Spur führt zum Gartower Rudel/In einem Jahr insgesamt 30 Risse

Genetisch belegt: Wölfin hat „Verwandte“ vor Ort

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Das erste Foto vom Wolf in Barnstorf gelang Patrick Kölpin am 10. April 2014.

Diepholz/Vechta - Er fasziniert, polarisiert und lässt Schafbesitzer nicht mehr ruhig schlafen: Der Wolf ist zu einem Politikum geworden, seitdem in den Landkreisen Diepholz und Vechta immer wieder Nutztierrisse gemeldet worden sind „35 Fälle mit 71 Tieren sind bekannt geworden“, bilanziert das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) für das vergangene Jahr.

Die vom NLWKN vorgelegte Aufstellung zeigt, dass der ortstreuen Wölfin (sie lebt im Bereich Goldenstedt/Barnstorf) elf Fälle zugeordnet werden konnten, die insgesamt 31 Tiere gerissen hat. 94 Prozent der Fälle ereigneten sich nach den NLWKN-Recherchen auf ungeschützten Weiden – und zwei Fälle an Orten mit Grundschutz, sprich mit einem Zaun. Wirksam war nach den Erkenntnissen des Wolfsbüros im NLWKN der Grundschutz, wenn er durch Herdenschutzhunde oder Esel ergänzt wurde: „Dort sind keine Risse erfolgt“.

Die DNA-Untersuchungen im Falle eines toten Kalbes in Südlohne (Landkreis Vechta) ergaben, dass ein Hund das Tier gerissen hatte. Die DNA-Probe für den Schafsriss vom 26. Oktober in Goldenstedt (wir berichteten) hat den Verdacht auf die Wölfin bestätigt.

Unter dem Strich waren von den 35 Fällen 30 einem Wolf zuzuordnen, der demnach 68 der insgesamt 71 zu beklagenden Tiere gerissen hatte. 33 Fälle (58 Tiere) hatten sich auf ungeschützten Weiden ereignet, zwei (13 Tiere) auf Weiden mit Grundschutz. Die Aufstellung mache deutlich, so der NLWKN, dass sich der Grundschutz bewähre. Allerdings gäbe es noch zu viele ungeschützte Weiden.

Auch wenn in elf Fällen die Wölfin eindeutig entlarvt ist: In den 19 anderen gesicherten Wolfsriss-Fällen war eine genetische Zuordnung zu einem bestimmten Tier nicht möglich. Aber: In 16 von diesen 19 Fällen wiesen Fachleute den sogenannten Haplotyp HW02 nach. Er ist typisch für Nachkommen des Wolfsrudels in Gartow, aus dem auch die Barnstorfer Wölfin stammt. Das lässt den Schluss zu, dass sie „Verwandte“ vor Ort hat.

Der NLWKN betont in seiner Mitteilung ausdrücklich, dass der wolfsabweisende Herdenschutz weiter verstärkt werden soll: „Mit dem betroffenen Schäfer wurde inzwischen verabredet, dass er als weitere Schutzmaßnahme kurzfristig Herdenschutzhunde einsetzen wird, deren Anschaffung vom Land Niedersachsen gefördert wird.“

Außerdem soll die Wölfin, die den 1,40 Meter hohen Schutzzaun überwand, mit einem Sender ausgestattet werden. Das hatte Umweltminister Stefan Wenzel schon in der vergangenen Woche angeordnet. „Wenn das betreffende Tier dann wiederholt einen als hinreichend erachteten Schutz überwindet, kann man es mit Hilfe des Senders relativ schnell finden, um weitere Schritte einzuleiten“, hatte der Minister im Landtag erklärt. Die Ausstattung mit einem Sender gelte als Vorstufe für denkbare weitere Maßnahmen. „Wie auch in anderen Bundesländern müssen jetzt zunächst alle Möglichkeiten zur Verbesserung des Herdenschutzes eingesetzt werden, ehe die Entnahme des unter strengem Artenschutz stehenden Wolfs als letzte Möglichkeit in Frage kommt“, so der NLWKN. Hierzu gehöre auch, dass alle Nutztierhalter in der Region einen wolfsabweisenden Grundschutz für ihre Tiere einrichten.

„In den Landkreisen Vechta und Diepholz sind die Nutztiere meistens noch unzureichend geschützt. So hat die ortstreue Wölfin gelernt, dass Nutztiere eine leicht verfügbare Beute sind“, erläutert Nicola Georgy vom Wolfsbüro. Die Halter von Nutztieren werden intensiv von den Fachleuten aus dem Wolfsbüro beraten. Präventionsmaßnahmen werden finanziell gefördert. Kosten für Nutztierverluste werden in Form einer Billigkeitsleistung ersetzt.

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