Mit Antenne und Strohhut

Dirk Siemering prüft in Stuhr im Auftrag der Landwirtschaftskammer betriebliche Angaben

Ein Mann steht auf einem Feld und schreibt auf einem Tablet. Auf dem Rücken hat er ein antennenähnliches Gerät.
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Geht seiner Arbeit in Stuhrbaum nach: Dirk Siemering.

Antennen-ähnliches Gerät auf dem Rücken, Monitor in der Hand. So ausgestattet kontrolliert Dirk Siemering in Stuhr als Mitarbeiter des Prüfdienstes der Landwirtschaftskammer betriebliche Angaben von Landwirten.

Stuhr – Die Ausrüstung von Dirk Siemering mutet etwas fremdartig an. Nicht jedem dürfte sich auf Anhieb erschließen, was es mit der gelben Apparatur auf seinem Rücken auf sich hat. Siemering trägt sie, während er über ein Feld an der Straße Stuhrbaum schlendert. Zwischendurch stoppt er und schaut auf einen Monitor. Der Strohhut des Sulingers würde eher zu einem Imker passen. Und tatsächlich hat sein Auftrag an diesem Tag etwas mit Insekten zu tun.

Siemering ist Mitarbeiter beim Standort Nienburg des Prüfdienstes der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen. Er kontrolliert die betrieblichen Angaben der Landwirte, denn diese sind ausschlaggebend für die Agrarsubventionen durch die Europäische Union. Die Auszahlung des Geldes läuft über die LWK. In Stuhrbaum überprüft Siemering an diesem Tag unter anderem die Maße eines Blühstreifens.

Betriebliche Angaben: Basisprämie für Einhaltung von Klimaschutz-Methoden für Landwirte

Mit der Beantragung der Basisprämie verpflichten sich die Betriebe auch „zur Einhaltung bestimmter dem Klima- und Umweltschutz förderlichen Landbewirtschaftungsmethoden“, wie LWK-Pressesprecher Wolfgang Ehrecke erklärt. Viele Landwirte kämen ihren Greening-Pflichten mit der Anlage von Blühstreifen nach. Sie spielen für die Förderung der Artenvielfalt bei Pflanzen und Insekten eine wachsende Rolle. Das Einbringen von Blühmischungen in die Wegeseitenränder soll Vögeln und Insekten einen Lebensraum bieten.

„Die Blühstreifen müssen mindestens sechs Meter breit sein“, sagt Siemering. Mit seiner Ausrüstung – ein Feldrechner mit Messprogramm und eine Antenne für GPS-Navigation – läuft er um die Fläche herum. „Das Programm sagt mir dann, wie groß der Streifen ist.“

Nach Angaben Ehreckes kamen die Betriebe im Landkreis Diepholz im Jahr 2020 auf 133.076 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Davon entfielen – im Hinblick auf die Agrarförderung – 275 Hektar auf die Anlage von einjährigen Blühstreifen und Blühflächen, 59 Hektar auf mehrjährige Blühstreifen sowie 38 Hektar auf sonstige Blühflächen und -mischungen. Betriebe in der Gemeinde Stuhr (zusammen 4 900 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche) meldeten insgesamt rund 21 Hektar für die Anlage einjähriger Blühstreifen und -flächen sowie elf Hektar für mehrjährige Blühstreifen an.

Neue Blühstreifen in der Gemeinde

Blühstreifen spielen für die Förderung der Artenvielfalt bei Pflanzen und Insekten eine wachsende Rolle. Das haben die meisten Landwirte inzwischen erkannt. Manche von ihnen legen ganze Blühwiesen an. Dafür suchen sie in der Bevölkerung Paten, die eine Teilfläche sponsern. In Stuhr bietet der Varreler Landwirt André Mahlstedt Blühpatenschaften an, in Seckenhausen geht nun auch der Hof Detjen diesen Schritt.

