„Akzente in der Schulpolitik setzen“

Stuhr ist die Trägerschaft heilig

Die Sanierung der KGS Brinkum sei vor allem deshalb zur Zufriedenheit der Kommune gelaufen, weil sie die Schulträgerschaft habe, sagt Bürgermeister Niels Thomsen.

Stuhr - Von Andreas Hapke. In der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen hat der UWG-Ratsherr Hermann Schröder laut darüber nachgedacht, dass die Kommune die Schulträgerschaft an den Kreis zurückgeben könnte. Dadurch ließe sich Geld sparen, vermutet er. Käme das auch für Stuhr in Frage? Eine Umfrage bei den Fraktionen ergab, dass diese einen solchen Schritt kategorisch ausschließen. Die Verwaltungsspitze hält auch nichts davon.

„Ich finde es völlig abwegig, dass wir das jemals politisch diskutieren“, sagt Bürgermeister Niels Thomsen. „Es ist besser, man hat das in der eigenen Hand. Wir als große Kommune wollen schließlich Akzente in der Schulpolitik setzen.“ Thomsen nennt die KGS Brinkum als Beispiel. Ganz gleich ob Mensabau, Ganztagsangebot oder Anbindung der Schule an ein Jugendhaus: „Das hätten wir so nie hinbekommen, wenn das eine Behörde ohne örtliche Verbundenheit übernommen hätte. Das, was wir aufbringen müssen, bringen wir gerne auf.“

Gute Regelung für laufende Kosten

Was die laufenden Kosten angeht, hätten die Kommunen mit dem Landkreis über den Schullastenausgleich eine gute Regelung gefunden. Außerdem, befürchtet Thomsen, würde sich der Kreis nach Übernahme der Schulträgerschaft einen Teil des Geldes über eine erhöhte Umlage von Stuhr wiederholen.

Ob Kinder, Eltern oder Großeltern: Laut Grünen-Chefin Kristine Helmerichs hat ein Drittel der Bevölkerung mit Schule zu tun. „Vor diesem Hintergrund finde ich es nicht so schlau, diese Verantwortung an den Kreis zu delegieren.“ Abgesehen davon „fühlen wir uns über den Schullastenausgleich alle ausgiebig vom Landkreis bedacht“. Das wenn überhaupt vorhandene Einsparpotenzial stehe in keinem Verhältnis zu den Möglichkeiten der Gestaltung und der Einflussnahme. „Wir haben die KGS Moordeich gebaut, als der Landkreis kein Geld für solche Maßnahmen hatte“, nennt sie ein Beispiel.

„Die Schule ist eines unserer liebsten Kinder“

Selbst die CDU, die bei vergangenen Etatdebatten gebetsmühlenartig davon sprach, alles auf den Prüfstand zu stellen und Standards zu hinterfragen, winkt ab. „Das war in unserer Fraktion noch nie Thema, auch dann nicht, als die umfangreiche Sanierung der KGS Brinkum anstand“, sagt Fraktionschef Frank Schröder. „Die Schule ist eines unserer liebsten Kinder, wir haben gute Gebäude.“ Damit das so bleibt, müsse die Bestimmungshoheit bei der Gemeinde bleiben. „Darüber sind übrigens auch die Lehrer sehr froh.“

Die Fraktionsvorsitzenden von „Besser“ und FDP wollen da nicht widersprechen. „Warum sollten wir die Trägerschaft jetzt abgeben?“, fragt Gerd-W. Bode („Besser“). „Wir sind gut aufgestellt und haben ordentliche Sanierungsarbeit geleistet.“ Laut Alexander Carapinha-Hesse (FDP) hat Stuhr seinerzeit „bewusst die Trägerschaft übernommen, um einen Handlungsspielraum und Mitspracherecht bei Bauvorhaben zu behalten. Das sollte auch in Zukunft so bleiben.“

„Bildung war immer ein zentrales Thema“

Auf die Gestaltungsvielfalt hebt auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Cohrs ab: „Wir sind in der Vergangenheit gut damit gefahren, das in der eigenen Hand zu haben. Wenn der Kreis etwas baut, dann nur nach Prioritätenliste“, sagt sie. Außerdem fließe Geld über den Schullastenausgleich nach Stuhr.

Schon zu seiner Zeit als Bürgermeister sei Bildung in Stuhr „immer ein zentrales Thema“ gewesen, sagt der heutige Landrat Cord Bockhop. Nur dank der Trägerschaft gebe es zwei Kooperative Gesamtschulen. Es mache Freude, eigene Schwerpunkte zu setzen, statt nur Gesetze zu befolgen. Und: „Wenn der Landkreis die Trägerschaft hat, dann setzt er auch die Standards.“ Bockhop erinnert sich an den bereits verstorbenen Christdemokraten Jürgen von Weyhe. „Der hat jeden Cent umgedreht, aber Kitas und Schulen waren ihm heilig.“ Da steht Schröder also ganz in der Tradition seiner Vorgänger.

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