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Streit um Blumenschmuck an Urnengräbern in Staffhorst

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Von: Martina Kurth-Schumacher

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Eine „hängende Vase“ hat Helga Werner konstruiert.
Eine „hängende Vase“ hat Helga Werner konstruiert. © Kurth-Schumacher

Staffhorst – Helga Werner bringt jeden Tag einen Blumenstrauß an die Urnengrabstelle ihres im September vergangenen Jahres verstorbenen Mannes: „Ich liebe Blumen, das muss einfach sein.“ Das Bild, das sie – ebenfalls täglich – ertragen muss: Die Schnittpflanzen wurden entfernt.

Nach den Buchstaben des Gesetzes zu urteilen, hat alles seine Richtigkeit: Laut Friedhofsordnung der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Staffhorst dürfen auf dem Baumschatten-Urnen-Gräberfeld keine Kränze, Gestecke, Blumengebinde oder Blumenschalen gelegt oder gestellt werden, eine Ausnahmeregelung gilt für die Zeit zwischen Totensonntag und Ende Februar.

Helga Werner und ihr Ehemann Horst hatten sich ihren letzten Ruheplatz gemeinsam ausgesucht. Jeweils vier Grabstellen sind an den Vierkant-Stelen ausgewiesen, an drei von ihnen sind mittlerweile insgesamt acht besetzt. „Die Anlage gibt es seit 2017“, sagt Helga Werner. In den ersten vier Jahren sei Blumenschmuck geduldet gewesen: „Das sah richtig schön aus!“ Dann habe man, ohne Abstimmung mit den betroffenen Hinterbliebenen, in einer „Nacht- und Nebelaktion“ alles abgeräumt.

Mit dem dringlichen Wunsch nach einer praktikablen Lösung, die sowohl das Anliegen des Kirchenvorstandes hinsichtlich der pflegeleichten Gestaltung als auch den Wunsch der Angehörigen nach Beibehaltung des Blumenschmucks berücksichtigt, stellte Helga Werner im Namen der betroffenen Familien einen Antrag auf Umgestaltung. Sie bat darum, die Stelen mit maßgeschneiderten Platten einzufassen. Bei einer Beisetzung könnten diese problemlos aufgenommen werden, die Pflege der Rasenfläche würde sich zudem vereinfachen. Sie erklärte sich außerdem bereit, die Kosten für die Maßnahme an allen sieben Stelen zu übernehmen. Die ablehnende Antwort kam vom Kirchenamt in Wunstorf.

Auch der Widerspruch und die Bitte, die Entscheidung „im christlichen Sinne“ noch einmal zu überdenken, ergab kein anderes Ergebnis. Die Baumschattengräber seien als leicht zu pflegende Gemeinschaftsanlage geplant und angelegt, eine individuelle Grabgestaltung ausgeschlossen und eine nachträgliche Änderung nicht im Sinne des Kirchenvorstandes.

Helga Werner bescheinigt dem Kirchenvorstand „Sturheit, Borniertheit und Machtbesessenheit“: In anderen Gemeinden sei es sehr wohl möglich, Friedhofsordnungen zu ändern oder in persönlichen Gesprächen einvernehmliche Lösungen zu finden. Ihr bliebe jetzt nur die Möglichkeit der Klage beim Verwaltungsgericht Hannover, aber das halte sie nervlich nicht durch.

Die Entscheidung des Kirchenvorstandes sei einstimmig gefallen, heißt es aus dessen Mitte: Dass in den ersten Jahren Blumenschmuck erlaubt war, sei „reine Gutmütigkeit“ gewesen, da der gemeinsame Gedenkstein für das Gräberfeld noch nicht vorhanden war. Eine Änderung der Friedhofsordnung würde Probleme und Konflikte nach sich ziehen, da man einen Präzedenzfall schaffen würde, auf den sich andere etwa bei der Gestaltung von Rasenwahlgrabstätten berufen könnten.

Auch Peer Ponocny vom Kirchenamt Wunstorf, das dem Kirchenvorstand „Verwaltungshilfe“ leistete, um „Rechtssicherheit“ zu schaffen, sieht das so. Man könne nicht auf Wunsch von Einzelpersonen eine Friedhofsordnung ändern, sagt der Sachgebietsleiter für Friedhöfe, normalerweise erkundige man sich im Vorfeld nach den Nutzungsbestimmungen. Vergleichbare Vorkommnisse aus anderen Gemeinden seien ihm nicht bekannt: „Staffhorst ist schon ein Spezialfall.“

Helga Werner hat inzwischen eine „hängende Vase“ für die Stele konstruiert. Hier platziert sie ihre Sträuße („Stellen und legen ist verboten, anhängen nicht!“), die sie in der Regel am nächsten Tag am Sammelplatz ungeliebter Objekte wiederfindet. Der Kirchenvorstand dazu: „Da hat nichts zu hängen! Die Stelen gehören der Kirchengemeinde, die Familien haben nur ein Nutzungsrecht erworben.“

An den Vierkant-Stelen sind jeweils vier Grabstellen ausgewiesen.
An den Vierkant-Stelen sind jeweils vier Grabstellen ausgewiesen. © Kurth-Schumacher

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