Buch des Landesamtes für Denkmalpflege bestätigt Harald Focke

„Stiftsmühle hatte von Anfang an eine Turbine“

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Harald Focke vor der Wassermühle in Bassum. ·

Bassum - Harald Focke hat‘s gewusst, doch ist er viel zu gut erzogen, um es laut zu sagen. Insgeheim aber freut er sich sehr darüber, dass nun eine lange währende Kontroverse entschieden ist: Die Bassumer Stiftswassermühle von 1881 hatte immer eine moderne Turbine und nie ein Wasserrad.

Das hat nun das Landesamt für Denkmalpflege in einem Buch bestätigt. Der Lehrer, Historiker und Autor Focke hat diesen Fakt bereits 1997 in seinem Bassumer Mühlenbuch nachgewiesen. Doch blieb seine Aussage umstritten. Es gab Zweifler, einer davon war der in Bassum nicht unbekannte Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker.

„In unserem Buch ,Mit Wasser und Wind‘ haben wir erstmals belegt, dass die Stiftsmühle von Anfang an mit der damals revolutionären Turbinentechnik ausgestattet war“, sagt Harald Focke. Wer das nachlesen möchte: Das Buch ist immer noch im Handel erhältlich.

Den damaligen Befund bestätigt Helmut Behrens: „Noch nie ist ein Foto mit einem Rad an der Stiftsmühle aufgetaucht.“ Behrens muss es wissen: Er kennt alle Postkarten und wohl auch alle anderen historischen Bilder von Bassum. Von ihm und dem inzwischen verstorbenen Fotografen Walter Brackland stammen zahlreiche Fotos im Band „Mit Wasser und Wind“ von 1997.

Prof. Hucker von der Universität Vechta vertrat in seinem Buch über das Stift eine andere Meinung: „Der Klosterbach trieb das Mühlrad bis 1926“, ist da zu lesen. „Doch auf der Inventarliste im Stiftsarchiv tauchte nach 1881 nie eines auf“, sagt Focke.

Nun bekommt der Bassumer Unterstützung. Prof. Rüdiger Wormuth räumt in dem neuen Buch des Landesamtes für Denkmalpflege über die Mühlen in den Landkreisen Diepholz und Nienburg Zweifel an den bisherigen Aussagen der Bassumer Mühlenforscher aus.

Nachdem Ende der 1870er-Jahre die alte Stiftsmühle marode war, ließ Äbtissin von Issendorf den Fachwerkbau durch ein massives Backsteingebäude ersetzen. Wormuth fand nach umfangreichen Recherchen heraus, dass die Hildesheimer Mühlenbaufirma Gebrüder Propfe 1881 zunächst alternativ eine Anlage mit herkömmlichem Wasserrad und eine mit Francis-Turbine angeboten hatte. Beide Konzepte hat Wormuth nach Unterlagen aus dem Stiftsarchiv neu gezeichnet und erstmals veröffentlicht. Focke hat es gelesen: „Zusätzlich standen damals Turbinen von Firmen aus Osnabrück und Gotha zur Wahl. Mühlenpächter Ernst Wüsteney drängte auf den leistungsfähigsten Antrieb; die Francis-Turbine wurde eingebaut. Ein Oberwasser-Zulauf setzte sie in Gang, das Wasser lief also von oben hinein und unten wieder heraus. In der neuen Mühle war die Turbine mit 1 700 Mark das teuerste Einzelteil.“

Am 1. November 1881 begann der Mahlbetrieb. Es war theoretisch möglich, in 24 Stunden 2,5 Tonnen Mehl oder sechs Tonnen Schrot zu mahlen. Dank mehrerer Petroleum-Lampen an den Holzbalken konnte der Müller bei guter Auftragslage und viel Wasser im Klosterbach auch abends und nachts arbeiten.

Erst 1926 musste die Turbine nach 45 Dienstjahren ausgetauscht werden. Die neue lieferten Atorf und Propfe aus Paderborn. Installiert wurde sie in einem am Unterwasser angebauten Turbinenhaus. Das Schild der Herstellerfirma ist bis heute erhalten. 1962 verließ der letzte Müller die Stiftswassermühle.

Um ein neues Wehr und die dafür erforderliche Fischgleite zu errichten, erhielt die Stadt Bassum 1998 das längst eingezogene Staurecht zurück. Damit war es möglich, die stillgelegte Turbine aufzuarbeiten und wieder zu nutzen. Seit 2001 kann sie Strom aus Wasserkraft liefern. · eb

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