Interessierte Unternehmen gesucht

Adelante: Projekt bekämpft Mangel an Fachkräften in Stuhr

Ein Industriemechaniker bei der Arbeit.
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Damit alle Maschinen und Anlagen laufen, gibt es Industriemechaniker. Im Rahmen des Projekts Adelante 4.0 werden solche Fachkräfte gesucht.

Adelante ist ein Projekt, dass die Abschlüsse von Fachkräften aus der Europäischen Union in Deutschland anerkennt. Es gilt als Baustein im Kampf gegen den seit Jahren herrschenden Fachkräftemangel. Die Gemeinde Stuhr hat in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht. Örtliche Firmen sind wieder dabei.

Stuhr – Es war im Dezember 2018, als das Projekt Adelante 1.0 seine Feuertaufe bestanden hatte. Acht spanische Fachkräfte erhielten im Rathaus die Anerkennung ihrer Berufsausbildung in Deutschland, sechs von ihnen blieben und kamen in Stuhrer Firmen unter. Inzwischen ist Marc Oliver Schneider, Geschäftsführer des Projektträgers Practigo, in der Zählweise bei Adelante 4.0 angekommen. Doch eins ist laut Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier geblieben: Nach wie vor stellt das Projekt für die Unternehmen „eine Riesenchance dar, neue Fachkräfte zu gewinnen, die nachhaltig Lücken auf dem Arbeitsmarkt schließen“. Adelante 4.0 startet Anfang September, und wieder sind örtliche Betriebe mit dabei.

Stuhr war gewissermaßen Vorreiter des Projekts, was sich durch den Firmensitz von Practigo an der Ernst-Abbe-Straße im Gewerbegebiet Brinkum-Mitte ergab. Inzwischen hat Adelante laut Schneider große Kreise gezogen: Von Osnabrück bis an die Nordseeküsten würden sich Kommunen daran beteiligen, weil sie ebenso wie Stuhr ihre Chance wittern, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Beginn mit Sprachkursen in Spanien

Seit Mitte März laufen in Madrid und Sevilla Sprachkurse, die die diesjährigen Teilnehmer auf das Niveau B1 bringen sollen. An der Zusammenstellung der Gruppe war die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) als Geldgeber maßgeblich beteiligt.

In Deutschland kommt auf die Spanier eine ein- bis zweimonatige Praktikumsphase zu, die dann in eine zwölfmonatige Anpassungsqualifizierung übergeht. In Absprache mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover werden zwischen dem Betrieb und dem spanischen Kandidaten jene Lerninhalte festgelegt, die für eine volle Gleichwertigkeit des spanischen Berufsabschlusses in Deutschland notwendig sind. Die Inhalte ergeben sich aus der jeweiligen Ausbildungsverordnung. Praxisbegleitend besuchen die Teilnehmer einen von Practigo organisierten Deutschkurs mit dem Abschluss B2.

Der Projektträger hilft in den ersten Tagen auch bei den Behördengängen, kümmert sich um die Unterkünfte und stellt eine spanischsprachige Begleitung bereit. Diese steht – neben der IHK – auch den beteiligten Betrieben als Ansprechpartner zur Verfügung.

„Übernahmeangebote bekommen fast alle“

„Wir haben ganz wenige Abbrecher“, sagt Schneider. Grund: „Die Berufsausbildung der Teilnehmer hat schon in Spanien stattgefunden. Sie bringen eine entsprechende Affinität mit, haben aber in ihrer Heimat keine Möglichkeit, in ihrem Beruf Erfahrungen zu sammeln.“ In Deutschland hingegen könnten sie sofort einsteigen und gegebenenfalls auch weitermachen – immer vorausgesetzt, die Chemie zwischen unternehmen und Arbeitnehmer stimmt. Das sei aber meistens der Fall.

„Übernahmeangebote bekommen fast alle“, sagt Schneider und fügt hinzu: „90 Prozent der Teilnehmer bleiben in den Betrieben.“ Schließlich sei es der Traum dieser Menschen, sich eine Zukunft aufzubauen in dem Bereich, den sie gelernt haben. In Deutschland bekämen sie in der Regel langfristige, in ihrer Heimat üblicherweise kurzfristige Arbeitsverträge.

Die Ankunft der Spanier ist zunächst für Mitte August angedacht. Darin eingepreist wäre laut Schneider eine zweiwöchige Quarantäne bis zum Praktikumsstart Anfang September, falls diese denn notwendig sein sollte. „Ich gehe davon aus, dass es diesmal keine Verzögerung geben wird“, sagt Schneider. Anders als im vergangenen Jahr, als die Teilnehmer erst im Winter kamen und sich dann über Online-Partys und Online-Kochkurse kennenlernen mussten. Schwierig sei das Jahr 2020 für Adelante auch deshalb gewesen, weil viele Firmen während Corona „nicht noch fremde Menschen reinnehmen“ wollten.

Fünf von 24 Teilnehmern in Stuhr untergebracht

18 der 24 für ganz Niedersachsen vorgesehenen Spanier sind bereits in Firmen untergebracht, davon fünf in Stuhr. Beteiligt haben sich MST Medien-Systemtechnik, Rösler Software-Technik (beide Brinkum), Tollkühn Shoppartner (Stuhrbaum) und Kasper Elektronik (Groß Mackenstedt). Für folgende Berufe werden noch Firmen gesucht: Fachinformatiker Anwendungsentwicklung, Fachinformatiker Systemintegration, Technischer Produktdesigner, Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker sowie Elektroniker Betriebstechnik. „Auch für künftige Projekte suchen wir noch Unternehmen“, sagt Schneider.

„Der Baustein Adelante wird das Fachkräfteproblem nicht final lösen“, stellt Wimmelmeier fest. „Doch ich kann die Betriebe nur ermuntern, dieses Angebot wahrzunehmen.“

Information

Unternehmen, die sich für eine Teilnahme an Adelante interessieren, können sich an den Projektträger Practigo wenden:

Oliver Schneider ist unter 0421/40 89 77 21 zu erreichen, Hendrik Meyer unter 0421/40 89 77 11. Die E-Mail-Adressen lauten oliver. schneider@practigo.com und hendrik.meyer@ practigo.com.

Von Andreas Hapke

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