Zweites Album „Park“ begeistert Kritiker

Alex Mayr: Shooting-Star der deutschsprachigen Musikszene stammt aus Stuhr

Alex Mayr beim Konzert im Mannheimer Luisenpark.
+
Beim Konzert im Mannheimer Luisenpark am Freitag.

Sie gilt schon als „Shooting-Star der deutschsprachigen Musikszene“: Die ehemalige Stuhrerin Alex Mayr hat die Kritiker mit ihrem zweiten Album „Park“ überzeugt. Und das, obwohl sie ursprünglich im Musicalbusiness durchstarten wollte. Auf ihrer Deutschland-Tour macht sie auch in Bremen Station. 

Stuhr – Von einer, die auszog, um im Musicalbusiness groß rauszukommen, und die es in der Popmusik geschafft hat: Auch wenn die ehemalige Stuhrerin Alex Mayr das Wort „Erfolg“ selbst noch nicht in den Mund nehmen möchte, muss sie sich in jüngster Vergangenheit gefallen lassen, damit konfrontiert zu werden. Ihre zweite Produktion geht gerade durch die Decke. Im Interview mit der Kreiszeitung spricht sie über ihren künstlerischen Werdegang und über ihr aktuelles Album „Park“, das während ihrer Spaziergänge im Mannheimer Luisenpark entstand.

Frau Mayr, Sie stecken mitten in den Vorbereitungen auf den ersten Teil ihrer Deutschland-Tour im August und September. Wie läuft es?

Es läuft super, alles ist sehr aufregend und sehr arbeitsintensiv. Ich bin bester Dinge.

Die Tour führt Sie am 12. August auch nach Bremen. Wie wichtig war Ihnen am Freitag der Auftakt in Ihrer Wahlheimat Mannheim?

Sehr, sehr wichtig. Das Konzert fand auf der Seebühne des Mannheimer Luisenparks statt. Die Idee zum aktuellen Album ist dort entstanden. Meine Vision war, ein Konzeptalbum zum Thema Park zu schreiben und das Album-Release-Konzert dann auch genau an dem Ort zu spielen, an dem die Idee geboren wurde. Dass das nun wahr geworden ist, ist wirklich ein unbeschreiblich schönes Gefühl.

Mannheim - eine perfekte Zwischengröße

Was muss alles passieren, damit eine Stuhrerin in Mannheim landet?

Ich habe nach meinem Abitur mehrere Aufnahmeprüfungen an Musical-Hochschulen gehabt, wurde aber nirgendwo genommen. In Wien habe ich zwar zwei Mal bestanden, bin aber trotzdem ganz knapp nicht reingekommen. Ich war fest der Meinung, dass ich ins Musical gehöre. Damit bin ich bei meinem Vater („Beppo“ Mayr, langjähriger Leiter der Musical-AG an der KGS Brinkum, die Red.) aufgewachsen, das war meine Welt. Doch irgendwie war das Gefühl für Musical dann nicht mehr da. Ich passte nicht mehr so rein, wie ich es mal gedacht hatte. Auch meine Größe von 1,83 Meter war wohl ein Problem. Parallel hatte ich begonnen, Songs zu schreiben. Dann habe ich von der Pop-Akademie in Mannheim erfahren – und dort die Aufnahmeprüfung bestanden. Ich bin dort geblieben, was ich nie für möglich gehalten hätte.

Wie lebt es sich denn in Mannheim im Vergleich zu Stuhr?

Mannheim ist natürlich größer, aber eben auch nicht zu groß. Eine perfekte Zwischengröße. Man ist im Gegensatz zu einer Großstadt wie Berlin schnell raus und im Grünen. In Sachen Musik passiert hier auch eine Menge. Um groß zu werden, war Stuhr für mich ideal. Nicht zu weit ab vom Schuss, aber dennoch ruhig und ländlich. Immer wenn ich zurückkomme, flammen schon die alten Heimatgefühle auf.

Eine Aufnahme von Alex Mayr für das neue Album „Park“.

Ihr Papa „Beppo“ Mayr ist in Stuhr bekannt wie ein bunter Hund. Welchen Einfluss hatte er auf Ihre Karriere?

Einen sehr großen. Wenn das alles in meiner Kindheit nicht gewesen wäre mit den Auftritten der Musical-AG, wäre ich nicht dort gelandet, wo ich bin, auch wenn ich jetzt Popmusik mache. Ich habe so viel gelernt, das ist unbezahlbar. Und das meiste habe ich in seinen Projekten gelernt. Die haben mir die Sicherheit gegeben, auf der Bühne zu stehen. Zum ersten Mal war das mit drei Jahren der Fall, da bin ich aber immer ins Publikum gerannt. Mit sechs Jahren habe ich mein erstes Solo gesungen und war bis zum Abi dabei.