„Wenn ein Betrieb im Zuge einer individuellen privatwirtschaftlichen Initiative Blühpatenschaften vergibt, ist dies mit Blick auf die Agrarförderung nicht grundsätzlich schädlich“, sagt LWK-Pressesprecher Wolfgang Ehrecke. Wichtig sei aber, dass die Fläche nachprüfbar unberührt bleibe und den Pflanzen und Tieren uneingeschränkt zu Verfügung stehe. „Eine Vermarktung der dort wachsenden Pflanzen ist in der Regel unzulässig.“

Dass sich auch das Rathaus weiter mit dem Thema beschäftigt, betont Umweltbeauftragter Marc Plitzko. Während Corona seien neue Streifen an der Bremer Straße (Höhe Klinik), an der Umgehungsstraße (zwischen Diepholzer und B 322), in den Osterbruchwiesen und in den Randbereichen der Babywälder an der B 322 entstanden.

Einjährige und mehrjährige Blühstreifen unterscheiden sich in der Zuschusshöhe. Die Grundförderung liegt zwischen 700 und 875 Euro, maximal sind zehn Hektar pro Betrieb förderfähig.

„Für den Natur- und Artenschutz spielen aber noch weitere Flächen eine Rolle“, fügt Ehrecke hinzu. „Etwa Gewässerrandstreifen, aus der Produktion genommenes Ackerland, bei dem kein Einfluss auf die sich ansiedelnden Pflanzen genommen wird, Hecken sowie Dauergrünland, das aus der Erzeugung (von Grundfutter) genommen wurde.“

Dirk Siemering hat bei Kontrollen nicht viel zu beanstanden

Viel zu beanstanden hat Siemering bei der Prüfung von Blühstreifen in der Regel nicht, ebenso wenig bei der Kontrolle von Flächenangaben im Allgemeinen. Grund: „Die Landwirte sind angehalten, ihre Flächen am Computer auf Luftbildern einzuzeichnen“, erklärt Siemering.

Die meisten Beanstandungen entfallen laut Siemering auf die sogenannten Cross Compliants, dazu zählen die Kennzeichnung von Tieren mit Ohrmarken und die Art des verwendeten Düngers und Pflanzenschutzmittels.

„Die Landwirte müssen viel dokumentieren und haben natürlich nicht den ganzen Tag Zeit dafür“, begründet Siemering etwaige Ungereimtheiten in der Dokumentation. Er mache den Job seit 30 Jahren und wisse, „dass die Betriebe versuchen, das so genau wie möglich anzugehen“. Seiner Auskunft nach hat es Blühstreifen auch vor 30 Jahren schon gegeben. Im Zuge der Agrarreformen seien sie für die Landwirte immer wichtiger geworden, um die ganze Förderung zu bekommen.

Der Beruf des Prüfers hat sich durch Corona verändert

Wie viele andere Berufe hat Corona auch den der Prüfer massiv verändert. „Wir fordern telefonisch die Unterlagen an, die wir einsehen müssen. Das haben wir früher beim Landwirt gemacht. Da haben wir hinterher auch das Prüfprotokoll angefertigt, falls dies notwendig war.“ Denn wenn nichts zu beanstanden sei, gebe es das Prüfprotokoll nur, wenn der Landwirt eines wünsche.

Er liebe seinen Job, sagt Siemering. „Man bekommt Bewegung. Das ist was anderes, als nur im Büro zu sitzen. Ich glaube, dass ich gut mit Landwirten umgehen kann.“ Er fahre überall gerne hin, nicht nur nach Stuhr. „Man sieht, wie schön die einzelnen Landkreise sind.“ Der Standort Nienburg der LWK ist für insgesamt fünf Landkreise zuständig. Bei den Blühstreifen ist die Kammer nicht nur Bewilligungsstelle in Sachen Agrarförderung. Ihre Berater unterstützen die Betriebe bei der Entscheidung, welche Flächen und welche Blühmischungen individuell am besten passen.

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