Angebot für einzelne Familien

Laufen, wippen, springen: TuS Varrel baut eine „Bewegungslandschaft light“ auf

Mutter und Kind in einer Sporthalle in Stuhr-Varrel
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Mit wachsender Begeisterung springt Malte vom Kasten auf die Weichbodenmatte.

Malte Speckert (4) und seine Schwester Hanna (2) können sich mal wieder so richtig austoben. Platz gibt es reichlich: Gemeinsam mit ihren Eltern Christin und Stefan steht ihnen die ganze Sporthalle der Grundschule Varrel zur Verfügung. Dort hat der örtliche Turn- und Sportverein ein neues Angebot gegen den Corona-Familien-Blues etabliert.

Varrel - Der TuS Varrel hat in der Sporthalle an der Varreler Landstraße eine „Bewegungslandschaft light“ aufgebaut. Familien können sie für jeweils 30 Minuten buchen – seit dem Wochenende auch, wenn sie nicht Mitglieder im TuS sind. In dieser halben Stunde springt Malte mit wachsender Begeisterung von einem Kasten auf die Weichbodenmatte, hüpft auf dem Trampolin herum oder zieht seine Schwester mit dem Bollerwagen durch die Gegend. Hanna hat nicht nur dabei ihren Spaß. Sie genießt es, auf der großen Wippe zu krabbeln. Mama Christin passt auf, dass sie nicht herunterfällt. Überhaupt sind die Erziehungsberechtigten dafür zuständig, dass ihren Kindern nichts passiert. Übungsleiterin Claudia Thiemann beobachtet das Geschehen aus der Distanz. Sie verantwortet den korrekten Aufbau der Geräte, Hilfestellungen gibt sie nicht.

„Die Kleinen turnen supergerne“

Keine Frage: Für die Speckerts ist der Aufenthalt in der Halle ein Segen. Die Familie kommt aus Bremen, „da ist ja das Meiste geschlossen“, stellt Stefan Speckert fest. Den TuS kennt die Familie, weil sie dort seit über zwei Jahren zum Kinderturnen angemeldet ist. „Die Kleinen turnen supergerne. Deshalb sind wir auch im Verein geblieben – und jetzt heilfroh, dass es dieses Angebot gibt.“ Von Freitagnachmittag bis Sonntagabend ist die „Bewegungslandschaft light“ in der Sporthalle aufgebaut. Außerdem am Dienstag- und am Mittwochnachmittag. An diesen beiden Tagen müssen die Geräte anschließend wieder abgebaut werden.

Die Fäden laufen bei Claudia Thiemann zusammen, die die Termine vergibt, die Nutzung des Angebots dokumentiert und auf die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln achtet. Da die Familien unter sich sind und sich dank getrennter Umkleiden auch gar nicht begegnen, bleibt das Risiko trotz des fließenden Übergangs überschaubar. Die hohe Decke und stets geöffnete Fenster tun ihr Übriges. Vor jeder neuen Gruppe desinfiziert Thiemann die Geräte.

Mama Christin Speckert passt darauf auf, dass die kleine Hanna nicht von der Wippe fällt.

„Man merkt, wie wichtig es ist, dass die Eltern und Kinder ihre Sorgen mal loswerden können. Das ist das Highlight der Woche für die Familien“, sagt Ute Sanders, zweite Vorsitzende des TuS Varrel. Auch die Speckerts sind dankbar für das Angebot. „Die Zeit, in der die Kita geschlossen war, haben wir gemerkt“, sagt Stefan Speckert. „Und wir haben noch Glück, dass wir einen Garten haben. Der warme Januar war ein Segen. Und dann hat es geschneit. Der erste Schnee war für die beiden etwas Besonderes.“

Die Nachfrage für das Angebot ist groß, die meisten Termine sind ausgebucht. „Das hat sich über Mundpropaganda herumgesprochen“, sagt Thiemann. Sie habe festgestellt, dass die 30 Minuten pro Familie ausreichten. Auch für die Übungsleiterin ist die „Bewegungslandschaft light“ eine Bereicherung, „um mal rauszukommen“. Normalerweise betreut sie das Eltern-Kind- und das Kinderturnen sowie zwei Fitnessgruppen für Erwachsene, letztere zur Zeit via Zoom. Ihre Ideen sind in die Gestaltung der Bewegungslandschaft light eingeflossen.

Angebot als Möglichkeit, Mitglieder zu binden

Mit dem Angebot wollten Ute Sanders und ihre Turnabteilung eigentlich schon Anfang Februar loslegen. „Die Gemeinde wollte die Halle dafür aber nicht aufmachen“, berichtet sie. „Warum lässt die Gemeinde nicht eine Familie rein?“ – das ist nicht nur bei Ute Sanders auf Unverständnis gestoßen. Erst als sich ihr Vorsitzender Alexander Carapinha Hesse um die Angelegenheit gekümmert habe, sei es ganz schnell gegangen, erzählt Sanders. Dessen politische Funktion als Fraktionsvorsitzender der FDP dürfte dabei nicht von Nachteil gewesen sein.

Am ersten März-Wochenende ging es los. „Theoretisch dürften sich ja sogar zwei Familien treffen. Doch das ist uns zu unsicher.“ Es sei denn, so Thiemann, „die Familien sind verwandt und treffen sich auch so im Lockdown“.

Für den TuS ist die Bewegungslandschaft eine Möglichkeit, die Mitglieder zu binden. „Im vergangenen Jahr war der Mitgliederschwund noch moderat“, sagt Ute Sanders. Doch im ersten Quartal dieses Jahres seien bereits 21 Mitglieder ausgetreten. „2020 gab es zwischendurch immer Lichtblicke, seit Herbst ist da ja nicht mehr der Fall.“ Laut Thiemann gibt es aber auch Familien, die nicht zuletzt wegen des neuen Angebots mit dem Eintritt in den TuS liebäugelten. „Es wäre schön, wenn wir das dadurch schaffen könnten.“

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