Neue Aldi-Filiale an der Stuhrer Landstraße soll in vier Monaten öffnen

Abenteuer Verkaufszelt

Eine Aldi-Mitarbeiterin sortiert Ware in ein Regal.
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Sie wollte schon immer mal in einem Verkaufszelt arbeiten: Sandra Ehlert beim Sortieren der Ware.

Eine Herausforderung meistern zurzeit die Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und die Kundschaft des Aldi-Marktes in Stuhr. Der Discounter hat die bisherige Filiale abreißen lassen und errichtet an derselben Stelle eine neue. Währenddessen läuft der Verkauf weiter – in einem Zelt auf dem Nachbargrundstück. Bis jetzt klappt alles reibungslos, versichert das Unternehmen.

  • Noch vier Monate lang verkauft Aldi seine Waren im Zelt.
  • Im Sommer soll das neue Gebäude fertig sein.
  • Einige Raffinessen warten auf Mitarbeiter und Kunden.

Stuhr – „Es ist wie ein Abenteuer, auf das man sich jeden Tag freut. Das macht riesig Spaß.“ So, wie viele über eine aufregende Freizeitbeschäftigung reden würden, spricht Sandra Ehlert über ihren Job. Sie ist Kassiererin bei Aldi in Stuhr und arbeitet zurzeit in dem Verkaufszelt, welches das Unternehmen übergangsweise auf einer Pferdeweide an der Stuhrer Landstraße aufgebaut hat.

Derweil laufen auf dem benachbarten Grundstück die Bauarbeiten für eine neue und modernere Filiale. Ziel ist, die Geschäftsstelle Ende Juni oder Anfang Juli wieder zu öffnen – je nachdem, welchen Baufortschritt die Witterung erlaubt.

Lang, lang ist’s her, dass Aldi in der Region eine Filiale umgebaut hat und für den Übergang mit den Waren in ein Zelt umgezogen ist. Das war im Jahr 2011 in Kirchweyhe der Fall. Sandra Ehlert erinnert sich noch ganz genau daran, wie sie ihren Einkaufswagen durch dieses ungewohnte Ambiente geschoben hat. „Ich hätte auch mal Lust darauf, in einer solchen Umgebung zu arbeiten“, habe sie sich damals gedacht. Zehn Jahre später geht dieser Traum – so muss man es wohl aufgrund ihrer Begeisterung nennen – in Erfüllung.

„Mit dem Zelt wollen wir der Stammkundschaft die Möglichkeit geben, ihren Einkauf weiter wie gewohnt zu tätigen“, sagt Longinus Flenker, Leiter Immobilien und Expansion bei Aldi. Möglich sei das mit der befristeten Baugenehmigung von der Gemeinde und dem verfügbaren Grundstück nebenan. Dies sei nicht überall gegeben. Beispiel Syker Straße in Delmenhorst: Dort war Aldi sechs Monate lang, zwischen Mai und November vergangenen Jahres, nicht präsent. Die Einschränkung war überschaubar, da die Kunden in eine 1,5 Kilometer entfernte Filiale ausweichen konnten. In Stuhr wären es allerdings zwischen drei und fünf Kilometer gewesen, Huchting (Roland-Center) und Kattenturm wären als Alternativen infrage gekommen. Vor allem die ältere Kundschaft sei dankbar für das Zelt, sagt Ehlert.

Den Umzug dorthin hat Filialleiter Torge Wacker als „Herausforderung“ empfunden. „Es ist ja der erste Zeltverkauf seit langer Zeit. Es gab nicht die Erfahrungswerte, auf die man hätte zählen können“, sagt er. „Doch wir hatten genug Manpower. Damit war es kein Problem.“ Es habe mehr Neugier als Bedenken gegeben, sagt Wacker. Einen Zeltverkauf könne man sich im Vorfeld schlecht vorstellen. „Doch wir haben inzwischen viel positives Feedback von den Kunden bekommen.“

