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Ukraine-Flüchtlinge in Syke: Stadt ist intensiv auf Bettensuche

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Von: Michael Walter

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Auch wenn Hilde Hemmer vom Ordnungsamt der Stadt hier nur für die Kamera persönlich zum Pinsel greift: Sie koordiniert gerade die Arbeit an mehreren Wohnungen, die in Syke kurzfristig für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine hergerichtet werden.
Auch wenn Hilde Hemmer vom Ordnungsamt der Stadt hier nur für die Kamera persönlich zum Pinsel greift: Sie koordiniert gerade die Arbeit an mehreren Wohnungen, die in Syke kurzfristig für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine hergerichtet werden. © Michael Walter

Syke – Putins Krieg in der Ukraine wirft seinen Schatten bis nach Syke. Die vielen Kriegsflüchtlinge stellen für die Stadt eine echte Herausforderung dar. Mit Hochdruck arbeitet die Verwaltung daran, schnell genügend Unterkünfte herzurichten. Doch sowas geht nicht im Handumdrehen. Und die Flüchtlinge stehen mitunter sehr plötzlich vor der Rathaustür.

Sozialamtsleiterin Heike Wilhelm, Ordnungsamtsleiterin Freya Söchtig und Bürgermeisterin Suse Laue schildern in einem gemeinsamen Pressegespräch die aktuelle Situation.

76 Flüchtlinge sind jetzt schon im Stadtgebiet untergebracht. Die Verwaltung weiß von etwa 20 weiteren, die bereits auf dem Weg sind. Und dazu kommen noch die, die der Stadt vom Landkreis offiziell zugewiesen werden. Anzahl: bisher unbekannt. Darüber hinaus kommen immer wieder weitere Flüchtlinge auf privaten Wegen in die Stadt. Teils aus eigener Initiative, weil sie Verwandte in Syke und umzu haben, teils werden sie einfach an der polnisch-ukrainischen Grenze mitgenommen. Auf dem Rückweg von Menschen, die in Privatinitiative Hilfsgüter dorthin bringen und den vielen Flüchtlingen dort einfach etwas Gutes tun möchten.

Stadt rechnet mit weiteren Menschen, die Unterstützung suchen

Längst nicht alle davon landen vor dem Rathaus. Deshalb geht die Verwaltung auch davon aus, dass bereits weit mehr Flüchtlinge aus der Ukraine in der Stadt sind als die 76, die ihr aktuell bekannt sind. Sie geht aber auch davon aus: Viele davon werden sich noch melden. Spätestens wenn sie Unterstützung brauchen oder sich ihre erste provisorische Unterbringung im privaten Rahmen als auf Dauer nicht tragbar erweist. Und weil sie außerdem ja auch noch ein offizielles Flüchtlingskontingent zugewiesen bekommt, ist die Stadt derzeit sehr intensiv auf Bettenssuche.

Aktuell richtet sie Wessels Hotel als Unterbringungsmöglichkeit für bis zu 30 Personen her. Das Hotel stand aber lange leer. Folglich ist dort noch sehr viel zu tun. Angefangen bei der Grundreinigung über den Check der kompletten Hauselektrik bis hin zur Prüfung aller Leitungen, in denen das Wasser jahrelang gestanden hat. „Wir hoffen, dass wir Ende dieser Woche damit fertig werden“, sagt Freya Söchtig, bezeichnet diese Zielsetzung aber selbst als „sportlich“.

Die enorme Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung kommt der Verwaltung da zupass. „Wir sind sehr dankbar, dass viele Menschen Privatunterkünfte zur Verfügung stellen“, betont Suse Laue. Und Heike Wilhelm zählt auf, was der Stadt so alles angeboten wird: „Ferienwohnungen, Gästezimmer in privaten Wohnungen, manche räumen einzelne Zimmer frei und stellen sie zur Verfügung.“

Das hilft alles kurzfristig. Und die meisten Flüchtlinge wollen ja auch nur kurzfristig bleiben. Realistisch ist das derzeit aber eher nicht. Die Stadt muss also auch auf längere Sicht Wohnraum schaffen.

Langfristiger Wohnraum gesucht

Kein einfaches Unterfangen auf einem Wohnungsmarkt, der seit geraumer Zeit als leergefegt gilt. Aber auch da gibt es Bewegung. Heike Wilhelm: „Leute, die erst nicht vermieten wollten, melden sich jetzt und wollen doch. Es gibt Leerstände nach Haushaltsauflösungen und Todesfällen, die uns angeboten werden. Sowas nehmen wir auch dankbar an.“ Weniger dankbar reagiert die Stadt auf stark überteuerte Angebote minderwertigen Wohnraums. „Auch das hatten wir schon“, sagt Suse Laue.

Derzeit laufen gerade Renovierungsarbeiten in mehreren stadteigenen oder von der Stadt angemieteten Wohnungen. Hilde Hemmer vom Ordnungsamt koordiniert die Abläufe. Und hat deshalb gerade mächtig Stress. „Im Moment komme ich zu nichts anderem.“ Klar ist nur: Bis diese Wohnungen alle fertig sind, wird es noch ein bisschen dauern.

Für die Stadt ist wichtig, den Überblick zu behalten. Bürgermeisterin Suse Laue: „Wir sind darauf angewiesen, dass sich alle Flüchtlinge auch im Rathaus melden. Einfach damit wir wissen, wieviele wir überhaupt unterbringen müssen.“ Freya Söchtig: „Was uns vor Probleme stellt, ist, wenn Menschen Flüchtlinge an der Grenze abholen und sie uns quasi vor die Tür stellen. Wir hatten Freitag einen Fall, da hatten wir gerade mal zwei Stunden Vorlauf, um eine Unterkunft zu organisieren.“ Auch das nennt sie „sportlich“.

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