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Übernachten in sechs Meter Höhe im zweiten Bockhoper Baumhaus

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Von: Harald Bartels

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Blick auf zwei Baumhäuser.
Neben dem fertigen Baumhaus (links) entsteht der neue Solitär. © Bartels

Bockhop – Die Zeit drängt für Hans Maassen: Bis zum 31. Dezember will er das Baumhaus vollendet haben, an dem er gerade arbeitet, um es noch für 2022 als Beitrag zum internationalen Baumhaus-Wettbewerb einreichen zu können.

Gemeinsam mit Ehefrau Silvia betreibt der 57-Jährige die Baumhaus-Herberge in Bockhop, und mit dem ersten Baumhaus, das seit einem Jahr in der Vermietung ist, belegte das Paar im vergangenen Jahr den ersten Platz. „Wir sind super stolz darauf“, bekennt er, „und es hat mich tierisch gefreut, dass unser erstes Haus gleich einen Preis bekommen hat.“

Seit die Familie im Oktober 2017 den Hof bezog, sei die Idee gewesen, auf dem weitläufigen Gelände vier unterschiedliche Baumhäuser zu errichten. Nach dem ersten, zwischen zwei Eichen installierten Haus entsteht nun der sogenannte Solitär: Ein an einem einzigen Stamm montiertes Gebäude mit achteckigem Grundriss und einer Fassade aus Lärchenholzschindeln. „Das ist der Klassiker.“

Die Treppe ist bereits vorhanden, aber noch führt der Weg auf die Plattform über eine Leiter.
Die Treppe ist bereits vorhanden, aber noch führt der Weg auf die Plattform über eine Leiter. © Bartels

Die Plattform in sechs Meter Höhe hat einen Durchmesser von sieben Metern. Auf einer Grundfläche von 32 Quadratmetern sollen hier ein abgetrenntes Bad sowie ein offener Wohn- und Schlafbereich mit Teeküche untergebracht werden.

Die Besonderheit der Konstruktion ist der Unterbau, wie Maassen erklärt: Normalerweise seien für solch ein Bauwerk zwölf Schrauben nötig zur Verankerung im Baum. Dank der ungewöhnlichen Gestaltung des Unterbaus aus vier ineinander verschränkten Spannwerken genügen hier aber acht Schrauben. Bei ihnen handelt es sich um Spezialanfertigungen aus der Region: Die jeweils 6,5 Kilogramm schweren Schrauben werden in einem Stück aus Stahl gedreht und können bis zu vier Tonnen Gewicht tragen; für das ganze Baumhaus ist jedoch nur ein Gesamtgewicht von 5,5 Tonnen vorgesehen.

Ein Mann hält einen Spezialbolzen.
Einen der Spezialbolzen, die das Baumhaus im Stamm verankern, zeigt Hans Maassen. © Bartels

Die ersten der Schrauben seien im Oktober 2021 gesetzt worden. Anschließend gebe er dem Baum gerne einige Monate Zeit, um die Wunde wieder zu verschließen, sagt Maassen. Die Zwischenzeit habe er genutzt, um einen Zirkuswagen als weitere Übernachtungsmöglichkeit unter dem Titel „Circus Hasima“ herzurichten. Inzwischen sind die Spannwerke montiert, die Plattform ist errichtet und vier der acht Außenwände sind aufgestellt. In sie werden noch die Löcher für die doppelverglasten Rundbogenfenster geschnitten, bevor der Dachaufbau folgt. „Spätestens in drei Wochen wollen wir Richtfest feiern“, kündigt der Bauherr an. Ebenfalls bereits errichtet ist die Treppe als Zugang; sie führt durch den Dachstuhl eines Gartenschuppens.

Für das erste Baumhaus seien etwa 3 500 Arbeitsstunden aufgewendet worden, blickt Maassen zurück, aber für das laufende Projekt würden es deutlich mehr werden, alleine wegen des aufwendigen Unterbaus. Erneut verzichte man auf schwere Baumaschinen zur Unterstützung, um den Boden nicht unnötig zu verdichten, sondern nutze stattdessen Spanngurte und Seile, um die Bauteile millimetergenau an ihren Platz zu bringen.

Mehrere Projekte zeitgleich in Arbeit

Langeweile kennt Maassen nicht, er arbeitet parallel an mehreren Vorhaben. Bereits gesetzt sind die ersten Schrauben für das dritte Baumhaus, das von einer Eichen-Dreiergruppe getragen werden soll, und in etwa zwei Jahren soll das letzte und größte Baumhaus zwischen vier Bäumen seinen Platz finden. Daneben soll auch das Außengelände erweitert werden: Unter anderem sind ein Bachlauf zum Teich und eine Kota, eine finnische Grillhütte, in Planung.

Die Übernachtungsmöglichkeit werde bisher schon sehr gut angenommen, sagt Hans Maassen. Er habe verhalten geplant, und man liege über dem Plan mit der Auslastung. In der Regel blieben die Gäste für eine Übernachtung, aber „wir hatten auch schon eine Dame, die hier ihren 86. Geburtstag gefeiert hat und vier Nächte blieb.“ Auf das Angebot habe es schon viele positive Reaktionen geben, die sich auch in teils sehr ausführlichen Google-Rezensionen ausdrückten: „Das freut uns sehr.“

Wie groß die Nachfrage nach Übernachtungen im Baumhaus ist, habe das Paar jedoch überrascht. Allerdings gebe es tatsächliche Baumhäuser wie die Baumhaus-Herberge in Bockhop nur fünfmal in Deutschland – alles andere seien Stelzenhäuser auf einem Betonfundament.

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