Raum für Interpretationen

Wegeseitenräume: Gesetzesverstöße beschäftigen Verwaltung

Ein Wegeseitenraum, wie er aus Sicht der Beschwerdeführer aussehen müsste.

Borstel - Für den einen ist die intensive Unterhaltung des Wegeseitenraums eine Maßnahme zur Verkehrssicherung und zur Aufwertung des Ortsbildes, der nächste sieht darin falsch verstandene Ordnungsliebe und einen Verstoß gegen das Naturschutzrecht. „Die Gesetze zur Pflege von Randstreifen lassen Raum für Interpretationen“, sagt Samtgemeindebürgermeister Rainer Ahrens.

Seit im Siedenburger Amtshaus vermehrt Hinweise und Anzeigen über vermeintliche Verletzungen gegen naturschutzrechtliche Verbote eingegangen sind, ist die Verwaltung mit aufwändiger „Ermittlungsarbeit“ beschäftigt. Rainer Ahrens: „Wenn es konkrete Anhaltspunkte gibt, wer wann und wo gegen das Gesetz verstoßen hat, müssen wir der Sache nachgehen.“

Ordnungswidrigkeit oder Straftat?

Beschwerden kommen seit Anfang Mai von einem Einwohner der Gemeinde Borstel über Anlieger der Straßenzüge „Im Felde“, „Im Hagenholze“ und „In der Heimat“. Sie haben Wegeseitenräume gemulcht beziehungsweise gemäht, beides ist laut Paragraph 39 Abs. 5 des Bundesnaturschutzgesetz während der Brut- und Setzzeit (1. April bis 15. Juli) verboten. Auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Fachdienst Naturschutz, weist in ihren Ausführungen zum Schutz der „wertvollen Bestandteile unserer Kulturlandschaft“ – Rückzugsort von Insekten und bodenbrütenden Vögel – auf das Beseitigungsverbot hin und fordert eine „ökologisch angepasste extensive Pflege“.

Ausnahmen gebe es beispielsweise im Hinblick auf die Verkehrssicherung, erklärte Sonja Husmann vom Fachdienst Sicherheit und Ordnung der Samtgemeinde: „Kreuzungsbereiche müssen einsehbar sein.“ Man habe im Zuge der Ermittlungsarbeit bereits mit einigen Anliegern gesprochen, sagte Rainer Ahrens. Je nachdem in welchem Bereich die Flächen liegen, werde der Verstoß als Ordnungswidrigkeit oder als Straftat geahndet. Seine persönliche Einschätzung sei, dass die Natur in den angezeigten Fällen keinen Schaden genommen hat.

Samtgemeindebürgermeister erinnert an Leinenpflicht

Nicht nur die Fach- und Tagespresse thematisiere jährlich den besonderen Schutz der Wegeseitenräume, auch die Verwaltung weise immer wieder auf die Bestimmungen hin, sagte Rainer Ahrens. Seine erneute Bitte, die Vorgaben zu beherzigen, richtet er an alle Einwohner der Samtgemeinde – nicht nur an die Borsteler.

Aus aktuellem Anlass weist er in diesem Zusammenhang auf Paragraph 33 Abs. 1 des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung hin. Demnach gehören Hunde während der allgemeinen Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit (1. April bis 15. Juli) in der freien Landschaft an die Leine. 

mks

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Einweihungsfeier der neuen Dorfstraße in Neddenaverbergen

Einweihungsfeier der neuen Dorfstraße in Neddenaverbergen

Stock-Car-Rennen in Martfeld

Stock-Car-Rennen in Martfeld

Einsatz in Marseille: Auto rast in Bushaltestellen

Einsatz in Marseille: Auto rast in Bushaltestellen

Barnstorfer Ballonfahrer-Festival mit Happy End

Barnstorfer Ballonfahrer-Festival mit Happy End

Meistgelesene Artikel

Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival: Happy End am Himmelszelt

Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival: Happy End am Himmelszelt

Ballon-Fahrer-Festival: Fantastische Aussichten nicht nur in der Luft

Ballon-Fahrer-Festival: Fantastische Aussichten nicht nur in der Luft

55. Dümmerbrand in Hüde: Feuerwerk mit besonderem Charme

55. Dümmerbrand in Hüde: Feuerwerk mit besonderem Charme

Viel Wein – und sehr viel Regen

Viel Wein – und sehr viel Regen

Kommentare