UMFRAGE Ausnahme oder Regel?

Abmeldung vom Präsenzunterricht: Wie läuft es an Stuhrer Schulen?

Kinder mit Schutzmasken in einem Klassenzimmer.
+
Unterschiedlich stark sind die Schulen von der Abmeldung der Schüler durch die Eltern betroffen.

Seit Montag und somit drei Tage vor dem eigentlichen Ferienbeginn können Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen zu Hause bleiben, wenn ihre Eltern einen entsprechenden Antrag gestellt haben. Grund ist die coronabedingte Lage: Familienmitglieder und Angehörige, speziell aus Risikogruppen, sollen auf diese Weise beim Weihnachtsfest besser geschützt werden.

Wie viele Eltern haben ihre Kinder vom Präsenzunterricht befreit? Und was halten die Schulleiter von dieser Möglichkeit? Die Kreiszeitung hat sich bei den fünf Grund- und zwei weiterführenden Schulen umgehört.

Zwischen 250 und 260 Schülerinnen und Schüler nehmen nach Auskunft von Leiter Jürgen Böckmann seit Dienstag nicht am Präsenzunterricht der Lise-Meitner-Schule teil. Das sind fast ein Drittel der insgesamt 800 Kinder und Jugendlichen. Er sehe „eher eine Tendenz zu den älteren Jahrgängen“, sagt Böckmann. Dies hänge wohl mit fehlenden Betreuungsmöglichkeiten für die Kleineren zusammen.

Manchmal sei nur ein Schüler abgemeldet, manchmal eine ganze Klasse nicht da. „Natürlich hat das dann Auswirkungen auf den Unterricht.“ Böckmann hätte sich eine klarere Regelung erhofft. „Entweder bleiben alle Schüler zu Hause, oder der Unterricht läuft für alle bis zum Ende durch.“

„Hätte mir die Entscheidung früher gewünscht“

Auch an der KGS Brinkum fehlen in den jüngeren Jahrgängen weniger Schüler als in den älteren. Die Schule meldet ungefähr 20 Prozent Abmeldungen bei den Fünft- und Sechstklässlern, etwa 50 Prozent bei den Jahrgängen sieben bis zehn sowie knapp 95 Prozent in der Sekundarstufe II. Ansonsten könne er kein Muster entdecken, sagt Schulleiter Mirko Truscelli. In einigen Klassen fehlten ganz wenige Schüler, in anderen fast alle. „Das Ganze über alle Schulzweige hinweg“, stellt Truscelli fest. Zum Teil habe die Schule Lerngruppen zusammenlegen müssen.

Die Aufhebung der Präsenzpflicht sieht Truscelli zwiegespalten. „Epidemologisch ist es richtig, bei der sich ausbreitenden Variante auf diese Weise das Weihnachtsfest zu sichern. Doch ich hätte mir die Entscheidung früher gewünscht. Wir müssen als Schule immer ad hoc reagieren“, sagt Truscelli. Ein bis zwei Wochen mehr Vorlauf hätte die Organisation erleichtert. Dies habe er auch als Kritik aus den Reihen der Lehrerkollegen vernommen. „Einige haben die letzte Woche noch eingeplant, um eine Klassenarbeit zu schreiben. Sie kommen natürlich jetzt unter Druck, da sie nur bis Mitte Januar Zeit haben, die Zeugnisnoten festzulegen.“

62 Abmeldungen verzeichnet die Grundschule Heiligenrode laut Leiterin Marion Schumacher, das sind knapp ein Viertel der insgesamt 247 Mädchen und Jungen. Jede Klasse sei davon betroffen. Hinzu kämen diverse Krankheitsfälle, „aber nicht unbedingt Corona“, betont Schumacher.

„Waren mit den Klassenarbeiten schon durch“

Ihrer Auskunft nach hat sich die Schule auf die Regelung eingestellt. „Wir wussten das ja rechtzeitig und waren zum Beispiel mit den Klassenarbeiten schon in der vergangenen Woche durch.“ Nur zwei, drei Lerninhalte hätten nicht mehr stattgefunden. „Wir machen in der Zeit ein paar nette Sachen mit den Kindern. Sie sind in vielen Dingen in diesem Jahr zu kurz gekommen“, berichtet Schumacher. Dazu gehörten das gemeinsame Adventssingen und die Weihnachtsbäckerei mit den Eltern.

