Zimmermeisterin Annika Perlmann erzählt Borsteler Landfrauen von ihrer Reise

Auf der Walz in 16 Ländern

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Zimmermeisterin Annika Perlmann war auf drei Kontinenten unterwegs.

Campen - „Auf Wanderschaft zu gehen ist, wie auf einen fahrenden Zug aufzuspringen“, sagt Annika Perlmann: „Die Kunst ist, die richtige Haltestelle zum Aussteigen zu finden.“ Die Zimmermeisterin aus dem Lauenburgischen war vier Jahre und einen Tag „auf der Walz“. Als Referentin des Frauenfrühstücks vermittelt sie am Samstagmorgen in der „Schenkwirtschaft Bückmann“ in Campen 60 Borsteler Landfrauen einen interessanten Einblick in die 800-jährige Tradition der Wanderschaft, die sie persönlich nach dem Abschluss ihrer Lehre in 16 Länder auf drei Kontinenten führte.

Annika Perlmann, ein 1,61 Meter großes „Energiebündel“, plaudert frei heraus und ungeniert über ihre persönliche Motivation, über die Liebe zu ihrem Beruf, zu Kaninchen und Zierfischen, zu Hahn Hacki und der Hühnerschar, Kater „Krätze“ und Freund Arne. Und über den Sinn und Zweck der Gesellenwanderung, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts Voraussetzung für die Zulassung zur Meisterprüfung war.

Das Leben auf der Wanderschaft sei ein völlig anderes, als das „normale“, erklärte die 32-Jährige Annika Perlmann: „Jeglicher Besitz ist tabu, das Zuhause ist die Straße, das bis zu zehn Kilo schwere Jackett das Wohnzimmer.“ Wandergesellen müssen unter 30, ledig, schuldenfrei, kinderlos und vorstrafenfrei sein. Innerhalb der mindestens dreijährigen Wanderzeit dürfen sie sich ihrem Heimatort nur bis auf 50 Kilometer nähern, sie reisen laut Ehrenkodex nur zu Fuß oder per Anhalter. Anfang des vergangenen Jahrhunderts lag die Zahl der Wandergesellen im vierstelligen Bereich, 2014 absolvierten nur noch 300 bis 350 Gesellen ihre „Mutjahre“, unter ihnen zehn Prozent Frauen.

Dass Handwerker heute nach dem Abschluss der Lehre direkt die Meisterschule besuchen können, sieht Annika Perlmann kritisch. Überhaupt sei es um den Nachwuchs schlecht bestellt: „Die Bewerberqualität nimmt ab. Viele haben 1000 Volt in den Armen, aber die Glühbirne leuchtet nicht!“ Die Wanderschaft sei eine einerseits berufliche Weiterbildung, andererseits aber auch eine Lebensschule.

Launig erzählt sie von der eigenen Sprache der Wandergesellen, von „genagelten“ Ohrring-Löchern und vom Vertrauen auf den Selbstreinigungseffekt der Kluft. Sie ist mit Perlmuttknöpfen geschmückt, deren Zahl für die täglichen Arbeitsstunden, Wochentage und Wanderjahre steht. Wichtige Bestandteile der „Uniform“ sind Staude (kragenloses, weißes Hemd), Wanderstock (Stenz), Wanderbündel (Charly) und ein schwarzer Hut mit Krempe.

Annika Perlmanns „Fernweh“ hat sich mittlerweile gelegt. „Am schönsten war es in Irland“, sagt sie rückblickend. Aber auch Schwaben habe ihr sehr gut gefallen: „Augsburg zum Beispiel. Das wäre doch ein Ziel für den nächsten Landfrauen-Ausflug.“

mks

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