Siedenburg: Birgit Sych trifft den Nerv von 220 Besucherinnen

„Wer bestimmt mein Leben?“

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Birgit Sych bei ihrem Vortrag in Siedenburg.

Siedenburg - Birgit Sych traf mit ihrem Vortrag den Nerv der 220 Besucherinnen. Das Thema ihres Referats beim Frauenfrühstück des Landfrauenvereins Sulingen im Hotel Block in Siedenburg: „Rennst du noch, oder lebst du schon?“

Chronische Zeitknappheit sei eine vielverbreitete Erscheinung in der nach Leistung und Effizienz strebenden Gesellschaft. „Die Uhr läuft“ – das vermittele auch die Werbung. Birgit Sych (59): „Ich will mit Ihnen dem Geheimnis auf die Spur gehen, warum Sie sich oft als Gejagte fühlen.“

Sych, Mutter von sieben Kindern, Lehrerin, Buchautorin und Familienfrau, die Stressmomente aus eigener Erfahrung kennt, wartete mit praxistauglichen Ratschlägen auf. Die Zeit habe eine nie gekannte Dimension erreicht: In Windeseile lassen sich Mails verschicken, verbreiten sich Nachrichten und Gerüchte. Es gehe stets darum, die Zeit bestmöglich zu nutzen, indem man mehrere Dinge gleichzeitig erledige: Man arbeite im Zug am Notebook, telefoniere im Auto, verfolge im Fitness-Studio die Lieblingssendung am Bildschirm.

Im heutigen Leben sei kein Platz für Leerlauf, Langeweile und Muße. Wer keine Pläne habe oder seine Zeit „verplempere“, sei gesellschaftlich geächtet. Dabei sei es wichtig, sich Zeit zu nehmen, um über das eigene Leben nachzudenken. Sych: „Finden Sie die Balance zwischen dem äußeren Druck und der Freiheit, sich Momente zu gönnen, die Herz und Seele guttun.“

Als „Krankheiten“, für die insbesondere Frauen anfällig seien, nannte Birgit Sych den Perfektionismus und den Hang zum Übernehmen von Aufgaben, die nicht der eigenen Überzeugung entsprechen. Ihr Rat: „Überlegen Sie, ob Aufwand und Ertrag im richtigen Verhältnis stehen. Und sagen Sie nicht ‚Ja', wenn Sie ‚Nein' meinen.“ Sych: „Wir wollen gebraucht und geliebt werden – das ist ein berechtigter Wunsch. Es kann aber nicht sein, dass wir nur dann geliebt werden, wenn wir die Wünsche der anderen erfüllen.“

Die Zeit sei das einzige Gut, das in Deutschland gerecht verteilt sei. Sie zu nutzen sei eine Kunst, die man lernen könne. Die zentralen Fragen seien: „Wer bestimmt mein Leben“ und „Nach welchem Tempo marschiere ich“. Sych empfahl den Frauen, die Motive ihres Handelns, ihre Ideale und ihren Lebensstil zu überprüfen. Das Delegieren von Aufgaben in Familie und Beruf sei ebenso gewinnbringend wie die Entrümpelung des Zeitplans von Terminen, die man nicht selbst oder nicht sofort erledigen müsse.

Sie wünschte den Landfrauen das Gespür dafür, Dinge im richtigen Moment zu tun. Und den Mut zu Zeitpausen: „Machen Sie Urlaub ohne Sightseeing und Animation. Oder stellen Sie sich einmal bewusst an der Supermarktkasse mit der längsten Schlange an – das entschleunigt Ihr Leben:“ Viele hätten sich zum Jahresanfang vorgenommen, es „ruhiger angehen zu lassen“, hatte Rita Ihlo vom Landfrauenverein Sulingen bei der Begrüßung der Gäste vermutet. Birgit Sych gab praktische Ratschläge, die guten Vorsätze umzusetzen. Angesichts der Wetterverhältnisse hatten die Teilnehmerinnen gleich auf dem Heimweg Gelegenheit, sich in Langsamkeit zu üben.

mks

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