„Erst ganz schleppend, dann ganz üppig“ seien Kinder an der Grundschule Seckenhausen vom Unterricht abgemeldet worden, sagt Schulleiterin Andrea Rahn. Am Ende seien es 25 von insgesamt 220 Sprösslingen gewesen. „Zwei, drei Kinder pro Klasse, vielleicht auch mal fünf.“ Sie alle seien mit Unterrichtsmaterial versorgt worden. „Was wir an Themen im Präsenzunterricht durchnehmen, das machen die anderen zu Hause.“

Ansonsten beeinflusse die Regelung den Schulbetrieb nicht. „Wir hatten für die letzten drei Tage keine Klassenarbeiten vorgesehen, eher ein paar Feierlichkeiten und Aufräumarbeiten.“ Ohnehin fehlten immer einige Kinder krankheitsbedingt, akute Corona-Fälle gebe es aber nicht. „Wir hatten in der ganzen Zeit nur sieben Kinder mit Corona, und die alle innerhalb von zwei Wochen. Dann war es wieder ruhig. Wir leben hier in einer Blase.“

„Ein nettes Angebot für die Eltern“

Für die Grundschule Varrel meldet Leiterin Hella Hübner 30 vom Präsenzunterricht befreite Kinder. 150 Mädchen und Jungen hat die Schule insgesamt. „In jeder Klasse gibt es Kinder, die nicht kommen“, stellt Hella Hübner fest. Die Gefahr, dass sie Inhalte verpassen, besteht aber nicht. „Neuen Stoff führt man vor den Ferien eh nicht ein. Und die Kinder müssen sich das Unterrichtsmaterial am Abholtisch rausholen und nacharbeiten.“ Einige ihrer Kolleginnen, speziell aus den dritten und vierten Klassen, hätten noch einmal umplanen müssen, da für die letzte Woche Klassenarbeiten terminiert waren.

Hübner spricht von einem „netten Angebot“ für die Eltern. „Wir reagieren darauf. Doch wir begrüßen jeden Tag, an dem die Kinder in die Schule kommen. An drei Tagen passiert hier noch einiges. Bis zum letzten Moment kann gearbeitet, können Klassenarbeiten geschrieben werden“, stellt Hübner fest. Zudem habe Corona gezeigt, dass den Sprösslingen eine längere Zeit zu Hause nicht so guttut.

Als „verschwindend gering“ bezeichnet Schulleiter Ulrich Brinkmann den Anteil der Kinder, die an der Grundschule Moordeich vom Präsenzunterricht abgemeldet sind: 20 bis 25 von 290. „Der Betrieb läuft normal weiter. Die Situation hatten wir im letzten Jahr auch schon.“ Diesmal sei damit mehr Normalität verbunden.

Keine Zahlen hatte Brinkums kommissarische Grundschulleiterin Antje Evers-Strackerjan parat, „aber so viele sind es nicht. Das Höchste sind acht in einer Klasse“. Es sei gut gelöst, dass Eltern sich entscheiden konnten. Um die Familie, um Oma und Opa besser schützen zu können. Das Kollegium sei nicht von der Situation überrascht worden. „Da Wochen vor dem Erlass drüber diskutiert wurde, haben wir uns darauf eingestellt.“

Von Andreas Hapke

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Radfahrer in Barver: Angefahren. Liegen gelassen. Tot.

Radfahrer in Barver: Angefahren. Liegen gelassen. Tot.

Radfahrer in Barver: Angefahren. Liegen gelassen. Tot.
Claudia Meyer ist neue Kita-Leiterin

Claudia Meyer ist neue Kita-Leiterin

Claudia Meyer ist neue Kita-Leiterin
Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte
Urologie Diepholz: 9.000 Patienten und neuer „Zertrümmerer“

Urologie Diepholz: 9.000 Patienten und neuer „Zertrümmerer“

Urologie Diepholz: 9.000 Patienten und neuer „Zertrümmerer“

Kommentare