Aufdruck „28816 Stuhr“

Hält auch in 4000 Metern Tiefe: 20 Jahre alte Quarkpackung aus dem Meer geborgen

Nach 20 Jahren im Meer noch gut erhalten: die Quarkverpackung mit der Aufschrift „28816 Stuhr“ (Ecke unten rechts).  
Foto: Matthias Haeckel/GEOMAR/dpa
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Nach 20 Jahren im Meer noch gut erhalten: die Quarkverpackung mit der Aufschrift „28816 Stuhr“ (Ecke unten rechts).
  • Katharina Schmidt
    vonKatharina Schmidt
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Kiel / Stuhr – Wissenschaftler haben mit einem Roboter eine rund 20 Jahre alte Quarkpackung der Marke „Molki“ und eine ähnlich alte Mülltüte aus der Tiefsee gefischt. Beide waren trotz der Jahrzehnte im Wasser noch wie neu. Daher lässt sich auch noch gut erkennen, dass auf dem blau-weißen Deckel der Quarkpackung „28816 Stuhr“ geschrieben steht.

Das Stück des Deckels, auf dem der Name der Molkerei steht, fehlt. Es lässt sich aber annehmen, dass die Packung von der Bremerland-Nordheide Molkerei stammt. Diese hatte ihren Sitz an der Delmenhorster Straße in Seckenhausen (dort, wo heute das Etelser Käsewerk zu finden ist). Die Bremerland-Nordheide Molkerei fusionierte 1999 mit drei weiteren niedersächsischen Molkerein zu Nordmilch. Der Nordmilch-Standort in Seckenhausen wurde rund fünf Jahre später geschlossen. Aus Nordmilch und der Humana Milchunion ist 2011 die Deutsche Milchkontor GmbH entstanden.

Kein Abbau der Bestandteile der Quarkverpackung

Genug Geschichte, zurück zu den Meeresfunden: Es habe sich gezeigt, „dass weder die Tüte noch die Quarkpackung Zeichen von Fragmentierung oder sogar Abbau in ihre Bestandteile aufwiesen“, sagt der Biochemiker Stefan Krause vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Der Fund, über den ein Team um Krause im Fachjournal „Scientific Reports“ berichtet, biete erstmals einen fundierten Anhaltspunkt über das Schicksal von Plastik auf dem Tiefseeboden.

Bislang gibt es zum Abbau von Plastikmüll auf dem Meeresgrund in mehr als 4000 Metern Tiefe kaum Langzeitdaten, weil gefundene Kunststoffe selten konkret datiert werden können. Im aktuellen Fall kam den Forschern der Zufall zu Hilfe: In der Mülltüte steckte eine Coca-Cola-Dose – eine Sonderedition zum Davis-Cup 1988. Und die fünfstellige Postleitzahl von Stuhr auf der Quarkpackung gibt es erst seit dem Jahr 1993.

Fundort liegt 800 Kilometer vor der Küste Perus

Die Quarkpackung hatten wahrscheinlich deutsche Forscher zwischen 1993 und 1996 hinterlassen, als sie in dem Gebiet etwa 800 Kilometer vor der Küste Perus zu den Auswirkungen eines potenziellen Abbaus von Manganknollen forschten.

Verpackungsmüll belastet die Umwelt. Dessen ist sich die Deutsche Milchkontor GmbH (DMK) laut Toni Perkovic, External Communications Manager des Unternehmens, bewusst. „Es entspricht unserem Anspruch, als Unternehmen auch hier verantwortungsvoll zu handeln“, schreibt Perkovic auf Nachfrage der Kreiszeitung. „Seit 2013 bringen wir über die Nachhaltigkeitsstrategie DMK 2020 viele wichtige Themen der Nachhaltigkeit systematisch voran.“

Ziel: Weniger Kunststoffe für DMK-Verpackungen

Das größte Projekt des Unternehmens trage den Namen Ocean. Es bündelt alle Bemühungen der DMK Group in Bezug auf den Einsatz von Kunststoffen. Abteilungsübergreifend würden neue Verpackungskonzepte und alternative Werkstoffe erforscht, so Perkovic. „Die Ziele sind klar definiert: Der Einsatz von Kunststoffen soll langfristig verringert werden und das eingesetzte Plastik recycelbar sein. Mehrweg-Lösungen sollen Einwegverpackungen ablösen und nachwachsende Rohstoffe als Ersatz für herkömmliche Kunststoffe eingesetzt werden.“ Bei Milch der Marke Bremerland verwendet DMK zum Beispiel Verpackungen, die zu 35 Prozent aus natürlicher Kreide bestehen.

Perkovic führt an, dass sich prinzipiell in den vergangenen 30 Jahren in Bezug auf das Thema Recycling und Verpackungsmöglichkeiten viel getan habe. „Wir haben gerade in Deutschland ein stärkeres Bewusstsein für die Kreisläufe von Verpackungen entwickelt und arbeiten kontinuierlich daran, die Auswirkungen auf die Umwelt zu senken.“ Er verweist darauf, dass seit 2005 in Deutschland mehr als 60 Prozent der Siedlungsabfälle recycelt würden. Siedlungsabfälle decken eine breite Palette unterschiedlicher Abfallarten ab, etwa Hausmüll, getrennt gesammelte Papier-, Glas-, Biomüll-Abfälle, Elektroaltgeräte oder auch Kunststoffverpackungen – wie die jüngst gefundene Quarkpackung.  ks / dpa

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