Außenstellenleiterin scheidet mit 78 Jahren aus

Christa Hopfgarten nimmt Abschied von der VHS

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Christa Hopfgarten mit den ersten Programmheften aus den 1980er-Jahren. 

Varrel - Von Angelika Kratz. Mit Christa Hopfgarten geht Ende August ein Urgestein der hiesigen Volkshochschule in die ehrenamtliche Rente. Nach 36 Jahren zieht die Arbeitsstellenleiterin für Stuhr Moordeich, Varrel und Heiligenrode den Schlussstrich unter einen wichtigen Teil ihres Lebens. Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, sagt sie, aber mit 78 Jahren sei ein guter Zeitpunkt gekommen, ein bestens bestelltes Feld in andere Hände zu übergeben.

Ihre ehrenamtliche Tätigkeit ergab sich zufällig 1981, als die damalige Arbeitsstellenleiterin Gisela Schröder nach fünf Jahren eine Nachfolgerin suchte. „Sie machen das“, war sich Gisela Schröder sicher, denn Christa Hopfgarten telefonierte nicht nur gerne, sondern pflegte auch damals schon viele Kontakte vor Ort. „Mir hat das alles von Anfang an viel Spaß gemacht, denn organisieren lag mir schon immer“, so Christa Hopfgarten. Als 42-Jährige stieg sie also als selbstständige Mitarbeiterin bei der VHS ein. „Alle Anmeldungen zu den Kursen konnten damals fast Tag und Nacht persönlich abgegeben werden, und mitunter klingelte am späten Sonnabend noch das Telefon für einen Dänischkurs.“ Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, die jeweiligen Kurse am ersten Tag abzuklappern, Teilnehmerkarten zu verteilen und die Gebühren zu kassieren. „Wie oft wurde mir es dann zu Hause wegen fehlender Geldbeträge fast schlecht“, erinnert sich Hopfgarten an die Anfänge. Nicht leicht sei es gewesen, bei den Vergünstigungen und Reduktionen der normalen Kursgebühren durchzublicken. Aber auch diese Schwelle nahm die Varrelerin und zahlte die Beträge stets perfekt abgerechnet bei der Bank ein.

Gerade einmal 40 Seiten umfasste das Programmheft aus dem Jahr 1981, das Christa Hopfgarten wie die anderen, immer dicker werdenden Exemplare wie einen Schatz hütet. Die Sammlung des VHS-Angebots ist quasi ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen in der Weiterbildung. Von Makramee, Töpfern und den ersten Fremdsprachenkursen bis zu heutigen, völlig anderen Herausforderungen mit veganer Ernährung und Webseminaren ist darin alles enthalten. Die Programmhefte will die scheidende Außenstellenleiterin dem Gemeindearchiv im Rathaus übergeben.

Seminare und Besichtigungstouren sehr beliebt

Die wöchentlichen Angebote waren laut Hopfgarten früher der Renner. Heute stehen auf der Beliebtheitsskala vor allem Seminare und Besichtigungstouren. Christa und ihr Mann Fritz Hopfgarten luden zu Werksbesichtigungen bei Mercedes und Airbus ein, und öffneten zudem so manche, sonst verschlossene Tür berühmter Bremer Bauwerke.

Ein besonderer Höhepunkt sei in den vergangenen Jahren die Stuhrer Geschichtswerkstatt in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Helmuth Riewe und den beiden Archivarinnen Irmgard Mainusch und Elisabeth Heinisch sowie zahlreichen Zeitzeugen gewesen. Hopfgarten ist stolz auf das Gesamtergebnis mit sechs Büchern, in denen Senioren aus ihrer Sicht über den Zweiten Weltkrieg und die Zeit danach berichten.

Christa Hopfgarten hat während ihrer 40 Jahre dauernden Tätigkeit nicht nur Angebote zusammengestellt, sondern auch selber zwei besucht: einen Bridge- und einen EDV-Kurs. Das Kartenspielen blieb ohne Wirkung, aber ohne Computer kann sie sich ihren Tag nicht mehr vorstellen. „Das habe ich der VHS zu verdanken, denn ohne sie hätte ich mich nie an so ein Ding getraut.“

Geldverdienen stand nicht im Vordergrund

Die in den Anfangsjahren gut 1.200 Programmhefte, die anfangs für ein ganzes Jahr reichten und erst Mitte der 1980-er Jahre zweimal erschienen, hat sie mit Ehemann Fritz ausgeteilt. Heute sind es lediglich noch 500 Exemplare, denn viele der kleinen Geschäfte hätten längst geschlossen, und die großen Supermärkte wollten sich damit nicht abgeben. „Nur bei Böse in Varrel und bei den Kreditinstituten gibt es noch Platz.“

Das Geldverdienen habe bei ihrer Tätigkeit nie im Vordergrund gestanden, denn das Ehrenamt wird nur mit einer knappen Aufwandsentschädigung honoriert. Der Spaß, Menschen zu begegnen und das eigene „Oberstübchen“ mit Futter zu versorgen, waren die größte Motivation in den vergangenen 36 Jahren, sagt Hopfgarten.

Langweilig wird es ihr auch ohne die VHS nicht werden. Neben den Terminen bei den Landfrauen, dem Sparclub und dem Varreler Förderverein wird bald ein neues Familienmitglied das Licht der Welt erblicken, und Christa und Fritz Hopfgarten zu Urgroßeltern machen.

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