Verhaltene Nachfrage im ersten Jahr der ehrenamtlichen Wochenbettambulanz

Anlaufstelle für Probleme nach der Geburt

Jennifer Schnelle (l.) und Wiebke Sydow, hier mit Tochter Vida (r.) und Sohn Rune, sind zwei der drei ehrenamtlichen Hebammen. Auf dem Bild fehlt Stephanie Baske. Foto: Hapke

Stuhr - Von Andreas Hapke. Wer sich auf der Seite des Hebammen-Netzwerks Stuhr umsieht, der stellt fest: Sämtliche Kurse für die Geburtsvorbereitung und die Rückbildung sind ausgebucht. Für die Wochenbettambulanz hingegen ist bis Anfang Oktober gerade mal ein Termin vergeben. Dieses Angebot hatten drei Stuhrer Geburtshelferinnen vor einem Jahr eingerichtet, um Frauen ohne Hebamme in den ersten sechs bis acht Wochen nach der Entbindung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wie die Resonanz bislang war und welche Gründe es dafür gibt, berichten die Initiatorinnen im Gespräch mit der Kreiszeitung.

Alle zwei Wochen bieten Jennifer Schnelle, Wiebke Sydow und Stephanie Baske dienstagsvormittags ehrenamtlich ihre Hilfe an. 9, 10 und 11 Uhr stehen als Termine zur Verfügung. „In geschützter Atmosphäre werden wir uns Zeit nehmen für Ihre Fragen und Anliegen“, heißt es auf der Homepage.

Nach Schätzungen von Jennifer Schnelle und Wiebke Sydow haben im ersten Jahr knapp 30 Frauen von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Unterm Strich stehen aber mehr als 30 vergebene Termine, denn „einige Mütter, die wirklich Bedarf haben, kommen häufig auch zu Folgeberatungen“, berichtet Sydow.

Wegen der überschaubaren Nachfrage haben sie und ihre beiden Kolleginnen den wöchentlichen Service auf 14-tägig zusammengestrichen. „Wir müssen uns den Vormittag trotzdem freihalten, auch wenn sich bis kurz vorher niemand angemeldet hat“, begründet Sydow.

Nach Einschätzung der Hebammen gehen viele Frauen gleich zum Gynäkologen, wenn nach der Geburt ein Problem auftaucht. Dort seien sie aber oft falsch aufgehoben, da die Ärzte zum Beispiel gar keine Zeit für eine Stillberatung hätten. Wiebke Sydow erzählt von einer Mutter, deren Kind partout nicht trinken wollte. Sie wollte sich Abstilltabletten verschreiben lassen. „Ich habe gesagt, dass sie ihrem Baby die Brustwarzen unter die Nase halten müsse. Schon klappte es.“

Andere Mütter würden Symptome möglicherweise auf die leichte Schulter nehmen, zum Beispiel die Neugeborenengelbsucht. Von wegen gesunde Gesichtsfarbe: Nach eigener Auskunft hat Sydow eine Frau mit ihrem Baby in die Notaufnahme geschickt, da die Gelbsucht sehr ausgeprägt gewesen war. „Das ist gerade noch einmal gut gegangen“, sagt Schnelle.

Vielleicht komme die Bequemlichkeit dazu, vermutet Sydow. „Der Aufwand, sich mit dem Baby und allen Sachen aufzumachen.“

Bei Frauen mit Migrationshintergrund scheint der Bedarf, anders als man vermuten würde, nicht besonders groß. Der soziale Service der Gemeinde Stuhr habe einige frischgebackene Mütter zur Wochenbettambulanz geschickt. „Die saßen bei uns und wussten gar nicht, was sie dort sollten“, sagt Sydow. Die Vermutung Schnelles: „Viele in dem Kreis haben bereits Wochenbetterfahrungen gesammelt. Sie helfen sich untereinander aus.“

Die geringe Nachfrage nach Ambulanzterminen steht in krassem Widerspruch zum grundsätzlichen Bedarf an Hebammen. Den hatten auch Sydow, Schnelle und Baske bei Bekanntgabe ihres Angebots gespürt. Da hatte das Trio noch eine E-Mail-Adresse veröffentlicht, „doch die haben wir schnell wieder gelöscht, nachdem wir in den ersten zwei Wochen knapp 700 Mails erhalten hatten“, sagt Sydow. Tenor: „Ich bin schwanger und benötige eine Betreuung. Können Sie mich nicht noch irgendwo reinquetschen?“ Andere Frauen hätten sie als Vertretung für ihre im Urlaub befindliche Hebamme betrachtet. Aus demselben Grund haben die Drei ihre Telefonnummern wieder von der Seite genommen. „Manche Frauen kennen einfach keine Grenzen und melden sich samstags um 22 Uhr, nach dem Motto: Jetzt habe ich Zeit, da rufe ich doch mal eine Hebamme an.“

Wer für die Geburt eine Betreuung oder einen Vorbereitungskurs sucht, ist bei der Ambulanz an der falschen Adresse. Wenn es um die Frage Stillen oder Abstillen geht, um die Entwicklung des Kindes oder um ein gutes Gefühl nach der Geburt, dann ist ein Termin sinnvoll. Pro Mutter plant das Trio eine einstündige Betreuung ein. Um sich rechtlich abzusichern, setzen die Hebammen für jede einzelne Behandlung zunächst einen Vertrag auf. Dann folgten die Anamnese und die Untersuchung. Mehr als drei Termine sind am Dienstagvormittag nicht drin.

Infos und Kontakt

www.hebnet-stuhr.de

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