Bands würzen Irish Open Air in Staffhorst teils mit Hartrock- und Schlageranleihen

Publikum hat „richtig Bock“

Frontmann Thys Bouma von den Keltics muss das Publikum nicht lange zum Mitsingen bitten. - Fotos: Kurth-Schumacher

Staffhorst - Von Martina Kurth-Schumacher. Schon zu Beginn war klar: Das wird ein guter Abend. Die Cobblestones standen am Samstag als erste der Irish-Folkbands auf der Bühne des 23. „Irish Open Air“ am Gasthaus Wolters in Staffhorst. Ebenso wie das Publikum hatten sie „richtig Bock“.

Nobody Knows überzeugten mit frisch-frechen eigenen Songs – und einer gehörigen Portion Humor.

„Wir waren schon ein paar Mal hier, es war immer super-super-genial“, sagte Andy Knappe, Sänger, Gitarrist und Akkordeon-Spieler der Cobblestones, Opener mit ansteckend guter Laune. Sie gaben alles, um die Besuchern auch in diesem Jahr zu beseelen: mit Jigs und Reels, mit Anekdoten von irischen Auswanderern und schottischen Originalen oder Geschichten über Lebertran und Stout und den morgendlichen Kater danach. Musikalisch schlugen sie den Bogen von klassischem irischen Folk zu Sakralklängen („Go down Moses“) in Verbindung mit „American electronic dance“ („I like to move it“) – nicht ohne in kurzen Abständen auf den Abend, das Wetter und Gastgeber Friedhelm „Fidi“ Wolters ein kollektives „Sláinte“ anzustimmen.

Lange gefreut hatten sich Stammgäste des Irish Open Air auf die Keltics, die nach sieben Jahren Abstinenz wieder auf der Staffhorster Bühne standen. „Schön, wieder hier zu sein“, sagte Frontmann Thys Bouma. Er war seinen Fans als „Fliegender Holländer“ gut in Erinnerung geblieben. Seinem Beinamen machte er auch am Samstag alle Ehre. Mit wehendem Schottenkilt und flatterndem Sporran tobte er über die Bühne. Und mit dem Gros seiner Band in einer „langen Wanderung“ („Polonaise ist zu negativ besetzt...“) auf den Tanzboden, durch das Partyvolk und zurück.

„Wir bauen uns ein bisschen Wacken”, lautete die Devise von Bouma. Mit „It’s a long way to the top“ (ACDC) bewies er gleich zu Beginn, dass die Synthese von Hartrock und Irish Folk für ambitionierte Tänze aller Couleur eine tanzbare Variante ist. Auf der Tanzfläche und auf der Bühne wehten die Kilts um die Wette. Wer einen Platz dicht genug am Geschehen ergatterte, hatte eine gute Chance, herauszufinden, was „Mann“ unter dem Schottenrock trägt. Die Keltics verabschiedeten sich hartrockig mit „The Clansman“ (Iron Maiden), „Paranoid“ (Black Sabbath) und dem Versprechen, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.

Irish Open Air 2016

Gegen Mitternacht erhöhte die Stendaler Formation Nobody Knows noch einmal die Drehzahl. Für ihren Stil, den sie selbst mit „postmoderner, bundesrepublikanischer Folklore mit nordwesteuropäischer Note und ostokzidentaler Rhythmik“ beschreiben, gibt es keine Schublade. Frisch und frech die Songs mit eigenen Texten, mutig die „Einnordung“ von Helene Fischers „Atemlos“, Pippi Langstrumpf und Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ zu tanzbaren Partykrachern mit irischen Rhythmen – mehr Crossover geht nicht! Auch die Titelmelodie des DDR-Sandmännchens musste dran glauben. „Hat mein Papa für mich geschrieben“, witzelte Frontmann Max Heckel. Papa Ronny, ebenfalls Mitglied der Band, lachte. Und griff in die Saiten. Spaß war Trumpf – nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne. Dass Violinist Georg Marth den Johnny-Cash-Klassiker „Ring of Fire” für alle, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, „waldorfschulisch“ vortanzte, war nur eine Facette der Performance, die in puncto musikalischer Qualität und Bühnenshow auf ganzer Linie überzeugte.

Traditionell rundeten die Pipeband „Crest of Gordon“ und die „Owl Town Pipe & Drum Band“ aus Peine, die mit eigenen Fanclubs angereist waren, den Abend mit Märschen, Tanzstücken und Hochland-Hymnen ab. Sie waren weit mehr als nur Pausenfüller.

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