Anwohner klagen über GAR

„Es stinkt, es ist laut, und überall liegt Müll“

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Herumfliegender Plastikmüll auf dem Gelände der GAR. Diese Aufnahme machten Anwohner.

Kätingen - Von Frauke Albrecht. „Ich bin geschockt über solche Zustände. Soetwas hätte ich eher in meiner Heimat erwartet, aber nicht in Deutschland.“

Angelina Kinne wohnt mit ihrem Mann seit ein paar Jahren in Fahrenhorst. Die gebürtige Russin geht oft im angrenzenden Wald spazieren und ist empört, wie es dort normalerweise aussieht. Auch ihre Nachbarn sagen: „Es stinkt, es ist laut, und überall liegt Müll herum.“ Die Anlieger machen die GAR (Gesellschaft für Abfall und Recycling) dafür verantwortlich.

Seit Jahren ärgern sich die Bewohner aus Fahrenhorst, Kätingen und Stühren über die Zustände der Firma, klagen über Geruchsbelästigungen, Müllreste im Wald und Lärmbelästigung (wir berichteten). Im vergangenen Jahr waren die Zustände derart schlimm, dass sich eine Bürgerinitiative gebildet hat.

„Mittlerweile sind wir ein Verein – und haben 80 Mitglieder“, berichtet der Vorsitzende Jürgen Frinker. Name: Bürgerinitiative für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde, Fahrenhorst. Für Sonntag hatte der Vorstand, zu dem auch Uwe Hartmann, Friedrich-W. Bösche und Jutta Eiben-Bösche gehören, zu einer öffentlichen Begehung rund um das Betriebsgelände eingeladen.

„Wir wollen mit dieser Aktion die Zustände öffentlich machen“, so Frinker. Eingeladen waren nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern Vertreter des Landkreises, der Naturschutzbehörde sowie der Stadt Bassum und der Gemeinde Stuhr. „Leider haben die Offiziellen alle abgesagt“, bedauerte Frinker, als er die 50 Gäste an der Kirchseelter Straße begrüßte. „Aber wir sind im Dialog mit den offiziellen Stellen und haben auch Kontakte zur Politik aufgenommen.“

Die handgemalten Plakate mit der Aufschrift „Hier Landschaftsschmutzgebiet“ stimmten zumindest am Sonntag nicht. Zwar roch es ein wenig streng, aber die Spaziergänger fanden weder Müll noch hörten sie Lärm. Doch dafür hatte Frinker eine einfache Erklärung: „Wir haben den Termin im Vorfeld öffentlich gemacht und konnten beobachten, wie die GAR in den vergangenen Tagen aufgeräumt hat.“ „Sonst sieht es hier so aus“, sagte Jutta Eiben-Bösche und verteilte mehrere großformatige Fotos, auf denen haufenweise herumliegender Plastikmüll zu sehen ist.

Auch die vielen anderen Teilnehmer der Begehung berichteten von Plastikresten in Bäumen, da der Müll draußen gelagert wird, von riesigen Vogelschwärmen, hauptsächlich Krähen und Möwen, die über dem Gelände kreisen, und von Lärm – auch sonntags und in der Nacht.

Lange mussten die Spaziergänger nicht auf den Krach warten. Gegen Ende der Begehung, um 16.30 Uhr, fanden sich die ersten Arbeiter auf dem GAR-Betriebsgelände ein. „Die glauben, dass wir fertig sind“, so Frinker. Er nennt es „versuchte Täuschung“. Aber er freut sich darüber. „Das zeigt, dass der öffentliche Druck etwas bewirkt.“ Auch die Aufräumaktion wertet er als „Erfolg“.

„Wir wollen keinen Streit mit der GAR, sondern suchen den Dialog“, sagen auch Uwe Hartmann und Rainer Fallar. Sie gehören zu den Anwohnern, die Klage beim Verwaltungsgericht in Hannover eingereicht haben – aber nicht gegen die GAR, sondern gegen das Gewerbeaufsichtsamt. Angestrebt wird eine Mediation. Einen Termin gibt es aber noch nicht. „Unserer Meinung nach vernachlässigt die Behörde ihre Aufsichtspflicht“, so die Kläger. Bemängelt wurde, dass die Größe und Auswirkungen der Anlage im Genehmigungsverfahren nicht entsprechend berücksichtigt wurden. Auch Auflagen wie zum Beispiel Abdecknetze, Filteranlagen und anderes mehr werden angemahnt.

Im Rahmen der Begehung wurden auch die Themen Sandabbau und Ansiedlung GSAgri angesprochen. Frinker versprach: „Weitere Aktionen werden folgen.“

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