Stiftung Naturerbe schafft Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen/Bürger verschenken Grundstücke

Eisvogel und Weißstorch kehren zurück

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Die Urloge in Kirchdorf bietet seltenen Tier- und Pflanzenarten neuen Lebensraum: Im Bereich der Großen Aue hat die Stiftung die Flächen wieder so gestaltet, wie sie über Jahrhunderte waren.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Einen stattlichen Bauernhof darf die Stiftung Naturerbe im Landkreis ihr eigen nennen: So groß sind die Flächen, die dem Naturschutzbund Nabu über diese Stiftung zur Verfügung stehen – insgesamt 125 Hektar, davon 75 Hektar als eigener Besitz. „Das sind alles kleine Handtücher“, sagt Ulf Walek, der neue Vorsitzende der Stiftung, der gern zusammenhängende Flächen hätte.

Keimzelle der Stiftung war eine Streuobstwiese in Bassum-Eschenhausen, die im Jahr 2000 als Ersatzfläche nach dem Bau der Umgehungsstraße angelegt worden war. „Wir wollten die Pflege übernehmen“, blickt Ulf Walek zurück. Die Stadt Bassum sowie der als Verein organisierte Naturschutzbund Syke und Umland besiegelten ihre Partnerschaft, brachten beide 40000 D-Mark in das Projekt ein – was direkt zur Stiftungsgründung führte. Denn: „Die Stiftung darf Geld haben, während die Vereine nur in bescheidenem Rahmen Geld erwirtschaften dürfen“, sagt Ulf Walek.

Dem 78-jährigen Syker ist das Engagement für die Natur ein Herzensanliegen. Denn Massentierhaltung, Arten- und Waldsterben kann er nicht akzeptieren: „Davor kann man nicht die Augen verschließen“, sagt er – und will bewusst gegensteuern.

Die Streuobstwiese in Eschenhausen ist mit ihren rund 170 Obstbäumen alter Sorten eine der größten dieser Art im Landkreis. Das etwa sieben Hektar große Areal prägen außerdem zahlreiche Hecken, mehrere Teiche und flache Kleingewässer. „Goldammer, Baumpieper, Dorngrasmücke und Neuntöter brüten inzwischen regelmäßig hier – und auch Rehe, Feldhasen und Igel sind ständige Bewohner geworden“, freuen sich die Naturfreunde.

Naturflächen am Klosterbach bei Bassum, ein Quellwald in Neubruchhausen sowie Moorflächen in Heiligenrode und Lindern bei Sulingen stehen ebenso unter dem Schutz der Stiftung. Will heißen: Sie bleiben sich selbst überlassen, können sich unberührt weiter entwickeln.

16 Hektar groß ist die so genannte Urloge in Barenburg – der Ort, den die Große Aue durchfließt. Auentypische Lebensräume für viele längst verschwundene Tiere und Pflanzen stellte die Stiftung wieder her, indem sie Ackerflächen in Wald und Überschwemmungsgebiete in Grünland umwandelte. Jetzt freuen sich die Naturschützer über erste Erfolge: „Libellen und Amphibien haben das Biotop erobert und auch der Eisvogel findet hier seine Nahrung.“

In Nordsulingen hat die Stiftung ihre Flächen als Lebensraum für den Weißstorch umgestaltet: „Die Arbeit wurde durch erste Bruterfolge belohnt.“

Nicht nur Land besitzt die Stiftung Naturerbe, sondern auch drei Wasserbüffel, fünf Rinder und fünf Schafe. Ihre Büffel weiden in der Leester Marsch. Durch großflächige extensive Beweidung soll dort ein wertvoller Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten entstehen.

49 Grundstücke hat die Stiftung in ihrem Besitz. 21 weitere hat sie gepachtet. Aus den Zinsen ihres Eigentums finanzieren die Naturfreunde die Pflegemaßnahmen.

Umgekehrt sind einige der insgesamt 70 Grundstücke wiederum an Landwirte verpachtet, die sich zu einer extensiven, also möglichst naturnahen Bewirtschaftung verpflichtet haben. Auch mit Schäfern arbeitet der Naturschutzbund eng zusammen. Träger der Stiftung sind übrigens die Nabu-Gruppen Stuhr, Weyhe, Syke, Sulingen und Dümmer. Ihre Mitglieder freuen sich immer wieder über Zuwendungen von Bürgern. Die spenden nicht nur Geld oder Flächen, sondern vererben manchmal auch Besitz. Zurzeit sind die Stiftungsvertreter mit einer Frau in Bassum-Hollwedel im Gespräch, die der Stiftung ein Waldstück von einem Hektar Größe schenken möchte.

Gerade für alte Menschen, die ihre Flächen selbst nicht mehr pflegen können, sei die Übertragung an die Stiftung Naturerbe eine gute Möglichkeit, sagt Ulf Walek. Seltenen Tieren und Pflanzen neue Lebensräume zu bieten, das ist das Ziel der Stiftung: „Viele Tierfamilien wie Lurche, Insekten, Kleinsäuger und auch selten gewordene Pflanzenarten benötigen dringend unseren Schutz.“

www.naturerbe-diepholz.de

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