Angekommen in Seckenhausen

Pastorin Judith Matthes hat am Sonntag ihren Einführungsgottesdienst

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Pastorin Judith Matthes vor der Kirche, mit der sie erst warm werden musste. 

Seckenhausen - Dass die Seckenhauser Pastorin Judith Matthes zu einem Gottesdienst Freunde und Familie begrüßt, kommt eher selten vor. Am Sonntag, 23. Juni, ist es eine Selbstverständlichkeit. Denn mit dem Einführungsgottesdienst beeendet Matthes offiziell ihre Probezeit. Sie wird als Pastorin auf Lebenszeit verbeamtet.

Hinter Matthes liegen drei Jahre, die sich nach eigener Auskunft auch wie eine Probezeit angefühlt haben: „Ich wurde zwischendurch im Gottesdienst begutachtet, auch der Kirchenvorstand wurde befragt. Und obwohl von keiner Seite Bedenken bestanden, schwang bei mir immer mit, dass ich nicht die volle Sicherheit habe.“ Doch nun hätten sich die Dinge gesetzt. „Ich und der Beruf – wir können zusammenpassen.“

Die Amtseinführung ist nur noch ein formaler Akt. Vorangegangen war die Stellenausschreibung, die der Kirchenvorstand nach der Probezeit vornehmen musste. „Ich habe mich praktisch auf meinen eigenen Posten beworben“, sagt Matthes. Die letzte theoretische Hürde nahm sie mit ihrer Aufstellungspredigt im Konfirmationsgottesdienst. Dort hatten die Kirchgänger noch einmal die Möglichkeit, gegen die Einstellung Matthes’ zu intervenieren. „Sie hätten zum Beispiel gegen meine theologischen Ansichten protestieren können.“ Hat aber niemand. Einige wenige Einsprüche hätten ohnehin nicht gereicht.

Mit der Stellenvergabe haben sich die Gemeinde und Judith Matthes zum ersten Mal bewusst füreinander entschieden. „Zur Probezeit wird man eingeteilt. Ich konnte mir lediglich den Sprengel Osnabrück als Region aussuchen“, erklärt Matthes. So landete die damals 30-Jährige in Seckenhausen.

An ihre Ankunft erinnert sie sich noch genau: „Es war Ende Januar und sehr dunkel.“ Und dann war da noch die großteils aus Beton bestehende Kirche: „Mit der musste ich erstmal warm werden.“ Mit den Menschen hingegen sei das auf Anhieb gelungen. „Es ist nochmal ein anderer Schlag als in meiner Heimat Burgwedel. Aber es sind sehr liebe Menschen. Alle haben mich willkommen geheißen. Sie waren auch froh, dass es nach längerer Vakanz wieder eine Pastorin gab.“ Inzwischen sei sie angekommen in Seckenhausen, auch wenn es länger gedauert habe.

In ihrer Wahlheimat schätze sie am meisten die kurzen Wege. „Mal schnell jemanden anrufen und vorbeispringen, das ist hier möglich.“ Überhaupt fällt ihre Bilanz positiv aus. „Wir haben gut zusammengefunden als Kirchenvorstand“, sagt sie. Und im Team mit allen Ehrenamtlichen gebe es immer Raum, Dinge auszuprobieren. „Eine Pastorin ist nie allein die Gemeinde. Dazu braucht es Unterstützer.“ Gleichwohl habe sie gelernt, die volle Verantwortung zu übernehmen. Das sei der große Unterschied gegenüber dem zweijährigen Vikariat, das sie in Scharnebeck bei Lüneburg absolviert hatte.

Die größte Veränderung in den vergangenen drei Jahren? „Ich kenne jetzt viele Menschen und weiß, wer in welchem Haus wohnt. Wenn ich an einem Faden ziehe, hängt da inzwischen mehr dran.“ Es seien gute Beziehungen entstanden. „Das möchte ich fortführen. Wie lange noch, kann ich nicht genau sagen.“ Langfristige Pläne für ihre Zukunft habe sie noch nicht geschmiedet.

Konkreter sind die Vorstellungen davon, was nun in ihrem Job ansteht: „Brücken schlagen zwischen Jung und Alt“ sei die große Herausforderung für die Zukunft. „Wir arbeiten daran, einen Treff für Jugendliche nach der Konfirmation zu etablieren“, sagt sie. „Und ich habe noch den Traum, einen Gottesdienst am Abend zu feiern.“

• Superintendent Michael Schröder übernimmt am Sonntag die Amtseinführung von Judith Matthes. Der Gottesdienst beginnt um 11 Uhr. Danach gibt es einen Empfang mit Imbiss.

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