„Platz nehmen“

Mehr Akzeptanz für Jugendliche: Aktion auf Skateranlage findet großen Anklang

Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte besprüht den Betonfuß einer Bank.
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Premiere als Sprayer: Bürgermeister Stephan Korte.

Nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern auch „neue Leute“ sind laut Streetworker Moritz Jungblut am Freitag zur Skateranlage in Moordeich gekommen. Es war eine besondere Veranstaltung, zu der er und sein Kollege Julien Jacquot eingeladen hatten.

Moordeich – Auf der Skateranlage in Moordeich steppt am späten Freitagnachmittag der Bär. Mehr als 30 Kinder und Jugendliche testen mit Scootern, Skateboards oder BMX-Rädern ihre Fähigkeiten an den Rampen und Wänden. Die Allerkleinsten schmeißen ihre Laufräder die Bahnen herunter und rutschen hinterher. Sie alle sind auf Einladung der Streetworker Moritz Jungblut und Julien Jacquot zur Aktion „Platz nehmen“ gekommen.

Unter diesem Motto lief bis zum Wochenende an zwölf Orten die Initiative der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/Streetwork Niedersachsen Bremen, an der sich Stuhr beteiligt hat. Ziel: mehr Akzeptanz für Jugendliche im öffentlichen Raum zu schaffen.

„Cool, dass ihr alle am Start seid“, ruft Jungblut den Teilnehmern zu. Er verweist auf drei neue Bänke und einen Tisch, welche die Gemeinde kürzlich angeschafft hat und die bei dieser Gelegenheit eingeweiht werden sollen. „Damit man nicht mehr auf der Skaterbahn selbst sitzen muss“, begründet Jungblut. Bürgermeister Stephan Korte erklärt den Mädchen und Jungen, dass es „immer wieder Ärger auf Spielplätzen“ gebe, weil sich Erwachsene über die Jugendlichen beschwerten. „Wir wollen mit ihnen ins Gespräch kommen. Vielleicht sind ja auch ein paar Nachbarn da.“ Bis auf wenige Ausnahmen erfüllt sich diese Hoffnung nicht.

Mit Graffiti-Künstler die Bahnen verschönert

Einer der beiden Hauptdarsteller der Aktion ist der Graffiti-Künstler Jesse Himme aus Oldenburg, unter dessen Anleitung der Nachwuchs die Bahnen verschönert. „Wenn die das alleine machen, sieht es nachher so aus wie vorher“, sagt Himme und lacht. „Die Kids sollen einen Bezug zur Anlage bekommen, sich damit identifizieren. Je mehr sie selbst machen, desto mehr Respekt haben sie“, erklärt Himme.

Einige Teilnehmer haben sich dazu schon am Donnerstag mit ihm getroffen, unter ihnen Lino, James und Liam. Ihr Schriftzug „Skate“ ziert nun eine der Rampen. Auch Steve gehört zu der Gruppe der Neun- bis Zwölfjährigen, war aber beim Sprühen nicht dabei. „Wir kennen uns alle, weil wir uns hier treffen“, sagt er.

Die 13-jährigen Kylie und Sophie haben sich mit ihren Initialen auf der Seite einer kleinen Rampe verewigt. Kylie findet die Anlage jetzt „viel besser mit den Sitzbänken“. Sophie verrät, dass die beiden Skateboard lernen wollen. „Wir fahren noch Scooter“, fügt Kylie hinzu.

Spektakuläre Aktionen wie auf diesem Bild liefern die erfahrenen Skater.

Kyan geht den umgekehrten Weg: „Ich habe kurze Zeit Skateboard gemacht, jetzt fahre ich Scooter.“ Im späteren Verlauf der Veranstaltung möchte Himme selbst noch einen Hulk auf der Wall, der großen Steilwand, verewigen. Sie heißt beim Nachwuchs TV Stuhr, weil TV Stuhr draufgesprüht ist.

Unumstrittener Star der Skater ist der Delmenhorster Ümit Akbulut, dessen Autogramm jetzt unter anderem den Helm des zehnjährigen Paul ziert. Fast hätte es Akbulut mit der türkischen Olympiamannschaft nach Tokio geschafft . „Am Ende hatten wir in der Qualifikation nicht die notwendigen Punkte geholt, weil wir während Corona nicht zu internationalen Wettkämpfen reisen konnten. Doch jeder, der in Tokio angetreten ist, hat es sich auch verdient“, erzählt Akbulut. Sein Traum von Olympia sei zwar geplatzt, doch er freue sich für die Sportart.

Die Moordeicher Anlage kennt er seit 18 Jahren. „Ein cooler Standort. Das, was die Kids brauchen, ist eigentlich alles da“, findet er. Ein, zwei Optimierungen könne er sich dennoch vorstellen. Eine Bank (Rampe) etwa sei viel zu steil, außerdem würde der Anlage noch eine Stange gut tun. „Aber es geht ja trotzdem. Man muss die Kirche im Dorf lassen. Mein Highlight war immer die Wall.“

„Das hier ist definitiv ein Hauptplatz für uns Streetworker“

Der elfjährige Junes, der nach eigener Auskunft jeden zweiten Tag auf der Anlage fährt, wünscht sich eine etwas längere Trail für eine der Bahnen. Damit meint er die Plattform, von der aus die Skater die Rampe herunterfahren. Auf der anderen Seite geht es die Rampe wieder hoch, „und man springt wegen der kurzen Trail manchmal gegen die Mauer“, sagt Junes.

„Wir sind erfreut und überrascht, dass wir so viele erreichen konnten. Wenn man das sieht, das macht richtig Spaß“, sagt Jungblut, während sich sein Kollege Jacquot als Grillmeister betätigt und Ann-Kathrin Dannemann, Fachdienstleiterin Bildung, Jugend und Sport, die fertigen Würstchen in Brötchen legt und verteilt.

„Das hier ist definitiv ein Hauptplatz für uns Streetworker. Es gibt nicht so viele Plätze in der Gemeinde, wo so viel los ist“, sagt Jungblut. Diesmal seien nicht nur die üblichen Verdächtigen gekommen, sondern auch „neue Leute“. Vom Alter sei die Gruppe „immer super gemischt. Ab 5., 6. Klasse aufwärts kommen die Kinder her. Je älter, desto später laufen sie auf. Freitag- und Samstagabend sind es die 20-Jährigen.“ Die meisten stammten aus Moordeich, Brinkum sei für viele zu weit weg.

„Wie kann man Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene verbessern? Orte schaffen, wo man hingeht und weiß, da sind die anderen“ – dies hat sich die Gemeinde laut Korte auf ihre Fahnen geschrieben. Dem Bürgermeister ist es vorbehalten, das Motto „Platz nehmen“ auf den Betonfuß einer Sitzbank zu sprühen. Auch wenn er dabei nichts falsch machen kann, weil Himme die entsprechenden Schablonen auf den Beton geklebt hatte: Mit 56 Jahren ist es Kortes Premiere als Sprayer.

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