Allegro-Chor und Jugendchor Oldenburg tragen Mozarts „Große Messe in C“ vor

Ein Abend mit einer ganz besonderen Intimität

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Außergewöhnliche Anordnung: Chöre und Musiker haben sich an der Längsseite der Gutsscheune postiert.

Stuhr - Für viele ist sie bis heute ein Rätsel – die „Große Messe in C“ von Wolfgang Amadeus Mozart. 1783 in Wien nach Überlieferungen in Teilen zur Aufführung gekommen (damals mit Mozarts Frau Constanze als Solistin), wurde das monumentale Werk von Mozart nie vollendet. Doch das, was er hinterlassen hat, fasziniert; und es reichte für den US-amerikanischen Musikwissenschaftler Robert Levin, um die fehlenden Passagen zu rekonstruieren und zu ergänzen.

Dieser Version der Messe nahmen sich der Allegro Chor und der Jugendchor Oldenburg an. Zwei Jahre Arbeit steckten in dem Mammut-Projekt. „Am Anfang konnten wir noch gar nicht abschätzen, wie viele Stücke der Messe der Jugendchor bis zu den Aufführungen überhaupt erarbeiten könnte“, erklärte die Leiterin beider Chöre, Karin Gastell. Doch die Jugend von heute hat's drauf: Am Ende waren es fast alle.

Getragen von dem routiniert aufspielenden Barockorchester Corda Sonora boten beide Chöre eine gute und homogene Leistung. Zu Beginn noch zurückhaltend, fast zögerlich, entwickelten die Sänger mit jedem Ton mehr Selbstbewusstsein.

Die Entschlossenheit erreichte ihren Gipfel, als den Musikern mit dem lebhaften „Dona nobis pacem“ – einem Teil der Messe, der von Levin rekonstruiert worden war – ein fulminanter Schluss gelang, an dem auch die vier Solisten großen Anteil hatten.

Die allerdings hatten schon von Beginn an ganze Arbeit geleistet. Ulrike Kuhn (Sopran 1) sorgte mit ihrem „Et incarnatus est“ ohne Übertreibung für den Höhepunkt der Vorstellung. Die große Arie, die im Mittelpunkt des Werkes steht und die in ihrer Melodik, ihrer zarten Verspieltheit und süßen Schönheit an die Arien aus mancher Mozart-Oper erinnert, meisterte Kuhn glänzend.

Kollegin Sarah Nagel (Sopran II) stand ihr in nichts nach – was besonders erwähnenswert ist, weil sich beide Sopranistinnen noch in der Ausbildung bei Gertraude Spier in Oldenburg befinden. Johannes Luig (Tenor) und Martin Herrmann (Bass) komplettierten das Solistenquartett.

Die diesmal an der Längsseite der Scheune aufgebaute Bühne mag besonderen Anteil am Gelingen des Abends gehabt haben. Der Chor hatte sich diese Position gewünscht, weil bei Proben festgestellt wurde, dass die Sänger sich so besser hören. Gesagt, getan: Das zahlreiche Publikum umschloss Orchester und Chor, die Solisten sangen inmitten der Zuschauerreihen. Es entstand eine Intimität, die den Abend besonders machte – aber gleichzeitig wurden auch die wenigen kleineren Fehler wahrnehmbar, die sonst vielleicht gar nicht aufgefallen wären.

Am Ende gab es rauschenden Applaus, Blumen und stehende Ovationen. Das Team um Karin Gastell hat ein weiteres großes Projekt gestemmt, und das mit Bravour.

she

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