Heiner Husmann: Obst- und Gemüseernte nur mit ausländischen Saisonkräften möglich

Polen, Rumänen und Ukrainer rollen Beeren

Qualitätskontrolle: Heiner Husmann probiert die frisch geernteten Früchte.
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Qualitätskontrolle: Heiner Husmann probiert die frisch geernteten Früchte.
  • Harald Bartels
    vonHarald Bartels
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Borstel – Die in fremden Sprachen beschrifteten Schilder auf dem Hof verraten es: Bei „Husmann’s Obstgärten“ in Borstel sind ausländische Gäste nichts Ungewöhnliches. Ganz im Gegenteil – ohne Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland sei die Ernte kaum zu bewältigen, sagt Betriebsleiter Heiner Husmann.

Während Feldfrüchte wie Kartoffeln, Möhren, Bohnen und Erbsen zum Großteil maschinell geerntet werden könnten, sei das beim Beerenobst, aber auch bei Spargel, Kohlgemüse, Gurken oder Salat nicht möglich: „Das ist harte Arbeit und geht nur von Hand.“ Daher machten die Lohnkosten, nach Erhöhung des Mindestlohns, beim Beerenobst einen Anteil von 60 Prozent am Umsatz aus – bei Äpfeln beispielsweise liege er lediglich bei 30 Prozent.

Husmanns Hof verfügt in Borstel und Umgebung über eine Anbaufläche von rund 50 Hektar für Heidelbeeren, inklusive einer eigenen Baumschule. Über die ganze Saison von März bis Ende Oktober seien hier in normalen Jahren insgesamt rund 150 Kräfte beschäftigt, die meisten von ihnen, etwa 90, in der Haupterntezeit, von Anfang Juli bis in den September. In diesem Jahr seien es coronabedingt nur knapp 70 Kräfte, die auch nur unter großen Schwierigkeiten zu bekommen gewesen seien. „Wir mussten ganz dicke Bretter bohren“, umschreibt es Husmann. Mittlerweile verstehe die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast die Probleme, und dafür seien die Betriebe dankbar. Dennoch: „Wir mussten vielen wieder absagen.“ Gerade aus Polen kämen Helfer schon in dritter Generation auf den Hof, aber viele, von denen manche schon fast 30 Jahre in Borstel arbeiten, hätten aufgrund ihres Alters nicht kommen dürfen. Neben den Helfern aus Polen, die den Grundstock bildeten, habe man mit Kräften aus Rumänien gute Erfahrungen gemacht, und die dritte Gruppe seien Studenten aus der Ukraine.

Die Kräfte hätten sich bereits im Februar und März schriftlich beworben. Mit ihren Unterlagen hätten sie schon vor der Einreise Gesundheitshinweise bekommen, und nach ihrer Ankunft seien sie in wöchentlichem Abstand zwei Mal auf das Coronavirus getestet worden. „Wir machen das, damit wir ganz sicher sind.“ Nach den Tests habe sich die Stimmung auf dem Hof und der Umgang untereinander deutlich verbessert: „Es gibt kein Misstrauen mehr“, hat Husmann beobachtet. Die festangestellten Mitarbeiter beprobe der Betrieb dagegen häufiger, denn: „Die Gefahr, dass von außen etwas kommt, ist größer.“ Die Proben untersuche ein tierärztliches Labor in Langförden. „Die sind zertifiziert worden und haben jetzt Testkapazitäten frei, weil weniger Tieruntersuchungen anfallen.“ Bei einem positiven Test wären die Kräfte in eigens errichteten Quarantäneunterkünften untergebracht worden.

Darüber hinaus seien noch diverse weitere Veränderungen notwendig gewesen: Die Belegung der Zimmer und der sieben Speiseräume sei deutlich geringer, in allen Zimmern gebe es Verhaltenshinweise und Desinfektionsspender und die Kräfte seien in feste Arbeitsgruppen aufgeteilt worden.

Alle Maßnahmen seien bereits vom Gesundheitsamt überprüft worden, und er rechne mit weiteren Kontrollen im Verlauf der Saison. Auf dem Hof werde aber bereits seit Jahren viel Wert auf Hygiene gelegt, da für den Export der Früchte ins Ausland schon Hygienekonzepte erarbeitet werden mussten – „deswegen waren wir nicht überrascht.“ Seit Jahren sei der Hof zertifiziert nach „Global Gap“- und QS-Standard. Allerdings hätten es die Heidelbeeranbauer auch leichter als die Spargelanbauer, für die es gerade im April fast täglich neue Anordnungen gegeben habe. Allen mache aber die Bürokratie zu schaffen: „Wir versuchen deswegen, so viel wie möglich zu digitalisieren, um schnell einen Überblick zu haben.“

Bedenken von Menschen vor Ort vor den ausländischen Kräften seien ihm zugetragen worden, berichtet Heiner Husmann, aber er habe die getroffenen Maßnahmen erläutert und damit die Befürchtungen schnell zerstreuen können. Auf seinem Hof gebe es auch keine Werksverträge. „Das ist uns mal angeboten worden, aber wir haben das geprüft und festgestellt, dass die Leute dann total abhängig sind von den Vermittlern, das lehnen wir ab.“

Zu Beginn der Corona-Krise hätten sich auch hier Einheimische als Erntehelfer beworben. „Wir werden das probieren, und manche Kollegen habe schon gute Erfahrungen gemacht, vor allem mit Leuten, die aus der Gastronomie kommen.“ Die Heidelbeerenernte sei, vor allem bei Sonne und Hitze, körperlich anstrengend, und es komme auf die Technik an: Damit die Früchte nicht beschädigt werden, würden sich nicht gepflückt, sondern vom Zweig in den Eimer gerollt – „die Spitzenkräfte schaffen so über 100 Kilogramm am Tag.“

Die Corona-Maßnahmen betreffen nicht nur die Arbeitskräfte, sondern auch die Selbstpflücker: Hier gilt ebenfalls, in den Reihen Abstand zu halten und beim Abwiegen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

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