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Kleines Haus, große Diskussion

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Von: Andreas Hapke

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Dieses Haus soll erhalten bleiben, wie es ist. Helfen soll ein Zuschuss von 755 000 Euro. Archiv
Dieses Haus soll erhalten bleiben, wie es ist. Helfen soll ein Zuschuss von 755 000 Euro. Archiv © Hapke

Brinkum – Gegen die Stimmen der CDU und der Fraktion „Besser“ wird die Gemeinde Stuhr einen Förderantrag zur Sanierung des Hauses an der Bassumer Straße 10 stellen. Dies ergab am Mittwochabend die Abstimmung in der virtuellen Gemeinderatssitzung. Die Kommune möchte das Gebäude gemeinnützigen Vereinen und Institutionen als Forum für ihre Angebote zur Verfügung stellen.

Den eigentlichen Antrag im Rahmen des Sofortprogramms „Perspektive Innenstadt!“ hatte Stuhr bereits gestellt, er wurde positiv beschieden. „Die Fördermittel sind damit erfolgreich reserviert, aber noch nicht bewilligt“, sagte die zuständige Fachbereichsleiterin Kerstin Frohburg.

Bis Ende März muss die Gemeinde die Förderung bei der NBank beantragen. Dafür ist nicht nur der Beschluss des Rates, sondern auch ein Nachweis über einen eingereichten Bauantrag notwendig. „Da haben wir Kontakt zu einem Architekturbüro aufgenommen“, berichtete Frohburg. Weitere Voraussetzung: Das Projekt muss bis Ende März 2023 umgesetzt sein. Bei Investitionskosten von rund einer Million Euro und eines zu erwartenden Zuschusses von 755 000 Euro verbliebe noch ein Eigenanteil von 245 000 Euro.

Laut Frohburg hat das Land die Förderung aufgelegt, um Städte zu unterstützen, die Folgen der Pandemie abzumildern. Stuhr sieht darin die Chance, „einen positiven Anker im Ortskern zu schaffen, der sich durch einen vielfältigen Angebotsmix auszeichnet und (...) ganz unterschiedliche Menschen ins Zentrum ziehen soll“. So steht es in der Beschlussvorlage. Wegen der Nähe zur geplanten Haltestelle „Marktplatz“ eigne sich der Standort „in besonderem Maße für diese Aufgaben“.

Wolf Depken: „Das Haus muss erhaten bleiben.“

Aus Sicht der Gemeinde handelt es sich bei dem ältesten Haus Brinkums zudem um ein ortsprägendes Gebäude in zentraler Lage, unweit des künftig neu gestalteten Brinkumer Ortskerns. Diesen Kontrast hob Besucher Wolf Depken hervor: „Wer die Zukunft gestalten will, muss die Vergangenheit kennen und achten. Das Haus muss erhalten bleiben.“

Dafür sind große Anstrengungen notwendig, denn das Gebäude ist stark baufällig, wie Frohburg im Rat veranschaulichte. Reet- und Dachstuhl müssen ebenso saniert werden wie die durchfeuchteten Außenwände. Fassade und Fachwerk bedürfen einer Erneuerung, gleiches gilt für die Heiztherme, die Treppenanlage sowie für Fenster und Türen. Das Gebäude benötigt auch barrierefreie Zugänge und einen Glasfaseranschluss. Fällig sind zudem Anpassungen der Sanitäranlagen, der elektrischen Installation an eine Büronutzung sowie der Zuwegungen und Außenanlagen.

Von dem fertiggestellten Objekt könnten im Erdgeschoss die Schuldnerberatung, der Seniorenbeirat, die Hausaufgabenhilfe „Büffelstübchen“, die Rentenberatung, die Ergänzende Unabhängige Teilhabe-Beratung sowie Natur-, Klima- und Umweltschutzgruppen profitieren. Ein niederschwelliges Angebot für Eltern und Kinder ist ebenfalls denkbar. Im Obergeschoss könnten mehrere Co-Working-Places entstehen. Laut Vorlage sollen die Nutzungen dieses Multifunktionshauses „vielseitig und zeitlich über den ganzen Tag“ angelegt sein.

CDU: Zu hohe Kosten für Sanierung

Der CDU reicht das nicht für eine Zustimmung. „Wir haben es uns nicht ganz einfach gemacht und das Thema intensiv diskutiert. Wir lehnen das Vorhaben ab“, sagte der Fraktionschef Finn Kortkamp und fügte hinzu: „Wir stören uns an den hohen Investitionskosten für den Umbau einer gerade mal 180 Quadratmeter großen Fläche, die am Ende für eine Nutzung rauskommen.“

Auch das Argument des rund 75-prozentigen Zuschusses verfing bei den Christdemokraten nicht. „Das sind auch Steuermittel“, begründete Kortkamp. Zudem seien der Standort, das Parkplatzangebot und die Co-Working-Places im Obergeschoss nicht optimal. Die CDU wünscht sich einen Betrieb des Hauses über einen Verein, so wie dies beim Gut Varrel und beim Mühlenensemble in Heiligenrode der Fall ist.

Blick am Gebäude vorbei in Richtung Zob.
Flucht des Gebäudes in Richtung Zob. © Andreas Hapke

Am Ende setzten sich 22 Politiker anderer Fraktionen durch. „Wir müssen das Haus einer guten Nachnutzung zuführen und Vereinen die Möglichkeit geben, da unterzukommen“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Cohrs. Grünen-Chefin Kristine Helmerichs rückte den ortsbildprägenden Charakter in den Fokus. „Nach der Ortskernsanierung wird von dem ehemaligen Brinkum sonst nichts mehr zu erkennen sein.“ Dass es dafür keinen Verein gebe, sei schade. Doch die Gemeinde habe auch für den Erhalt der Gebäude in Varrel und Heiligenrode Geld aufgebracht.

Der FDP-Fraktionschef Alexander Carapinha Hesse sieht in dem sanierten Gebäude eine gute Ausweichmöglichkeit für Vereine, die im Zuge der Ortskernsanierung ihr Zuhause verlieren. Der CDU-Verweis auf Steuermittelverschwendung könne „als Totschlagargument gegen alle Vorhaben“ vorgebracht werden“. Der neue Ortskern sorge für eine „rasante Verstädterung“. Am Beispiel des Hauses sei zu sehen, „woher man kam und wo man heute angekommen ist“.

Für „Besser“-Ratsherr Joachim Döpkens waren das „große Worte. Das Nutzungskonzept hat seinen Charme, und wir kriegen Fördermittel“, räumte Döpkens ein. Doch das sei die übliche Jagd nach Zuschüssen. „Wir sehen es trotzdem kritisch, was die Finanzierung angeht.“

Sollte die Gemeinde (wider Erwarten) mit ihrem Antrag bei der NBank scheitern, „dann müssen wir über Alternativen nachdenken“, sagte Bürgermeister Stephan Korte. „Andere Ideen gibt es gerade nicht.“ Und der Zustand des Gebäudes werde nicht besser, wenn es leer stehe.

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