Zum Abschluss ein Tanz quer durch den Ratssaal

„An Erming“ bringen bretonische Lieder und Tänze nach Stuhr

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Andreas Derow (l.) ist mit seinem Dudelsack meistens der lauteste Musiker des Trios, das Hans Martin Derow und Barbara Gerdes komplettieren. Neben Musik haben die Drei viel Wissenswertes mitgebracht.

Stuhr - Von Catharina Zogmayer. Die Gruppe „An Erming“ entführt in die musikalische Welt der Bretagne. Im Stuhrer Rathaus erzählte das Trio, bestehend aus Barbara Gerdes, Andreas Derow und Hans Martin Derow, am Samstagabend Geschichten über fiktive und wahre Begebenheiten aus einer längst vergangenen Zeit.

Lange bevor es Zeitungen und andere Medien gab, wurden Nachrichten, die über Skurriles, Erheiterndes oder Trauriges berichteten, von fahrenden Sängern und Musikanten von Ort zu Ort getragen, so auch in der Bretagne. Das Programm Plomadeg griff diese Tradition auf und erzählte in (Tanz-)Liedern und Balladen über Begebenheiten aus dem täglichen Leben der bretonischen Landbevölkerung. Besonders die Schicksale junger Frauen hatten es dem Trio angetan. Sie spielten Lieder, in denen beispielsweise eine Frau über ihr Leid klagte, schlecht verheiratet worden zu sein. Die keltische Harfe, die Gitarre und das Akkordeon unterstrichen perfekt den gefühlvollen Gesang von Andreas Derow.

Weitere Geschichten erzählten von einer zum Tode verurteilten und von einer unterdrückten Frau sowie von einem jungen Mann, der sich um seinen jüngeren Bruder sorgte. Die Zuhörer konnten die Gefühle der beschriebenen Personen auch ohne Verständnis der meist in bretonischer oder französischer Sprache gesungenen Texte nachempfinden.

„Die meisten Lieder bestehen nur aus einer Strophe“

Auch die Tanzlieder der Bretagne kamen nicht zur kurz. Hans Martin Derow erklärte den Besuchern die beiden Tänze „Hanter Dro“ und „An Dro“. Der „Hanter Dro“ gilt demnach als einfachster Tanz in der Bretagne. Dabei fasst man sich an den Händen und bewegt sich in kleinen Schritten nach links. Der „An Dro“ baut auf diesem Konzept auf, jedoch fassen sich die Tänzer dabei an den kleinen Fingern und bewegen ihre Arme im Kreis von unten nach oben.

Die bretonischen Tänze haben zumeist die Form von Ketten-, Reihen- oder Kreistänzen und animieren so zum Mitmachen. Im Rathaus wurde der Platz links neben der Bühne schnell von erfahrenden Tänzerinnen und Tänzern ausgefüllt.

Zwischen den einzelnen Liedern beeindruckte das Trio immer wieder durch Hintergrundwissen und führte die Zuhörer theoretisch in die bretonische Musik ein. „Die meisten Lieder bestehen nur aus einer Strophe“, erklärte Andreas Derow. „In dieser wird immer nur ein Wort verändert, sodass daraus ein ganzes Lied entsteht.“

„An Erming“ wurde 1975 in Bonn gegründet. Ihre fundierten Kenntnisse der bretonischen Musik erwarben die Mitglieder während zahlloser Aufenthalte in der Bretagne, durch eigene Recherche sowie durch die Teilnahme an Kursen für bretonische Tänze. Vor allem aber Workshops und der Unterricht bei namhaften Instrumentalisten der bretonischen Musikszene beeinflussten die Gruppe.

Viel Applaus und Zugabe

Andreas Derow war mit Gesang, Geige, diatonischem Akkordeon, Drehleier und schottischem Dudelsack meist der Lauteste des Trios. Hans Martin Derow sorgte mit Gitarre, Akkordeon und Hintergrundgesang für die perfekten Harmonien, und Barbara Gerdes unterstützte die Melodien mit einer keltischen Harfe, Holzquerflöten, Bombarden (Blasinstrument mit doppeltem Rohrblatt), Low-Whistle (große, tiefgestimmte Flöte aus Metall), Drehleier und Hintergrundgesang.

Nach zwei Stunden war das Konzert beendet, und die drei Musiker wurden unter viel Applaus zu einer Zugabe aufgefordert. Sie spielten das Lied „Cercle Vicieux“ (Teufelskreis), das in ganz Frankreich als Abschlusslied bekannt ist.

Davon ließen sich die Besucher jedoch nicht beeindrucken und erklatschten sich eine weitere Zugabe. Andreas Derow forderte zum endgültig letzten Stück noch einmal alle Zuschauer zum Tanzen auf, hüpfte von der Bühne und führte die große Tanzgruppe quer durch den Ratssaal.

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