Mit „Park“ haben Sie ein Konzeptalbum vorgelegt, das ohne die Pandemie nicht entstanden wäre. Es sind die vertonten Gedanken während vieler Spaziergänge im Luisenpark.

Das stimmt. Ohne die Pandemie hätte ich diese intensive Zeit nicht gehabt. Ich habe auch Jobs verloren. Das Album war die Aufgabe, die ich mir gesucht habe. Doch es steht auch für sich und beinhaltet Geschichten, die nichts mit der Pandemie zu tun haben. Zum Beispiel ein Song über eine Statue im Park: Was, wenn sie denken könnte? Sie führt ja eigentlich ein trauriges Dasein und möchte vielleicht mal was anderes sehen, zum Beispiel das Meer. Meine eigenen Sehnsüchte haben da sicher mit reingespielt.

Erstaunlich gut durch die Pandemie gekommen

Wie sind Sie als Künstlerin insgesamt durch die Pandemie gekommen?

Erstaunlich gut. Mein Glück war, dass ich Anfang 2020 noch die Tour zu meinem ersten Album geschafft hatte. Im ersten Lockdown habe ich zum ersten Mal Filmmusik geschrieben, das hat drei Monate mit Arbeit gefüllt. Im Sommer gab es vereinzelte Auftritte wie das Reeperbahnfestival. Dann habe ich angefangen, das zweite Album zu schreiben. Ich habe sehr viel gearbeitet. Schwierig wurde es erst Anfang dieses Jahres. Da habe ich gemerkt, dass selbst positiv denkende Leute einen Durchhänger hatten. Ich dachte: Es darf sich jetzt ruhig was ändern. Wenn die Tour klappt, wäre das ein Energiebringer.

Wie würden Sie die Entwicklung vom ersten zum zweiten Album beschreiben?

Ich bin noch mal selbstbewusster geworden. Beim ersten Album ist der Knoten geplatzt. Ich konnte bis dahin nicht greifen, was mich blockiert. Ich habe einfach nicht den Mut und die Selbstsicherheit gehabt, alles rauszulassen, was ich im Kopf habe, und einfach meiner Intuition zu folgen. Konstantin Gropper (bekannt als Get Well Soon, die Red.), mit dem ich schon einige Jahre auf der Bühne stehe, hat mich dann ermutigt, mein Ding zu machen, und angeboten, mich dabei zu unterstützen. Er war eine Art Geburtshelfer für das erste Album. Beim zweiten Album habe ich noch mehr alleine gemacht. Songs geschrieben, vorproduziert und die meisten Instrumente außer Schlagzeug eingespielt. Dafür ist Konrad Henkelüdeke, mein Drummer und wichtiger Kreativpartner, zuständig. Er ist mein „Spiegel“. Es gibt immer mal Textstellen, die ich auf sein Anraten hin überarbeite. Erst im späteren Verlauf hat sich bei „Park“ Gropper als Co-Produzent eingeklinkt.

Was inspiriert Sie zu Ihrer Musik?

Das Leben. Menschen aus meinem Umfeld. Ganz klar Themen, die einen in bestimmten Lebensphasen begleiten. Deshalb könnte ich auch nicht drei Jahre an einem Album arbeiten. Ich muss auf die Bühne gehen mit aktuellen Themen, ich fühle das dann so sehr.

Musikalische Einordnung: Soundtrack-Pop

Der Versuch, Ihre Musik einzuordnen, führt zu Beschreibungen wie „Mischung aus Dreampop, Surf, Pop Noir, Western und Schlager“. Wo ordnen Sie sich selbst ein?

Dafür habe ich den Begriff „Soundtrack-Pop“ erfunden. Schon das erste Album ist wie ein Filmsoundtrack. Es hat einen roten Faden, ich neige zu großen Arrangements. Arrangements mit Streichern haben was Filmisches. Jeder Song ist eine komplette Geschichte, ein kleiner Film in einem großen Film.

Die Kritiken zu Ihrem zweiten Album überschlagen sich. Wie fühlt es sich an, plötzlich als „Shooting-Star der deutschsprachigen Szene“ zu gelten? Oder wenn Ihre Musik mit einem Quentin-Tarantino-Film verglichen wird?

Das ist gerade ein bisschen absurd. Erst hockt man Monate allein an dem Album. Dann schickt man es raus, und jetzt ist es das andere Extrem. Das Interesse ist groß. Ich brauche noch Zeit, das zu verarbeiten. Schön ist: Ich bekomme langsam einen Platz in der Musikwelt. Man braucht eine Verortung, wenn man gehört und gesehen werden will. Zum Beispiel den Tarantino-Vergleich. Bis dahin dachte ich: Keiner versteht, was ich will.

„Inas Nacht“ als Ritterschlag

Der Papa bezeichnet Ihren Auftritt bei „Inas Nacht“ als Ritterschlag. Sehen Sie das auch so?

