Zukunft der Schützenvereine fraglich

Spinnennetze statt Schießbetrieb beim Schützenverein Maasen

Henry Meier (links) und Marvin Meyer im Schießstand des Schützenvereins Maasen.
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Sorgen um die Zukunft ihres Vereins und das Dorfleben machen sich Präsident Henry Meier (links) und sein Stellvertreter Marvin Meyer.

Maasen – Als das Licht im Schießstand des Schützenvereins Maasen aufflammt, verharrt an der Wand eine dunkle Winkelspinne in der Bewegung. Spinnennetze finden sich in den Ecken, und auf dem Boden liegen die Überreste weiterer Spinnen. Was klingt wie ein Zeichen der Verwahrlosung, ist schlicht ein Ausdruck des Pragmatismus: Wenn ohnehin kein Schießbetrieb stattfinden dürfe, sei es sinnlos, den Schießstand laufend zu reinigen, erklärt Vereinspräsident Henry Meier.

Seit Ende Februar 2020 sei die Anlage nicht mehr vom Verein genutzt worden, und auch alle übrigen gewohnten Aktivitäten habe der Verein eingestellt. Darunter das Schützenfest: Das entfiel im vergangenen Jahr, und auch in diesem Jahr muss man darauf verzichten. Eigentlich sei es so, dass schon kurz nach dem Schützenfest das Zelt, die Getränke und die Musik für das kommende Jahr bestellt werden, sagt Henry Meier. Diesmal habe der Vorstand über den Winter besprochen, ob überhaupt gefeiert werden kann, aber keine weiteren Schritte unternommen und schließlich das für den 8. und 9. Mai geplante Schützenfest mit Königsschießen am 1. Mai erneut abgesagt.

Damit fällt für den Schützenverein Maasen zum zweiten Mal in Folge die Haupteinnahmequelle weg: „Am Samstagabend haben wir locker 400 Besucher oder mehr auf dem Zelt“, nennt Henry Meier eine Hausnummer. Die Kosten laufen jedoch weiter, darunter der Unterhalt für das Schützenhaus und die notwendigen Versicherungen. Hinzu kommen noch unvorhergesehene Belastungen: Obwohl der Schießbetrieb seit mehr als einem Jahr ruht, hat der Landkreis Diepholz für den Sommer die Überprüfung der Anlage durch einen Sachverständigen angekündigt. „Das kostet auch rund 500 Euro“, befürchtet der Präsident. Deswegen verzichte der Verein auch nicht auf die Mitgliedsbeiträge, sondern „wir wollen uns den Mitgliedern gegenüber erkenntlich zeigen, wenn wieder Veranstaltungen möglich sind.“

Eine Winkelspinne hat den Schießstand in Maasen für sich in Beschlag genommen.

Im Schützenverein Maasen liege das Hauptaugenmerk nicht auf dem Sportschießen, weswegen es – anders als bei anderen Vereinen im Sulinger Land – auch im Sommer kein Übungsschießen mit Hygienekonzept gegeben habe. „Die Geselligkeit steht bei uns im Vordergrund“, sagt Henry Meier, „aber die kommt zu kurz, und das ist frustrierend.“

Im vergangenen Jahr sei als kleiner Ausgleich für das Schützenfest eine vereinseigene Whatsapp-Gruppe eingerichtet worden, erläutert der stellvertretende Vorsitzende Marvin Meyer: „Wir haben die Mitglieder aufgefordert, da Fotos und Erinnerungen von früheren Schützenfesten einzustellen.“ Immerhin 92 von 268 Vereinsmitgliedern seien Teil der Gruppe.

Spinnennetze in den Ecken zeugen davon, dass der Schießstand seit Langem nicht mehr genutzt wird.

Ein anderer Versuch seien Frühschoppen zum Klönen für die Senioren im Verein gewesen. „Ein paar Mann waren da“, blickt Henry Meier zurück, „aber wir wollten vor allem zeigen, dass der Verein noch da ist.“

Immerhin: Der Verein habe durch die Pandemie kein einziges Mitglied verloren – „darüber können wir froh sein.“ Das gilt beileibe nicht für alle Schützenvereine: Der Deutsche Schützenbund vermeldet in seiner Statistik zum Stichtag 31. Dezember 2020 einen Mitgliederbestandsrückgang um 22 300 im Vergleich zum Vorjahr; im Nordwestdeutschen Schützenbund, zu dessen Einzugsbereich der Landkreis Diepholz gehört, sank die Zahl der im Verband organisierten Mitglieder um 3 068.

Keine Feste mehr so wie bisher

Ob sich diese Entwicklung auffangen lässt, ist fraglich: Der Verzicht auf die Veranstaltungen beeinträchtige das ganze Dorfleben, so Henry Meier, denn sie seien für Neubürger die Gelegenheit gewesen, Menschen kennenzulernen, und der Verein habe so neue Mitglieder gewonnen. Aber auch die vorhandenen Mitglieder seien betroffen: „Wie motivieren wir sie nach der langen Pause wieder zum Übungsschießen zu kommen?“

Für Henry Meier steht zumindest fest, dass es die Schützenfeste „so, wie wir sie kennen“, nicht mehr geben wird. „Wir richten unser Fest selbst aus, haben keinen Festwirt. Aber wir wissen nicht, ob es 2022 noch Zeltverleiher, Schausteller, DJs und Livebands geben wird.“ Das Ausrichten in Eigenregie spare Personalkosten, ergänzt Marvin Meyer, dafür hätten die Vereine mit einem Festwirt weniger Arbeit. Mit steigenden Auflagen werde es für die Wirte wirtschaftlich aber schwieriger, und „Feiern mit Abstand“ sei überhaupt nicht vorstellbar. Das könne auch bedeuten, dass manche Veranstaltungen bereits endgültig Geschichte sind, befürchtet Henry Meier: „Für die Feste, die ohnehin schon Schwierigkeiten hatten, dass sie sich rechnen, wird es noch enger.“

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