Angebot im Gewerbegebiet Brinkum-Mitte

18 000 Immunisierungen seit Mai: Stuhrer Hausärzte impfen jetzt in einem eigenen Zentrum

Frau und Mann schauen aus dem Fenster eines Impfzentrums.
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Sie waren gestern dabei, das Impfzentrum Brinkum am Betsbruchdamm 29 einzurichten: die medizinische Fachangestellte Sonja Heindl und Hausarzt Jens Niemann.

Die Hausarztpraxis Brinkum hat ihr Impfangebot ausgelagert und eröffnet heute um 12 Uhr ein separates Zentrum am Betsbruchdamm 29. Zu sehr hatte die Immunisierungskampagne den medizinischen Betrieb beeinträchtigt. Termine für einen Pieks mit Moderna sind nur online möglich.

Stuhr – „Durch tausende Impfanfragen sind unsere Leitungen überlastet. Telefonisch vergeben wir keine Impftermine mehr. Wenn Sie hier Patient sind und dringend etwas benötigen, bleiben Sie in der Leitung. Wir tun, was wir können.“ – Die Ansage auf dem Anrufbeantworter der Hausarztpraxis Brinkum ist unmissverständlich: Der Ansturm von impfwilligen Patienten hat den medizinischen Betrieb dermaßen behindert, dass die Ärzte die Notbremse gezogen haben.

Inzwischen impft das Team um Jens Niemann und Ose Kleemann gar nicht mehr an der Bassumer Straße 20. Es hat – so wie der Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen – diese Leistung in ein separates Impfzentrum ausgelagert. Ab heute können sich die Bürgerinnen und Bürger aus Stuhr und Umgebung ihren Pieks in nicht mehr benötigten Räumen der Firma Rösler Software-Technik Entwicklungs- und Vertriebs GmbH am Betsbruchdamm 29 in Brinkum abholen.

Von 12 bis 20 Uhr wird dort wochentags das Vakzin Moderna verimpft, samstags und sonntags ist das von 10 bis 18 Uhr der Fall. Dafür ist eine Online-Anmeldung auf der Homepage hausarztpraxis-brinkum.de oder direkt auf impfzentrum-brinkum.de notwendig.

„Zum Glück haben unsere Angestellten das bislang mitgemacht“

Hunderte von Impfungen haben die Hausärzte täglich in ihren Räumen verabreicht, auch an den Wochenenden. Andere Leistungen blieben dabei oft auf der Strecke. Niemann nennt Gesundheitsvorsorge, Hautkrebsscreening und weniger dringliche Impfungen als Beispiele. Die Versorgung akuter und chronisch kranker Menschen sowie der Heimpatienten habe darunter aber nicht gelitten. PCR-Tests sind noch im Angebot, für Bürgertests verweist die Praxis an Lueßens Station an der Harpstedter Straße 83.

„Zum Glück haben unsere Angestellten das bislang mitgemacht“, sagt der Mediziner. Seiner Auskunft nach waren es seit Mai insgesamt 18 000 Impfungen, der Rekord lag bei 522 am vergangenen Samstag.

Dieses Banner macht auf das Angebot im Gewerbegebiet Brinkum-Mitte aufmerksam.

Zu diesem Zeitpunkt stand allerdings schon fest, dass es ab heute im Gewerbegebiet Brinkum-Mitte weitergehen wird. Freitagmorgen habe er einen Bekannten nach einer möglichen Immobilie für das Zentrum gefragt, berichtet Niemann, noch am selben Abend sei der Mietvertrag unterschrieben gewesen. Der Kontrakt läuft bis Ende Januar, besitzt aber eine Option für einen weiteren Monat. „Weiter kann kein Mensch planen. Irgendwann sind alle mal geboostert.“

Unter Hochdruck war die Praxis gestern Nachmittag damit beschäftigt, sich auf den 150 Quadratmetern Bürofläche einzurichten. „Wir werden nicht fertig bis morgen und fangen erst einmal mit einem improvisierten Betrieb an“, kündigt Niemann an. Dazu zählt auch die vorübergehende Verwendung von mobilen Lesegeräten. Die EDV erwarte er erst für Freitag. Frühestens am Samstag könnten die Besucher dann ihre ausgedruckten Impfzertifikate mitnehmen.

Impfen auch durch die Autoscheibe?

Derweil war Handwerker Boris Markowski gestern nicht nur mit der Verlegung von Leitungen sowie der Anbringung des Impfbanners und der Desinfektionsspender beschäftigt, sondern wollte auch noch einen Weihnachtsbaum sturmfest machen. „Die Leute sollen sich schließlich wohlfühlen.“

Das Team impft parallel in vier Räumen. Dazu sind immer ein Arzt sowie medizinische Fachangestellte, Rettungsassistenten und Krankenschwestern oder -pfleger im Einsatz- „Alle, die impfen dürfen“, sagt Niemann. Gearbeitet wird im Zwei-Schichten-System à vier Mitarbeiter. „Nach vier Stunden impfen ist man platt“, begründet Niemann, der heute selbst die erste Schicht übernimmt. Studenten unterstützen bei Verwaltungsaufgaben und beim Ordnungsdienst.

Das Buchungssystem stellt Termine im Abstand von vier Minuten bereit. Bei 15 Terminen pro Stunde wären also täglich fast 500 Impfungen möglich. Für Rollstuhlfahrer und aus anderen Gründen nicht mobile Personen würden die Mitarbeiter auch ins Erdgeschoss kommen. Niemann denkt sogar über das Impfen durch die Fensterscheibe des Autos nach.

An einen vergleichbaren Stress kann sich der Mediziner kaum erinnern, zumindest muss er dafür weit zurückblicken in seiner Vita: „Vor 28 Jahren“, sagt er, „habe ich mal als junger Arzt im englischen Liverpool 56 Stunden am Stück gearbeitet.“

Von Andreas Hapke

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