Auf jeden Fall. Ich freue mich über jeden kleinen Schritt ganz arg, und Inas Nacht ist ein Riesending. Ich fand die Sendung schon immer super cool und lustig. Sie macht ihr Ding, lässt sich nicht reinquatschen. Das feiere ich total. In der Musikbranche gibt es so viele Fakes, so viel Künstliches. Da ist es großartig, wenn man auf Menschen trifft, die unverstellt sind.

Fühlen Sie sich in Ihrer Art bestätigt? Sie gelten ja auch als kompromisslos, was Ihre Musik und die Vermarktung angeht. Und Sie haben damit Erfolg.

Erfolg ist Definitionssache. Erfolg im großen Sinn ist das nicht. Ich sehe mich bestätigt in meinem Weg. Songs zu lang? Komposition zu kompliziert? Das einem Produzenten zu überlassen, habe ich über Bord geworfen. Dadurch, dass mich trotzdem Radiosender spielen und es Menschen gibt, die mir schreiben oder nach dem Konzert sagen, wie viel ihnen meine Musik gibt, sehe ich mich bestätigt. Es funktioniert nicht anders, als ganz meinem Instinkt zu vertrauen. Mein Bauchgefühl sagt, wo es langgeht. Ich muss nur drauf hören. Seit ich das mache, geht es mir gut.

Spüren Sie Druck?

Ja, auf jeden Fall. Der Druck ist da, auch wenn es positiver Druck ist. Doch ich versuche, den kleinzuhalten.

Mit Get Well Soon auf Europatournee

In der Berichterstattung sind Sie oft die Alex Mayr aus einem niedersächsichen Ort bei Bremen. Für uns sind Sie eine ehemalige Stuhrerin. Haben Sie noch Kontakte dorthin – von der Familie mal abgesehen?

Es gibt noch gute alte Freunde, die geblieben oder zurückgekommen sind. Und die ich immer versuche, alle zu sehen, wenn ich vor Ort bin.

Besteht die Möglichkeit, im Rahmen Ihres Bremen-Konzerts einen Abstecher nach Stuhr zu machen?

Am Tag des Konzerts ist dafür keine Zeit, aber am Tag danach sind wir bei meinen Eltern. Dorthin lade ich vielleicht ein paar Freunde ein, die kennen ja auch meine Eltern. Wir können uns coronakonform im Garten treffen.

Wie geht es nach der Tour weiter?

Mit dem Maifeld Derby in Mannheim sowie zwei tollen Support-Shows für Olli Schulz und Maeckes. Für den Herbst habe ich schon wieder 1 000 Ideen für ein neues Album. Ich sollte aber auch mal für ein paar Wochen runterkommen, die letzten Monate waren doch ziemlich heftig. Im Frühjahr 2022 steht der zweite Teil der Tour an und im April/Mai 2022 gehe ich mit Get Well Soon auf Europatournee.

Wie sieht Ihre Zukunft aus? Eher „Irgendwann, wenn ich groß bin, baue ich mir ein hübsches Haus“ wie im Song „Zeit“ oder „Es kann uns niemand sagen, was noch kommt“ wie in „Ausgang“?

Eher wie in „Ausgang“. „Zeit“ ist überspitzt und ironisch. Ich nehme mich selbst und die Gesellschaft aufs Korn. Ich weiß nicht, was wird. Ich lasse es auf mich zukommen. Jetzt, wo es läuft, habe ich Lust, zehn Alben zu machen – und auch mehr Filmmusik zu schreiben.

Von Andreas Hapke

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Meistgelesene Artikel

Strecke Sulingen-Nienburg: Leeres Gleisbett ist „ein Ärgernis“

Strecke Sulingen-Nienburg: Leeres Gleisbett ist „ein Ärgernis“

Strecke Sulingen-Nienburg: Leeres Gleisbett ist „ein Ärgernis“
Containerweise Sperrmüll statt Spenden für das Hochwassergebiet

Containerweise Sperrmüll statt Spenden für das Hochwassergebiet

Containerweise Sperrmüll statt Spenden für das Hochwassergebiet
„Traf den Nerv der Zeit“: Ohne Frank Pinkus steht dem Weyher Theater ein Kraftakt bevor

„Traf den Nerv der Zeit“: Ohne Frank Pinkus steht dem Weyher Theater ein Kraftakt bevor

„Traf den Nerv der Zeit“: Ohne Frank Pinkus steht dem Weyher Theater ein Kraftakt bevor
Frank Pinkus ist tot: 62-Jähriger erleidet wohl Herzinfarkt auf der Bühne

Frank Pinkus ist tot: 62-Jähriger erleidet wohl Herzinfarkt auf der Bühne

Frank Pinkus ist tot: 62-Jähriger erleidet wohl Herzinfarkt auf der Bühne

Kommentare