Letzte Apotheke in Stuhr

Apotheke droht Aus - Inhaber Matthias Pietzer sucht einen Nachfolger

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Der Inhaber der Phoenix-Apotheke in Stuhr, Matthias Pietzer, sucht jemanden, der für ihn übernehmen möchte.

Stuhr - Von Janna Silinger. Alle 38 Stunden schließt in Deutschland eine Apotheke. Das steht in dicken, roten Buchstaben an der Tür der Phoenix-Apotheke an der Blockener Straße. Sie ist die einzige im Ortsteil Stuhr. Und wenn Inhaber Matthias Pietzer nicht bald einen Nachfolger findet, dann droht auch ihr das Aus. „Ich suche seit drei Jahren vergebens“, berichtet der 67-Jährige, der im Grunde das Rentenalter schon überschritten hat.

Dennoch macht Pietzer noch etwas weiter. Bis Ende des Jahres auf jeden Fall. Dann müsse sich aber was tun. Und das es derzeit schwierig ist, Apotheker zu finden, äußert sich nicht nur in den gescheiterten Versuchen Pietzers, sondern auch in einer Kampagne der Apothekergenossenschaft (Noweda). Diese macht auf das deutschlandweit herrschende Problem aufmerksam. 

Der Grund dafür liege in der zu geringen Vergütung, die laut Noweda trotz der komplexen und umfassenden Dienstleitungen seit geraumer Zeit nicht mit den steigenden Lebenshaltungskosten mithält. Hinzukomme die Gefahr, die durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs droht, das sich Arzneimittelversender nicht an deutsche Preisvorschriften halten müssen. Doch sogenannte Vor-Ort-Apotheken seien gerade für ältere oder beeinträchtigte Menschen enorm wichtig. Nicht nur wegen der direkten Erreichbarkeit, auch unter sozialen Gesichtspunkten.

Pietzer beispielsweise arbeitet seit 22 Jahren in Stuhr. Er kenne seine Kunden, einige schon seit vielen Jahren. Für die sei das auch ein schönes Gefühl, mit jemandem zu sprechen, der über den gesundheitlichen Zustand Bescheid weiß. „Die wären sehr traurig, wenn der Laden hier schließt“, meint er. „Etwa 4500 Einwohner aus dem Umkreis sind Kunden der Apotheke. Außerdem sei Pietzer für die Heimversorgung in Stuhr verantwortlich. Es laufe gut, weshalb er davon überzeugt ist, dass sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin keinerlei Probleme hätte, die Apotheke erfolgreich weiterzuführen.

Eine Apotheke zu übernehmen ist leichter, als eine aufzumachen

Es gebe viele Vorteile, unter anderem den Standort mitten in Stuhr, die Nähe zum Rathaus, zur Tierarztpraxis, zur Post und zum Bäcker. Außerdem sei es deutlich einfacher und rentabeler, eine Apotheke zu übernehmen, als eine neu zu eröffnen. Hinzu kämen die beiden pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA), die in Teilzeit schon lange dort arbeiten, ebenfalls die örtlichen Gegebenheiten und die Kunden kennen und gerne weiter dort arbeiten möchten, auch für Pietzers Nachfolger.

Auch was die Arbeitszeiten angeht, gibt er Entwarnung. „Die Meinung, dass wir unmögliche Arbeitszeiten haben, ist weit verbreitet“, erklärt der 67-Jährige. Doch im Gegensatz zu anderen, schließt die Phoenix-Apotheke samstags beispielsweise schon um 12 Uhr.

Das Geschäft verfüge zudem bereits über einen sehr gut aufgestellten Internetauftritt. Dort ist das gesamte Sortiment zu finden, es stehen interessante Artikel zur Verfügung und man kann Medikamente online bestellen.

Interessenten können sich bei Pietzer melden

„Ich bin nicht besonders optimistisch, im Anbetracht der bisher vergeblichen Suche nach einem Nachfolger“, so Pietzer. Es gab zwischenzeitlich ein paar Interessenten, zwei sind jedoch abgesprungen und einer hatte finanzielle Probleme. „Aber wir versuchen alles, damit der Standort hier erhalten bleibt. Wir suchen weiter.“

Wer Interesse hat und sich näher informieren möchte, kann Matthias Pietzer telefonisch unter 0421/565 92 42 kontaktieren.

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