu erwerben. Ab dem 1. März ist es auch im Bürgerbüro und bei der Volkshochschule erhältlich.

Der Arbeitskreis geht auf die Geschichtswerkstatt zurück, die die Kriegs- und Nachkriegszeit in Stuhr anhand aufgearbeitet hat. Mit dem Buch „Verhungert – verscharrt – vergessen“ schließt das letzte Kapitel der Geschichtswerkstatt ab.

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