Zum Beispiel von Stephanie K. aus Stuhr. Sie ist Mutter eines kleines Kindes und schätzt es nach eigener Auskunft sehr, dass sie wie vor dem Abriss „schnell mal in zwei Minuten zu Aldi“ kann. Dann müsse ihr Mann nicht so lange auf den Nachwuchs aufpassen, der sehr auf die Mama fixiert sei. Erhard Monsig aus Huchting findet das Zelt „schön. Meinetwegen kann das sogar stehen bleiben. Es wäre gut, wenn es in der neuen Filiale auch so aussieht.“ Aus Huchting kommen gleich mehrere Kunden an diesem Nachmittag – die einen auf der Durchreise, andere gezielt. Zu Letzteren zählen Jennifer Schiek und ihr Partner, die sich wegen einer unechten Pflanze aus dem Angebot auf den Weg nach Stuhr gemacht hatten. Die beiden haben fast nichts zu kritisieren. Ausnahme: Die Pflanze aus dem Angebot gibt es nicht mehr. Eine Kundin merkt an, dass der Einkauf „erst mal ungewohnt“ sei. „Alles steht woanders.“

Dem widerspricht Katharina Bremer, Leiterin Verkauf bei Aldi. Die Warengruppen hätten keinen „komplett anderen Standort“. Möglicherweise seien hier und da mal einzelne Artikel „im Verbund“ anders zusammengestellt. Im Verkaufszelt sei das ganze Sortiment erhältlich. Auch was die Verkaufsfläche angeht, müssen die Kunden keine Einschränkungen hinnehmen. Das Zelt hat mit 900 Quadratmetern sogar zehn Quadratmeter mehr zu bieten als das abgerissene Ladenlokal. Es wird mit Ölheizungen beheizt, die Nebenräume in den Containern mit Stromheizungen.

In der Region habe es nur noch wenige Filialen gegeben, die so ausgesehen hätten wie die Stuhrer, sagt Katharina Bremer. Ihr Kollege und Regionalverkaufsleiter Leo Brug führt das auf die „Umbauwelle“ bis 2014/15 zurück. Der Neubau bekommt eine Verkaufsfläche von 1 260 Quadratmetern, einen separaten Leergut- und Backwarenraum. Der Fokus des sogenannten Store Layouts liegt laut Unternehmen auf einer hellen und freundlichen Einkaufsatmosphäre mit einem verbesserten Angebot an frischem Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Backwaren. Außerdem wird es ein Kunden-WC geben, das war in dem abgerissenen Gebäude nicht der Fall. Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach versorgt das neue Geschäft mit Strom, die Abwärme der Kühlwandregale wird zum Heizen genutzt. Durch eine CO2-Integralanlage kommt der Markt ohne fossile Brennstoffe aus. Wie viel Aldi am Standort Stuhr investiert, möchte Bremer nicht verraten. „Wir geben keine Informationen über Finanzen raus“, sagt sie.

Was sie selbst als Kundin von einer Aldi-Filiale erwartet? „Wenn ich einen Markt betrete, habe ich einen anderen Blick auf die Dinge. Das kann ich gar nicht aus Sicht des Kunden“, sagt Bremer. Doch klar sei, dass Sauberkeit, Ordnung und Warenverfügbarkeit höchste Priorität hätten. „Der Kunde muss sich gut orientieren können und gut aufgehoben fühlen.“ Kassiererin Ehlert setzt auf „Freundlichkeit, Verfügbarkeit und eine gute Aufteilung der Lebensmittel.“ In vier Monaten können sich die Kunden selbst davon überzeugen. Dann soll der Umzug, der Anfang Januar eine Woche in Anspruch nahm, in drei bis vier Tagen über die Bühne gehen.

Von Andreas Hapke

Filialleiter Torge Wacker kassiert bei Kundin Jennifer Schiek. Sie ist mit ihrem Partner eigens aus Huchting angereist.
Parkplatz im Bienenwabenmuster: Die Kunststoffpressplatten sind aus recyceltem PET hergestellt.

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