Akzeptanz für den Nachwuchs

Aktion „Platz nehmen“ in Stuhr: Öffentlicher Raum ist ein Ort für Jugendliche

Ein neuer Tisch und zwei neue Bänke auf der Skateranlage in Stuhr-Moordeich.
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Der neue Tisch und zwei der drei neuen Bänke: Zur Aktion am Freitagnachmittag fehlt nur noch besseres Wetter.

Die Gemeinde Stuhr beteiligt sich an der Aktion „Platz nehmen – Mehr Akzeptanz für Jugendliche im öffentlichen Raum“. Auf der Moordeicher Skateranlage geht es am Freitag darum, neue Sitzgelegenheiten einzuweihen – und für Verständnis für die Bedürfnisse des Nachwuchses zu werben. 

Moordeich – Dass Jugendliche ihren Platz inmitten der Gesellschaft haben, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ist aber nicht immer so. Verdrängung ist allerorten ein Thema, auch in Stuhr. Als Beispiel nennt Bürgermeister Stephan Korte den Grünstreifen in Brinkum, von dem einige Anwohner glaubten, er sei Familien und kleinen Kindern vorbehalten.

Dies stimme so nicht. Jugendliche dürften sich dort ebenfalls tummeln, seien aber häufig nicht willkommen. Auch die Streetworker Moritz Jungblut und Julien Jacquot sind nach eigener Auskunft „viel mit Beschwerden von Bewohnern“ konfrontiert. „Weil sich Jugendliche im öffentlichen Raum aufhalten und Party machen“, berichtet Jungblut. Kurz: „Weil sie einfach jugendlich sind.“ Was tun?

Die Aktion „Platz nehmen – Mehr Akzeptanz für Jugendliche im öffentlichen Raum“ kommt da wie gerufen. Es ist eine Initiative der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/Streetwork Niedersachsen Bremen, an der sich das Team Jugend der Gemeinde Stuhr beteiligt. Es lädt für Freitag, 17. September, 16 Uhr, auf die Skateranlage in Moordeich ein.

Mit Graffiti-Künstler und Skate-Experten

Zum einen geht es darum, drei neue Bänke und einen Tisch offiziell einzuweihen. Die Sitzgruppe soll die Aktion „Platz nehmen“ symbolisch darstellen. Außerdem gibt es an der Anlage ein Programm mit dem Oldenburger Graffiti-Künstler Jesse Himme und dem Delmenhorster Skate-Experten Ümit Akbulut. Letzterer soll die Jugendlichen „ein bisschen an die Hand nehmen“ (Jungblut) und ihnen zeigen, was auf den Bahnen der Moordeicher Anlage alles möglich ist. „Er wird ein bisschen Kreativität reinbringen“, sagt Jungblut.

Er selbst und sein Kollege Jacquot werden für die jugendlichen und erwachsenen Besucher Bratwürste grillen. Die Streetworker wollen am Freitag nicht nur mit dem Nachwuchs über dessen Situation sprechen. „Es wäre super, wenn wir bei dieser Gelegenheit mit den Anwohnern in den Austausch kommen könnten“, so Jungblut.

„Nicht nur übereinander reden, sondern miteinander“ – dies wünscht sich auch Ann-Kathrin Dannemann, Fachdienstleiterin Bildung, Jugend und Sport. In Stuhr gebe es viele eng besiedelte Bereiche. Da sei es verständlich, dass einige Anwohner abends ihre Ruhe haben möchten. „Das ist nicht einfach. Wir müssen Verständnis für beide Seiten bekommen“, sagt Dannemann. Sie spricht von einem „tollen Projekt“, von dem sie sofort begeistert gewesen war.

Sie wünschen sich mehr Verständnis zwischen Anwohnern und Jugendlichen: (v.l.) Fachdienstleiterin Ann-Kathrin Dannemann, die Streetworker Moritz Jungblut und Julien Jacquot sowie Bürgermeister Stephan Korte.

Jungblut hofft, dass die Anlage künftig wieder mehr in den Fokus der Skater rückt. „Meistens saßen die Jugendlichen auf den Rampen und haben die Anlage versperrt.“ Der Neustart mit Sitzgruppe am Dienstag war schon mal vielversprechend. Die Anlage sei bei dem schönen Wetter gut besucht gewesen und die Bänke seien gut angenommen worden, berichtet Jungblut. Es habe aber auch verwunderte Blicke von Anwohnern gegeben.

Im Aktionszeitraum von 6. bis 17. September möchte die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Mobile Jugendarbeit/Streetwork Niedersachsen Bremen an insgesamt zwölf Orten darauf aufmerksam machen, dass das Recht auf Aufenthalt im öffentlichen Raum allen zusteht. „Der öffentliche Raum ist für viele Jugendliche ein wichtiger Aufenthaltsort, dort können sie sich weitgehend anonym, kostengünstig und ohne räumliche Einschränkungen mit Gleichaltrigen treffen“, heißt es in der Pressemitteilung der LAG. Dies birge Konfliktpotenzial, nicht zuletzt auch wegen des „oft auffälligen und provokanten Verhaltens junger Menschen“. Aufgrund der Pandemie würden Ansammlungen von Gruppen noch kritischer wahrgenommen. „Deshalb ist es für junge Menschen noch schwieriger geworden, sich legal an bestimmten Orten zu treffen.“

Bürgermeister will „Orte, wo man hingeht und willkommen ist“

Laut Jungblut ist es das vierte Mal, dass sich Stuhr mit einer niedrigschwelligen Aktion an der Initiative beteiligt. Sie geht im zweijährigen Turnus über die Bühne, war aber wegen der Corona-Pandemie 2020 ausgefallen.

Bürgermeister Korte kündigt für Freitag seine Teilnahme an der Veranstaltung an – auch, um vom Nachwuchs zu erfahren, wie er das aktuelle Angebot für seine Altersgruppe in Stuhr bewertet. Unabhängig davon möchte Korte für die Jugendlichen „Orte, wo man hingeht und willkommen ist. Wir als Gemeinde wollen uns da stärker entwickeln als in der Vergangenheit und in den einzelnen Ortsteilen ein Identitätspotenzial schaffen.“

Dass die Sitzgruppe in Moordeich nicht der letzte Versuch gewesen sein soll, Plätze für Jugendliche zu gestalten, sehen auch die Streetworker so. Julien Jacquot könnte sich eine Bahn für BMX-Räder in Seckenhausen und die Erweiterung der Funsportanlage in Brinkum vorstellen. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Von Andreas Hapke

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