Burkhard Westphal zieht Konsequenzen

Vertrauensverhältnis ist gestört: Mellinghausens Pastor nimmt seinen Hut

Pastor Burkhard Westphal.
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Pastor Burkhard Westphal verlässt die evangelisch-lutherische Kirchen- und Kapellengemeinde Mellinghausen-Siedenburg.

Stress zwischen Pastor und Kirchenvorstand: Burkhard Westphal verlässt die Kirchen- und Kapellengemeinde Mellinghausen-Siedenburg.

  • Westphal ist seit 2017 Pastor in Mellinghausen
  • Positionskämpfe im Kirchenvorstand
  • Superintendent wollte vermitteln

Mellinghausen / Siedenburg - „Das Vertrauensverhältnis zwischen mir und dem Kirchenvorstand ist nachhaltig gestört“, offenbart Burkhard Westphal. Seit 2017 ist er Pastor der Kirchen- und Kapellengemeinde Mellinghausen-Siedenburg. Nach reiflicher Überlegung zieht er jetzt seine Konsequenzen: Der 62-Jährige bemüht sich um eine Versetzung.

Die Situation habe sich in den letzten beiden Jahren zugespitzt, sagt Westphal. Ursprung seien Differenzen mit einem Kirchenvorsteher gewesen. Dieser lehne ihn als Pastor und Seelsorger ab. Er habe sich Äußerungen anhören müssen wie „Dein Rumpredigen bringt hier gar nichts“, „Du als Pastor lebst nicht, was du predigst“ oder „Dir halte ich schon lange nicht mehr den Rücken in der Gemeinde frei“. Hinzu kämen dessen wiederholte „lautstarke und unangenehme bildliche Wortäußerungen in der Öffentlichkeit bis unter die Gürtellinie“.

Superintendent moderiert Konfliktgespräch

Ein von Superintendent Marten Lensch moderiertes Konfliktgespräch zwischen Pastor und Kirchenvorstand (19. Januar 2021) führte zu keiner Schlichtung, Westphal stellte zwei Tage später einen Versetzungsantrag. In einem zweiten Gespräch am 9. Februar fühlte sich Westphal vorgeführt: „Ich stand vor einem Kirchenvorstands-Tribunal.“ Offensichtlich habe man hier Täter und Opfer verwechselt. Ein Gespräch im Landeskirchenamt am 24. Februar habe ihn in seinem Entschluss bestätigt, Mellinghausen den Rücken zu kehren.

Westphal: „Die Personaldezernentin teilte mir mit, dass der gesamte Kirchenvorstand mit mir unzufrieden bzw. nicht ganz glücklich ist.“ Dafür, dass sich der Kirchenvorstand hinter den Verursacher des Problems stelle, habe er kein Verständnis.

Positionskämpfe mit dem Kirchenvorstand

Abgesehen von den Positionskämpfen mit dem Kirchenvorstand hätten er als Pastor und seine Frau Astrid als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Gottesdienst und im Gemeindeleben viele herzliche Begegnungen gehabt, sagt Westphal. Die für Juni geplante Konfirmation werde er auf jeden Fall durchführen: „Die Konfirmandinnen und Konfirmanden und ich sind durch eine intensive und Corona bedingt besondere Zeit gegangen, die ich auf eine festliche Weise abschließen möchte.“

Man habe sich einen anderen Ausgang gewünscht, hieß es lapidar aus den Reihen des Kirchenvorstands. Über den eingeschlagenen Kurs bestehe Einigkeit, man werde sich aber an keiner öffentlichen Diskussion über die Hintergründe beteiligen.

Gemeinde muss sich auf längere Vakanz einstellen

Marten Lensch, Superintendent des ev.-luth. Kirchenkreises Grafschaft Diepholz, bestätigt, dass Pastor Westphal die Kirchengemeinde Mellinghausen-Siedenburg verlassen wird - voraussichtlich im Sommer. In den seltenen Fällen, dass Kirchenvorstand und Pastor derart unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Gestaltung der Gemeindearbeit und der Zusammenarbeit feststellen, suche und finde die Landeskirche kurzfristig Lösungen.

Er bedauere die Situation zutiefst, sagt Lensch. „Ich schätze Pastor Westphal als durchdachten Theologen und Seelsorger, der das Gemeindeleben mit innovativen Ideen bereichert hat, und ich danke ihm darüber hinaus für sein Engagement auf Kirchenkreisebene.“ Auch der Kirchenvorstand, der Gemeinde gestalten wolle, tue ihm leid. Lensch: „Wenn Menschen zusammenkommen, kann es zu Konflikten kommen: Es ist eine romantische Vorstellung, dass alle gemeinsam am Evangelium arbeiten.“

Landeskirche setzt auf Sparkurs

Die Gemeinde wird sich laut Superintendent Lensch auf eine Vakanz einstellen müssen. Der Finanz- und Stellenplanausschuss werde sein Konzept frühestens in einem halben Jahr vorlegen, und erst dann seien Ausschreibungen möglich. Angesichts des von der Landeskirche vorgegebenen Sparkurses müsse man damit rechnen, dass einige Pfarrstellen im Kirchenkreis nicht wieder besetzt werden können. Marten Lensch: „Das heißt aber nicht, dass es Mellinghausen trifft. Ich bin zuversichtlich, dass wir für die Kirchengemeinde eine gute Lösung finden.“

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