Absolut kein Verständnis für Sportmuffel

80-jährige Gisela Grünefeld des TV Stuhr rät: Besser spät anfangen, als nie

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Die 80-jährige Gisela Grünefeld leitet Sportkurse des TV Stuhr und der Rheuma-Liga.  

Stuhr - Von Janna Silinger. Es ist eigentlich ganz einfach: Dran bleiben. Weitermachen, auch wenn mal was wehtut. Den inneren Schweinehund in den Zwinger sperren. Diszipliniert sein. So kann man es schaffen, mit 80 Jahren noch immer Sportkurse zu leiten. Und zwar für Leute, die zum Teil 20 Jahre jünger sind. Das hat zumindest für Gisela Grünefeld funktioniert. Sie bietet Gymnastikkurse beim TV Stuhr und für die Rheuma-Liga an. Und aufhören? Kommt nicht in Frage.

Angefangen hat alles in Grünefelds Jugend mit dem Kunstradfahren. Die Begeisterung für Sport war geweckt. Und wurde später von ihrem Ehemann beflügelt, der bis heute begeisterter Radfahrer ist. „Wir haben uns über den Radsport kennengelernt“, erzählt sie lächelnd. Er habe sie dann mit nach Bremen-Huchting „gelockt“, wo sie gemeinsam in das Haus seiner Eltern mit einzogen.

„Der TuS Huchting hat mir nicht so gut gefallen“, berichtet Grünefeld. Da Stuhr aber gleich um die Ecke lag, fing sie dort an, Sport zu machen. Im Jahr 1975 habe sie ihren ersten Frauengymnastikkurs übernommen. „Die haben mich einfach gefragt, ob ich das machen möchte.“ Wenig später kam Kinderturnen dazu. „Damals ist Stuhr rasant gewachsen, und es kamen viele junge Familien mit Nachwuchs. Ich hatte also gut zu tun“, erinnert sich Grünefeld. Sie erwarb nach und nach die Übungsleiterlizenzen. Und hörte einfach nie auf. Weder mit dem Sport, noch mit den Kursen. Heute leitet sie beim TV Stuhr eine Gruppe in Sitzgymnastik und einen Kurs „Fit ab 60“.

Es sei logisch, dass einen im Alter auch mal gesundheitliche Probleme ausbremsen. Dann dürfe man sich nicht hängen lassen. „Ich hab mir mal die Hüftpfanne gebrochen, war aber nach acht Wochen wieder auf den Beinen“, erzählt sie. Ein anderes Mal sei sie vom Fahrrad gestürzt und stand trotzdem ein paar Stunden später bei ihren Kursteilnehmern auf der Matte; zwar mit Krücken, aber aufrecht.

Bewegung ist das A und O

„Bewegung ist das A und O. Im Alter bauen wir alle ab.“ Wer aber eine solide Grundlage hat, auf den kommen zumindest anfangs weniger Probleme zu, meint sie. Das sehe sie auch in den Kursen. Diejenigen, die immer schon Sport gemacht haben, seien im Schnitt fitter.

Und ist es irgendwann zu spät? Ganz klare Antwort: Nein. Sie habe absolut kein Verständnis für Leute, die sich ständig rausreden. Ab einem gewissen Zeitpunkt, müsse man es nur langsamer angehen lassen. Aber besser spät, als nie. „Ich habe beispielsweise relativ spät angefangen zu joggen. Am Anfang hab ich nicht mal fünf Kilometer geschafft“, berichtet sie. Und dann trainierte sie. So lange und so viel, bis sie in der Lage war, Marathons zu laufen.

Joggen geht Grünefeld inzwischen zu sehr auf die Gelenke. Heute halten Walken, Gymnastik und Radfahren sie fit. „Mein Mann ist schon 85. Der fährt auch Rad. Machmal bis zu 70 Kilometer“, erzählt sie stolz. Hin und wieder fahre sie mit.

„Durch Bewegung entsteht Gelenkflüssigkeit, die ernährt die Knorpel. Wenn die nicht ernährt werden, werden die Gelenke steif.“ Das müsse unbedingt vermieden werden. Also: Anfangen und dran bleiben. So lang es geht.

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