„Robust und sehr fruchtbar“

Siedenburger Nils Ruröde widmet sich der Zucht von Leineschafen

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Viertklässler der Grundschule am Speckenbach waren am Montag Gast auf dem Hof von Nils Ruröde: praxisorientierter Sachunterricht, wie er nicht im Buche steht.

Siedenburg - 125 Schafe begrüßten die Viertklässler der Grundschule am Speckenbach mit einem aufgeregten Blöken, die Schulkinder reagierten mit einem kollektiven „Oh, wie niedlich“.

Die Klasse von Lehrerin Jana Ohrdes war am Montag Gast auf dem Hof Ruröde: praxisorientierter Sachunterricht, wie er nicht im Buche steht. Nils Ruröde widmet sich seit acht Jahren der Zucht von Leineschafen. „Deutschlandweit gibt es nur noch 2 500 Tiere, der Bestand der Rasse gilt als extrem gefährdet“, erklärte er den aufmerksamen Gästen. 

„Warum sterben die aus? Weil so viele geschlachtet wurden?“, erkundigte sich ein Schüler. Die Antwort des Züchter schien nicht allen plausibel zu sein: „Nein, im Gegenteil: Wir erhalten die Rasse dadurch, dass wir das Fleisch essen.“ Das Leineschaf, ursprünglich verbreitet im Leinebergland, wurde im letzten Jahrhundert durch Zuchtlinien verdrängt, die sich besser vermarkten lassen. Seit 2002 wird der Bestand in Deutschland durch Rückimporte aus Polen neu aufgebaut.

Ruröde ist einer der wenigen Herdbuchzüchter von Leineschafen in Niedersachsen. So viele Tiere wie möglich gibt er an Züchterkollegen weiter, für einige ist der Weg zum Schlachter jedoch unausweichlich. „Die Leineschafe sind robust und sehr fruchtbar“, erklärte Ruröde.

80 Lämmer zu betreuen 

47 seiner Muttertiere haben bereits Nachwuchs. Das jüngste der 80 Lämmer war am Montagmorgen gerade einmal sieben Stunden alt. Neben dem blinden „Lenny“, der zu den vier „Flaschenkindern“ im Stall gehört, avancierte es zum Favoriten der „Kuscheltier-Riege“. Ob es auch Männerschafe gibt? Auf diese Frage hin stellte Nils Ruröde seinen Gästen die männlichen Vertreter der Rasse vor, respekteinflößende Böcke von 120 bis 135 Kilo Gewicht.

Ganz nebenbei erfuhren die Grundschüler, dass Schafe zu den Wiederkäuern gehören und nur im Oberkiefer Zähne haben, dass man bei der Fellpflege nicht von „Rasieren“, sondern von Scheren spricht und Lämmer regelrecht Luftsprünge machen, wenn sie sich freuen.

Die Kinder durften am Ende selbst aktiv werden: Sie kamen mit Begeisterung der Aufforderung nach, die Raufen mit Heu zu füllen.

Nils Ruröde hat seinem Sohn Tim die Liebe zum Schaf weitergegeben: Der Elfjährige züchtet Coburger Füchse. „Es ist wichtig, Kindern die Tiere näher zu bringen“, erklärte der Siedenburger. Vor diesem Hintergrund hatte er im vergangenen Jahr bereits eine Ferienspaßaktion auf seinem Betrieb ausgerichtet. Am Mittwoch erwartet er zwei weitere Klassen. In Kürze stehen die Tiere quasi unter Dauerbeobachtung der Schulkinder. Die Schafe kommen in sechs Wochen auf eine Weide in der Nähe der Schule.

mks

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