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Abendmusik soll neue Tradition in Heiligenroder Kirche begründen

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Von: Andreas Hapke

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Pastorin Tabea Rösler und Bariton Alexander Schuhmann zeigen das Plakat der Abendmusik.
Vorfreude auf die Abendmusik: Pastorin Tabea Rösler und Bariton Alexander Schuhmann. © Andreas Hapke

Zu einem Konzert mit Liedern des Lautenspielers John Dowland lädt die Kirchengemeinde Heiligenrode für Samstag ein. Die Veranstaltung soll eine neue Tradition der Abendmusik begründen.

Heiligenrode – Dass sich Schulen ein musikalisches Profil verordnen, ist so selten nicht. Aber Kirchen? In Heiligenrode können sie ein Lied davon singen. Dort hat sich Pastorin Tabea Rösler auf die Fahnen geschrieben, die Klosterkirche als Haus der Musik zu etablieren. „Wir haben schon viele Musikgruppen zu Gast gehabt. Das hat Tradition bei uns“, sagt sie. Nächstes Beispiel: eine Abendmusik am kommenden Samstag um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

Gemeinsam mit befreundeten Sängern und Instrumentalisten wird Bariton Alexander Schuhmann Lieder des Lautenvirtuosen John Dowland präsentieren. Er war ein Zeitgenosse des Dramatikers William Shakespeare, das Programm in der Klosterkirche geht also auf das 16. Jahrhundert zurück. „Du gibst dich Dowlands Melodien hin, von ihres Wohlklangs Zauber eingehüllet“, schrieb Shakespeare in seinem Zyklus „Der verliebte Pilger“ über den Lautenisten, fahrenden Musiker, Dichter, Gelehrten und Komponisten. Jahrhunderte später war Rockmusiker Sting derart begeistert von den Liedern Dowlands, dass er selbst einige aufnahm und eigens dafür das Lautespiel lernte.

Konzertabend mit Moderation

Dowlands „First Book of Songs and Ayres“ hat sich laut Mitteilung „wie geschnitten Brot“ verkauft und wurde innerhalb von 20 Jahren vier Mal aufgelegt. Damit habe er quasi über Nacht die Gattung des Lautenliedes begründet und sei integraler Bestandteil seiner kurzen, aber intensiven Blütezeit in England gewesen. Doch der Traum Dowlands, von Elisabeth an den königlichen Hof beordert zu werden, erfüllte sich laut Schuhmann nicht. „Und das, obwohl er in seinen Liedern unverhohlen dafür warb.“

Die Idee zu dieser moderierten Abendmusik sei in seinem Studium entstanden, sagt Schuhmann. „Dort haben wir vermittelnde Konzerte gemacht. Das ist ein Konzept, Leuten Musik nahezubringen, die sie nicht kennen.“ Der Titel „Abendmusik“ knüpfe an die alte Lübecker Tradition von eintrittsfreien, öffentlichen Konzerten in der Marienkirche an. „Mit der Hoffnung, im Heiligenroder Marienkloster eine ähnliche Reihe zum Leben zu erwecken, in der Musik aller Art gepflegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.“

Ärgerlich nur, dass Lautenspieler Tobias Tietze für das Konzert am Samstag kurzfristig ausfällt. „Er befindet sich in Quarantäne“, begründet Schuhmann. Er habe erfolglos bei zwölf weiteren Lautenisten nachgefragt und dann Claas Harders verpflichtet, der die Viola da gamba spielt. „Das ist ein würdiger Ersatz“, findet Schuhmann. Schließlich habe Dowland auch Stücke für dieses Instrument geschrieben.

Auftritte der Nachwuchs-Chöre

Schuhmann ist kein Unbekannter in Heiligenrode: Seit einem halben Jahr leitet er die Gruppe „Kids mit Pfiff“ für Kinder von 9 bis 13 Jahren. Sie ist als Teil einer Nachwuchs-Musikszene in Heiligenrode gedacht. Pastorin Tabea Rösler kümmert sich in zwei Gruppen um die kleineren „Kids mit Pfiff“ von zwei bis acht Jahre, und seit neuestem Schumann auch um die Generation 14 plus.

Unter dem Motto „Wir rocken den Frühling“ geben die Kleinsten am Sonntag, 22. Mai, um 16 Uhr ein Benefiz-Konzert für die Ukraine-Hilfe der Diakonie.

Zu einer Jugend-Musiknacht lädt die Kirche für Samstag, 2. Juli, ein. Neben den jüngeren „Kids mit Pfiff“ (17 Uhr) treten bei dieser „Nacht im Kloster“ auch die Jugendchöre mit einer von Schuhmann zusammengestellten Studentenband (19 Uhr) sowie der Posaunenchor von Iris Rose mit den Jungbläsern (21 Uhr) auf. Es gibt Pommes, Bratwurst, Eis, heiße Waffeln und Getränke. So Corona es zulässt, wird danach auf dem Kirchengelände gezeltet.

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