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Bad und Bahn: Anlieger in Stuhr-Brinkum befürchten Doppelbeschallung

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Von: Andreas Hapke

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Der Standort des Hallenbads an der Bassumer Straße in Brinkum aus der Vogelperspektive.
Der Standort des Hallenbads aus der Vogelperspektive: In den umliegenden Wohngebieten ändert sich durch Bad und Bahn nichts am Anspruch auf Lärmschutz. Archivfoto: Rainer Jysch © Rainer Jysch

Zu einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung für die B-Pläne „Grünanlage an der B 51“ (Hallenbad) und „Ortskern Brinkum II“ hatte die Verwaltung ins Rathaus eingeladen. Hoch her ging es nur beim Hallenbad: Einige Anlieger befürchten Lärmbelästigungen.

Stuhr – Weder der Verkehr auf dem Besucherparkplatz noch Geräusche aus oder an dem Gebäude führen zu einer unzulässigen Lärmbelästigung für die Anwohner. Zu diesem Ergebnis kommt die schalltechnische Voruntersuchung zum Bau des Hallenbads an der Bassumer Straße in Brinkum. Doch einige Anlieger trauen dem Braten nicht. Während der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplan „Grünanlage an der B 51“ (Teilneuaufstellung) am Donnerstagabend im Ratssaal trugen sie ihre Sorgen vor – und reagierten mit Unverständnis darauf, dass die Entscheidung über den Standort Schützenplatz längst schon gefallen ist.

Eine Bäckerei-Angestellte etwa machte darauf aufmerksam, dass sie wegen ihres Jobs teilweise schon um 20 Uhr ins Bett gehen müsse. Ihr schwant Böses: Schon der Lärmpegel der benachbarten Disc-Golf-Anlage führe dazu, dass sie selbst bei geschlossenem Fenster nicht schlafen könne. „60 Jahre war Ruhe. Jetzt bekommen wir eine Beschallung von beiden Seiten.“ Damit meinte sie neben dem Bad auch die Straßenbahn, die ab dem zweiten Halbjahr 2025 durch Stuhr rollen soll.

„Das Thema Lärm werden wir noch vertiefend anschauen. Wir werden alles tun, um die Interessen der Anwohner zu schützen“, versprach die Erste Gemeinderätin Bettina Scharrelmann und nannte eine Begrünung als Beispiel.

„Anspruch auf Lärmschutz wird sich durch Bad und Bahn nicht verändern“

Stadtplaner Christian Strauß erklärte, dass sich die Wohnung der Besucherin in einem allgemeinen Wohngebiet befinde. „Dort sind Lärmpegel festgesetzt, die nicht überschritten werden dürfen. Ihr Anspruch auf Lärmschutz wird sich durch Bad und Bahn nicht verändern.“ Ein Grüngürtel und die Nutzungszeiten für das Bad führte Strauß zur Regelung des Emissionsschutzes an.

„Beim Schützenfest weiß ich, wie lange es dauert“, stellte ein Anwohner fest. Am Schwimmbad sei „permanent Pegel“. Kinder würden schreien und Türen knallen. „Man hat natürlich am Schwimmbad manchmal lachende Kinder, hoffentlich auch mal lachende Erwachsene“, sagte Scharrelmann und beruhigte abermals die Besucher: „Selbst, wenn wir unter dem zulässigen Pegel bleiben, ergreifen wir Maßnahmen, damit es noch leiser wird als notwendig.“

Eingangs hatte sie erklärt, dass der Rat bereits Beschlüsse zur Ausstattung und zum Standort des Bads gefasst habe. Ein Bewohner kritisierte, dass es nur zur Bürgerbeteiligung eine persönliche Einladung gegeben habe. „Warum nicht schon zur Ratssitzung? Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, und wir können nichts mehr tun.“ Er regte eine Umfrage zum Standort an. Der Schützenplatz werde dabei sicherlich nicht gewinnen. „Ich habe noch niemanden getroffen, der dafür ist.“

Seine Sitznachbarin fügte hinzu: „In Weyhe wird erst ein Bad gebaut und dann alles andere drumherum. Hier ist es anders.“ Sie sprach von einer zu erwartenden „Dauerbeschallung“.

Umfangreiches Lärmgutachten kommt noch

Die Fakten zur Bauleitplanung lieferte Rathausmitarbeiter Peter Schütte. Der Plan ermögliche den Bau eines Bads mit Liegewiese. Öffentliche Nutzungen wie ein Zirkus sollen auf dem Grundstück weiter möglich sein. Bad und Parkplatz sollen über die Bassumer Straße erschlossen werden. Auch Schütte versprach: „Das Thema Lärmschutz werden wir abarbeiten.“ Er verwies darauf, dass detailliertere Aussagen erst auf Basis eines noch zu erstellenden, umfangreichen Gutachtens möglich seien.

Weitaus weniger Aufsehen erregte die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung zum B-Plan „Ortskern Brinkum II“. Er gieße das Konzept der Specht-Gruppe für ein lebendiges Quartier in Brinkums Mitte (wir berichteten) in Planungsrecht, wie Jasmin Jacob-Funck vom Büro Evers & Partner Stadtplaner erklärte. Zusätzlich werde eine Teilfläche westlich der Jahnstraße mit überplant. Diese ist noch als Mischgebiet festgesetzt und soll zu einem allgemeinen Wohngebiet werden – laut Jacob-Funck lediglich eine Anpassung an die bestehende Nutzungsstruktur.

Eine Besucherin machte auf die Notwendigkeit aufmerksam, ausreichend Kundenparkplätze vorzuhalten: „Die Leute fahren alle mit dem Auto zum Friseur.“ 365 Stellplätze halte sie für „sehr viel“, sagte Jacob-Funck. So sah es auch Bettina Scharrelmann: „Wir haben mehr Plätze, als wir haben müssen.“

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