Solaranlagen-Besitzer Gerd Rohlfs ist sauer über neue Grundgebühr/Eon: „Wir halten uns an die Vorgaben“

Ein Kilowatt Strom – zu zahlen: 53 Euro

Syke - Die Sonne schickt keine Rechnung, weiß jeder Besitzer einer Solaranlage. Der Stromversorger Eon ist da kleinlicher: Für den Jahresverbrauch von nur einem Kilowatt, verursacht durch den Bereitschaftsbetrieb des Wechselrichters, verschickte Eon jetzt eine Rechnung über 52,74 Euro für neun Monate – seit Beginn einer neuen Regelung.

Gerd Rohlfs aus dem Syker Ortsteil Sörhausen ist sauer: Den Verbrauch selbst will er gerne bezahlen. Das wären rund 27 Cent. „Aber wenn Eon auch eine Grundgebühr von künftig jährlich knapp 70 Euro berechnet, ist das doch völlig unverhältnismäßig!“ Das könne der Gesetzgeber so doch wohl nicht gewollt haben. Rohlfs steht mit seinem Ärger nicht allein: Im Landkreis Diepholz gibt es rund 8.800 Solaranlagen.

Der Solarmstromzähler dokumentiert Bezug und Lieferung.

Wer eine Solaranlage betreibt, hat einen Einspeisezähler, der neben dem auf dem Dach produzierten Strom mit einem zweiten Zählwerk den Verbrauch erfasst, wenn bei Dunkelheit der Wechselrichter in den Bereitschaftsdienst schaltet. Während Rohlfs in den vergangenen 14 Jahren rund 46.800 Kilowatt eingespeist hat, stehen auf der Verbrauchsseite gerade mal 36 Kilowatt. Dass der Zähler beim Einbau schon 17 kW anzeigte, kann er heute nicht mehr beweisen, aber der Verbrauch sei im Grunde belanglos. Das sah auch der Energieversorger Avacon (zwischenzeitlich Eon-Avacon) in der Vergangenheit so und verzichtete auf eine Abrechnung. In einem Avacon-Schreiben vom März 2014 hieß es aber plötzlich, man müsse ab April 2014 die Berechnungsmodalitäten umstellen. Mit dem Energiewirtschaftsgesetz schreibe der Gesetzgeber einen „diskriminierungsfreien Netzzugang“ vor. Eine Nichtberechnung des Strombezugs stelle eine Ungleichbehandlung beziehungsweise Benachteiligung gegenüber anderen Kunden mit ähnlichem Verbrauchsverhalten dar und sei somit nicht zulässig.

 und Lieferung.

In der Folge führte Rohlfs etliche Telefonate. Bei der Avacon war Rohlfs nicht richtig, denn die ist jetzt Netzbetreiber, nicht aber Stromlieferant. Das geht auch aus dem Schreiben vom März 2014 hervor: „Für Ihre Messeinrichtung fallen ... Entgelte für den Messstellenbetrieb, die Messung und die Abrechnung an. Diese stellen wir ... Ihrem Grundversorger beziehungsweise Stromhändler in Rechnung, der diese üblicherweise an Sie als seinen Kunden weiterverrechnet.“ Grundversorger und Lieferant für Rohlfs ist Eon. Dort sagte man ihm, man könne auf eine Berechnung nicht verzichten, denn Avacon würde Eon ja eine Rechnung schreiben. Das bestätigte Verena Huber, Pressesprecherin der Eon, gegenüber dieser Zeitung. Deshalb bleibe es bei der Grundgebühr: „Für uns sind die Zähler alle gleich.“

Rohlfs wandte sich an die Avacon. Antwort: Man sei vom Gesetzgeber gezwungen, so zu handeln, und man solle doch mit Eon reden. „Letztlich sagte eine Eon-Mitarbeiterin am Telefon, der Vorgang sei ,auf Null‘ gesetzt. Es gebe also erstmal keine Rechnung“, berichtet Rohlfs über das Gespräch: „Die Anweisung der Bundesnetzagentur zur Gleichbehandlung aller Strombezieher sei umstritten und bedürfe noch weiterer Klärung. Man könne sich aber den geltenden Vorschriften nicht widersetzen.“ Mitte Januar – wenige Tage nach Abrechnung seines erzeugten Stromes durch Avacon, bekam Rohlfs nun doch von Eon eine Rechnung für den Verbrauch eines Kilowatts.

„Dabei hat die von der Bundesregierung initiierte Clearingstelle EEG, eine neutrale Einrichtung zur Klärung konkreter Streitigkeiten und abstrakter Anwendungsfragen im Bereich des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, schon vor längerer Zeit bei geringfügigem Bezugsstromverbrauch eine pauschale Abrechnung empfohlen“, sagt der Sörhauser. Und fügt hinzu: „Wenn ich künftig jedes Jahr rund 70 Euro für diesen Wechselrichter-Verbrauch zahlen soll, dauert es noch länger, bis ich die Ausgaben für meine Solaranlage wieder erwirtschaftet habe.“ Im Jahr 2001 zählte er quasi zu den Pionieren und zahlte für seine 4,2-kW-Anlage stolze 56000 D-Mark. Heute kostet eine ähnlich große Anlage nicht mal ein Viertel. Zwar bekomme er mit 50,6 Cent je Kilowatt „eine aus heutiger Sicht astronomisch hohe Vergütung“, sagt er, „aber bis zur Amortisierung vergehen dennoch insgesamt fast 20 Jahre. Schließlich müssen die Einnahmen versteuert werden, eine Versicherung will Geld sehen – und die Eon jetzt eben auch noch“. Für Rohlfs war es bisher klar, dass er seinen Haushaltsstrom vom gleichen Anbieter bezieht, der ihm auch seinen Solarstrom abnimmt. Aber jetzt überlegt er ernsthaft, den Lieferanten zu wechseln. Zumindest im ersten Jahr könnte er durch Wechselprämie und Bonus mehrere hundert Euro sparen. „Für die Energieversorger hingegen geht es in der Summe um viel mehr. Bei 1,2 Millionen Solaranlagen in Deutschland – laut Wikipedia, Stand 2012 – kann man sich das leicht ausrechnen“, gibt Rohlfs zu bedenken.

Pressesprecherin Huber betont, dass sich sowohl ihr Unternehmen als auch die Avacon nur an die Vorgaben der Bundesnetzagentur halten würden.

vd

Rubriklistenbild: © dpa

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