Gastfamilien für Teilnehmer gesucht

Adelante: Zum Start sieben Stuhrer Firmen

Mit einem Sprachkurs bereiten sich zurzeit diese Spanier in Andalusien auf ihren Deutschlandaufenthalt vor.
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Mit einem Sprachkurs bereiten sich zurzeit diese Spanier in Andalusien auf ihren Deutschlandaufenthalt vor.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Im ersten Jahr der Anpassungsqualifizierung Adelante gehen die Stuhrer Unternehmen mit gutem Beispiel voran. Sieben Betriebe aus der Gemeinde beteiligen sich an dem Pilotprojekt, das spanischen Fachkräften die Anerkennung ihres Abschlusses in Deutschland ermöglicht. Hinzu kommen je eine Firma aus Weyhe und Delmenhorst.

„Häufig fehlen den Leuten Praxis-Anteile, die sie auf diesem Weg nachholen können“, erklärt Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier. Als Träger des kreisweiten Projekts fungiert die Firma „PractiGo“.

Positive Erfahrungen machen weiteren Firmen Mut

Deren Geschäftsführer Oliver Schneider spricht von 15 Teilnehmern aus Andalusien, die sich seit März in einem Sprachkurs in Sevilla auf ihren Aufenthalt in der Fremde vorbereiten. Nach ihrer Abschlussprüfung am 25. September begeben sie sich nach Deutschland, um Anfang Oktober ihr zweiwöchiges Praktikum in ihren Betrieben zu absolvieren. Teilnehmer und Firmen haben in Skype-Interviews zueinander gefunden. Läuft alles glatt, schließt sich eine zwölfmonatige Anpassungsqualifizierung an. Finanziert wird das Projekt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover sowie dem Landkreis Diepholz, die Kosten für den 600 Stunden umfassenden Sprachkurs übernimmt das Arbeitsministerium in Sevilla.

Die hohe Beteiligung von Unternehmen aus Stuhr kommt nicht von ungefähr. Die Kommune hatte in jüngster Vergangenheit bereits vier junge Männer aus der spanischen Partnerstadt Alcalá de Guadaira als Praktikanten in Betriebe aus der Region vermittelt. Drei von ihnen seien dauerhaft in Deutschland geblieben. Erst im Juni dieses Jahres erhielt zum Beispiel Rafael Borrallo Espinar die Anerkennung seines spanischen Berufsabschlusses als Fachinformatiker durch die IHK. „Das ist in allen Fällen wunderbar gelaufen“, sagt Wimmelmeier. Die positiven Erfahrungen hätten bei anderen Unternehmen die Bereitschaft erhöht mitzumachen. Eine Jugendarbeitslosigkeit von 56 Prozent in Andalusien bei gleichzeitigem Mangel an Fachkräften in Deutschland: „Das war damals unser kleiner Ansatz in Stuhr, etwas gemeinsam mit der IHK auf die Beine zu stellen“, berichtet Wimmelmeier.

Hochmotivierte Arbeitskräfte, die nicht zur Berufsschule müssen

In dem größer angelegten Pilotprojekt profitieren die Unternehmen laut Schneider mindestens 14 Monate von Arbeitskräften mit Vorkenntnissen. Die Teilnehmer müssten zudem keine Berufsschule mehr besuchen „und kommen mit der Motivation, sich in Deutschland eine Zukunft aufzubauen“, fügt Schneider hinzu. Seine Firma begleite die Spanier durch muttersprachliche Mitarbeiter. Unter anderem deshalb falle für die Betriebe eine Beteiligung von monatlich 100 Euro an dem Projekt an – zusätzlich zu der Vergütung von 850 Euro netto pro Teilnehmer.

„Für die Unternehmen ist das eine Chance, Fachkräfte zu finden. Es ist ein Baustein von vielen“, sagt Wimmelmeier. An dem Projekt beteiligen sich die Stuhrer Firmen Wenzel Marine, Straschu Holding, kwb Germany, Rösler Software-Technik, Kasper-Elektronik, MST Medien Systemtechnik und Cordes & Greafe sowie Paul Schrader aus Weyhe und Provis Steuerungstechnik aus Delmenhorst.

Weitere Firmen, etwa aus den Bereichen IT, Logistik, Hotel/Gastronomie, Elektronik und Mechatronik können sich noch unter Ruf 0421/40 89 770 melden. Vor allen Dingen sucht „PractiGo“ noch Gastfamilien, Wohngemeinschaften oder möblierte Zimmer für die Unterbringung der Spanier. Deren Ankunft sieht Schneider mit froher Erwartung entgegen, dies treffe umgekehrt auch auf die Spanier zu. „In Skype-Konferenzen mit der ganzen Klasse haben wir ihnen auch schon gezeigt, dass in Deutschland manchmal sogar die Sonne scheint“, scherzt er.

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