Die Bibliothekarinnen Sigrid Mattner und Angelika Karting empfehlen Urlaubslektüre

Anspruchsvoll darf es sein, aber nicht abgehoben

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Am Stand mit den Neuerscheinnungen präsentieren Angelika Karting und Sigrid Mattner zwei ihrer Favoriten: „Letzter Bus nach Coffeeville“ von J. Paul Henderson und „Aprikosenküsse“ von Claudia Winter.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Ab in den Urlaub, aber mit welchem Buch? Oder dürfen es sogar mehrere sein? Die einen mögen es spannend, die anderen heiter. Wiederum andere lassen sich gerne in eine frühere Zeit zurückversetzen, Historisches steht bei ihnen an oberster Stelle. Was würden Sigrid Mattner und Angelika Karting mit an den Strand nehmen? Wir haben nachgefragt bei den Mitarbeiterinnen der Bücherei Stuhr, die beruflich wie prívat Leseratten sind.

Begeistert erzählen beide zum Beispiel von Diana Rosies Roman „Albertos verlorener Geburtstag“, erschienen im Knaur-Verlag. Es geht um den siebenjährigen Tino und seinen Großvater Alberto, der im spanischen Bürgerkrieg sein Gedächtnis und damit auch seinen Geburtstag verloren hat. Er erinnert sich nur an das Waisenhaus, in dem er als Kind gelebt hat. Tino überredet ihn, eine Reise quer durch Spanien zu unternehmen. Also begeben sich beide auf die Spuren von Albertos Vergangenheit.

„Das Buch führt uns vor Augen, wie wichtig es ist, einen Geburtstag zu haben“, sagt Angelika Karting. Die Geschichte sei zwar traurig, zumal sie im spanischen Bürgerkrieg spiele. Doch die „poetische und bildhafte Sprache“ hat es Karting angetan. „Schön geschrieben“ findet auch Mattner die Erzählung, in der es zusätzlich um die katholische Kirche, um die nicht erfüllte Liebe eines Pfarrers geht. „Dieses tolle Buch sollte in jeder Bibliothek stehen.“

Anspruchsvoll, aber nicht abgehoben – so muss Literatur laut Mattner und Karting sein. „Wir haben auch viele Kunden, die so denken. Da sind wir froh, dass wir solche Bücher empfehlen können.“

„Solche Bücher“ – dazu zählen die beiden auch „Das Geheimnis des Schneemädchens“ von Marc Levy (Verlag Blanvalet). Der am Boden zerstörte Journalist Andrew Stillman, dem Alkohol verfallen, trifft auf die junge Suzie, die sich auf einer gefährlichen Suche befindet. Eine Suche nach Beweisen dafür, dass ihre Familie zu Unrecht des Hochverrats beschuldigt wurde. Sie möchte den Namen ihrer Großmutter reinwaschen.

Gemeinsam mit Andrew will sie den Mont Blanc besteigen, weil sich dort die Absturzstelle des Flugzeugs befindet, in dem die Oma unterwegs war.

„Wer Politthriller mag, für den ist dies das richtige Buch“, sagt Mattner. „Man muss es konzentriert lesen, da es viele Nebenschauplätze gibt. Es passiert viel mehr, als man anfangs denkt.“ Die „frappierenden Zusammenhänge“ machen für Karting den Reiz des Romans aus, ebenso der Umstand, „dass Levy bislang immer Liebesgeschichten geschrieben hat“.

Skurrile Busfahrt und Liebe in der Toskana

Eine weitere Empfehlung Kartings heißt „Letzter Bus nach Coffeeville“ von J. Paul Henderson (Diogenes). Darin sitzen Gene, Bob und Nancy, die sich seit ihren Unitagen in den Sechzigern kennen. Dieses Trio und zwei weitere Mitreisende sorgen für „sehr skurrile Situationen“, sagt Karting. Sie schätzt aber auch, dass der Roman einem grundlegenden Thema folgt: Es geht um die Krankheit Alzheimer, von der Nancys Mutter und Großmutter betroffen waren. Schon damals rang Nancy Gene das Versprechen ab, ihr Sterbehilfe zu leisten, sollte Alzheimer auch bei ihr auftreten. Über 40 Jahre später schlägt die heimtückische Krankheit tatsächlich zu. Nancy verlangt von Gene, sein Versprechen einzulösen. Sie planen die Fahrt nach Coffeeville, wo Nancy bei ihren Eltern bestattet werden will.

Den Roman „Aprikosenküsse“ von Claudia Winter (Goldmann) hat Sigrid Mattner nach eigener Auskunft an zwei Abenden verschlungen. Die Liebeskomödie aus der Toskana beginnt mit einer vernichtenden Kritik der Foodjournalistin Hanna über das Restaurant Tre Camini. Gutsherrin Giuseppa Camini soll deshalb ihren Herzinfarkt bekommen haben. Bis Hanna als Entschädigung ein Praktikum in dem Restaurant antritt und sich in Enkel Fabrizio Camini verliebt, geht es drunter und drüber. „So viele Bilder aus der Toskana, so viele Gerüche, so viel Schönes“, schwärmt Mattner. „Italienische Rezepte und Liebe sind auch dabei.“ Für die Leiterin der Bibliothek ist „Aprikosenküsse“ auch Urlaubslektüre für „Daheimgebliebene, die sich in die Toskana beamen können“.

Dass die sich die Kunden in der Ferienzeit andere Bücher ausleihen als sonst, stellen die beiden Frauen übrigens nicht fest. „Vielleicht mehr Taschenbuchausgaben oder Hörbücher“, meint Mattner. „Nur für Schmöker über die Arktis interessiert sich niemand.“

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