Anneliese Gefken ist seit 70 Jahren Dehoga-Mitglied

Gastwirtin mit Leib und Seele

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Die Dehoga-Bezirksvorsitzende Gabriele Güse (l.) und der Kreischef Andree Meyer gratulieren Anneliese Gefken zu ihrer 70-jährigen Zugehörigkeit.

Brinkum - Von Sandra Bischoff. „Wir wollten zeigen, dass wir auch feiern können“, sagt Anneliese Gefken. Deshalb riefen sie und ihr Ehemann Heinrich 1971 den Wirteball ins Leben, zu dem noch immer einmal im Jahr rund 200 Besucher kommen. „Für viele der heutigen Veranstaltungen hat das Ehepaar Gefken den Grundstein gelegt“, sagt Andree Meyer, Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Gestern ehrte er die Seniorchefin des Hotels Bremer Tor für ihre 70-jährige Dehoga-Zugehörigkeit.

Dabei war es gar nicht ihre Idee gewesen, dem Verband beizutreten. „Als mein Man 1946 aus dem Krieg zurückkam, meldete er mich an“, blickt die 90-Jährige zurück. Kurz zuvor war sie von Stuhr nach Brinkum gekommen, um ihren Heinrich zu heiraten. „Seine Mutter hatte die Gaststätte während des Kriegs allein geführt.“ Dann übernahm das junge Paar die Wirtschaft. „Wir standen oft zusammen hinter der Theke, 25 Jahre habe ich das gemacht. Da hat man viel gehört“, sagt die gelernte Verkäuferin.

Zu ihrem Leitfaden hatte sie sich schon in ihrer Lehrlingszeit gemacht, Menschen zu bedienen, ihnen zuzuhören und sie zufriedenzustellen. „Nach ein paar Gläsern Bier haben die Gäste ihre Sorgen erzählt. Wir Wirte sind so etwas wie Mülleimer mit Deckel.“

Die Anfangsjahre sind ihr besonders im Gedächtnis geblieben. Nach dem Krieg lebten die Menschen wieder auf, erzählt die Jubilarin. „Niemand hatte etwas, nur sein Leben, und deshalb waren alle fröhlich.“ Vereine gründeten sich, und die Leute feierten. Jeden Sonnabend gab es Tanzmusik auf dem Saal. Viele Busse hielten auf der Durchreise in der Brinkumer Wirtschaft. Gerne erinnert sich die Seniorin auch an die Heringsfischer. Auf ihrem Weg von Loccum an die Küste machten sie ab Mitte der 1950er- bis in die 1960er-Jahre hinein Station bei Gefkens, um Kaffee zu trinken. Auf der Rückfahrt einige Wochen später blieben sie länger. „Sie waren hungrig und durstig. Und sie hatten eine Vorliebe für Süßes, vor allem für den Likör Bärenfang“, sagt die Wirtin schmunzelnd.

Neben dem täglichen Geschäft engagierte sich das Ehepaar stark im Verband. Anneliese Gefken initiierte zum Beispiel die Wirtinnenfahrten, „die wollten ja auch mal frei haben“. Hinzu kamen Koch- und Servierkurse, die der Verband noch heute anbietet. Der Wirteball, den die Mitgliede reih-um ausrichten, hatte und hat nicht nur den Zweck zu feiern, sondern auch mit den geladenen Politikern ins Gespräch zu kommen. Bei der jüngsten Veranstaltung diesen Jahres war die 90-Jährige ebenfalls wieder mit von der Partie.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1976 stand ihr Ehemann Heinrich dem Kreisverband vor. Zehn Jahre lang führte er dort die Geschicke. Sohn Heinz stieg ins Unternehmen ein und führte mit seiner Mutter das Haus, bis diese sich in den 1990er-Jahren aus dem Geschäft zurückzog. Heinz Gefken war von 2004 bis 2014 Kreis-Chef. Er starb vor zwei Jahren.

„Anneliese Gefken ist ein Dehoga-Urgestein“, sagt Andree Meyer. Auch die Bezirksvorsitzende aus Hannover, Gabriele Güse, überbrachte der Seniorin ihre Glückwünsche. „Dass jemand 70 Jahre im Verband ist, habe ich noch nicht gehört“, erklärte sie. „Ich habe immer mit den Menschen gelebt, das war es, was ich wollte, und dafür bin ich dankbar“, sagt die Jubilarin.

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