Zehntes Stuhrer Wirtschaftsforum mit Referat zum Thema Multichannel

Das stationäre Geschäftmit dem Internet verzahnen

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Angeregte Unterhaltung: (v.l.) Referent Henning Adler mit Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier und Bürgermeister Niels Thomsen. ·

Stuhr - Von Andreas HapkeKeine Innovation, kaum Werbung, ein hohes Preisniveau, kleine Flächen und eine geringe Auswahl: So habe sich der Einzelhandel Ende der 70er-Jahre präsentiert, sagt Henning Adler. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Media Markts in Groß Mackenstedt und war am Donnerstag Referent des zehnten Stuhrer Wirtschaftsforums. Unter anderem das Phänomen Multichannel zeigt, dass in den vergangenen Jahrzehnten viel passiert ist. Über den „Königsweg Multichannel am Beispiel Media Markt – Wie das Onlinegeschäft für den stationären Handel zum Erfolgsrezept werden kann“ sprach Adler vor rund 140 Unternehmern im Ratssaal.

Keine Frage: Der Handel ist im ständigen Wandel, das Einkaufsverhalten laut Adler „in der galoppierenden Veränderung“. Multichannel ist eine Reaktion darauf. Damit meint Adler die Verzahnung des stationären Geschäfts mit dem Internet, die enge Einbindung des Markts vor Ort in den Online- und Mobile-Shop. Diese Strategie fahre Media Markt in allen Ländern.

Der Kunde schätze die Bequemlichkeit und die zeitliche Flexibilität, die ihm das Internet biete, verzichte aber nicht auf die persönliche Beratung im Markt. „Er möchte alle Kanäle auf Wunsch kombinieren, sich das Beste aus beiden Welten aussuchen“, sagt Adler und nennt ein Paradebeispiel für Multichannel: „50 Prozent der Menschen, die online bestellen, holen die Ware bei uns im Markt ab. Sie nutzen den Besuch für weitere Beratung oder kaufen zusätzlich etwas ein.“ Der Kunde könne das Produkt auch im Markt erwerben und gegebenenfalls die Reparatur oder den Umtausch online abwickeln.

Laut Josef Sanktjohansen, Präsident des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), gehört dem Multichannel die Zukunft. Die von Adler vorgelegten Zahlen gehen in dieselbe Richtung. Der Anteil von Multichannel am gesamten Geschäft werde um 78 Prozent steigen – von 9,5 Prozent im Jahr 2009 auf fast 17 Prozent im Jahr 2015. Im selben Zeitraum würden die reinen Online-Bestellungen um 48 Prozent auf über zehn Prozent zulegen (Quelle: Untersuchung von Accenture und des Marktforschungsunternehmens GfK). Die stärkste Zunahme des Multichannel-Umsatzes sei in der Elektronik zu erwarten. „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann müssen wir bereit sein, alles zu verändern“, fasste Adler die Notwendigkeit zum Handeln zusammen. Oder: „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.“

Der stationäre Händler müsse prüfen, ob es für ihn Sinn mache, auf erweiterte Vertriebswege zu setzen, er dürfe keine Angst vor dem Thema „Online“ haben. Ebenso wenig dürfe er die Beziehungen zu den Kunden vor Ort vernachlässigen. Kundenansprache und Bedarfsanalyse im Geschäft seien nach wie vor wichtig. „Das sind zwar Standards“, sagte Adler. „Aber auch im Fußball fallen die meisten Tore durch Standards.“

Als Dankeschön überreichte Bürgermeister Niels Thomsen dem Referenten einen Stuhrer Präsentkorb – so gekauft, wie man ihn bereits 1968 hätte erwerben können: „Wir haben angerufen, ihn zusammenstellen lassen und dann abgeholt“, sagte Thomsen.

Eingangs hatte der Bürgermeister das Hohelied auf die Stuhrer Firmen gesungen und dies mit Zahlen belegt: 366 und damit fast ein Drittel der rund 1 000 örtlichen Betriebe würden Gewerbesteuer zahlen. „Ein entscheidender Hinweis darauf, dass hier erfolgreich gewirtschaftet wird.“ 35 Betriebe würden über 100 000 Euro zahlen, 32 Betriebe zwischen 50 000 und 100 000 Euro, der Rest bis zu 50 000 Euro. Die Stuhrer Wirtschaft sei nicht von einer Branche abhängig, sondern breit aufgestellt. „Darauf ein Applaus von uns allen für uns alle.“ Thomsen freute sich auch darüber, dass die Referenten der drei vergangenen Foren der Einladung gefolgt waren. 2014 wolle er auch Adler wieder begrüßen. Der schien gar nicht so abgeneigt.

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